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Vor ziemlich genau 10 Jahren schrieb Matthias einen tollen Bericht zur Erstbegehungsgeschichte der Stadtkinder in der Stangenwand. Eine Linie deren Anlass ein feierlicher war, sein 50. Geburtstag!
Nun, heuer hatte ich meinen 50er - höchste Zeit also für eine weitere (fertige) Linie in dieser beeindruckenden Wand!
Als wir damals nach der Erstbegehung oben in der weichen Wiese des Stangenwand-Gipfelplateaus lagen waren wir überglücklich. Ja anstelle von Blut flossen Glücksgefühle durch unsere Körper welche wohl für den Dauergrinser verantwortlich waren welcher uns lange Zeit begleitete und welcher sich bei mir auch jetzt noch breit macht wenn ich an diese Erlebnisse zurückdenke.
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Allerdings war uns dann doch auch bald schon bewusst dass uns diese intensiven Erstbegehungstage fehlen würden. Und so dauerte es nicht lange bis wir nach neuen, für uns möglichen Linien Ausschau hielten. Rasch war dann auch eine spannende gefunden. Wieder in der Stangenwand, also wieder ein mühsamer Zustieg und steiler oft brüchiger Fels. Doch genau diese Anstrengung ist ja das Salz in der Suppe. Dort wo man voll fokussiert sein muss, wo man aufpassen und mitdenken muss, dort spürt man das Erlebte einfach viel intensiver.
Anfang Juni 2017 tragen wir bei grauslich nebligem Wetter erstes Material zum Einstieg und erkunden diesen etwas genauer.
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Am Wandfuss liegt noch Schnee.
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Wir kraxeln eine einfache rampenartige Platte schräg nach links hinauf zu einer Nische in welcher wir das Material verstauen. Dies wird dann nächstes Mal der erste Standplatz, zuvor wollen wir dann noch die Plattenzone direkt aus dem Schotter gerade hoch klettern.
Da wir beide berufstätig sind und die Wochenenden unseren Frauen gehören ist es mit passenden Terminen nicht immer ganz einfach. Mit ein bisschen vorplanen ist es natürlich trotzdem möglich sich auch unter der Woche einen Tag freizunehmen, einzig das Wetter können wir für diese Tage nicht beeinflussen.
Und so geht es wie schon beim Materialtransport auch diesmal wieder bei Nebel durch das Rauchtal hinauf zu unserer Stangenwand. Bei kaltem etwas windigem Nebelwetter starte ich wie geplant aus dem Schotter in die erste Seillänge. Die Regenjacke über der normalen Jacke, an den Händen Handschuhe mit abgeschnittenen Fingern um einerseits irgendwas am Fels zu spüren aber andererseits nicht komplett zu frieren.
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Suboptimal, aber nichts ungewohntes. Matthias hat es in der zweiten Seillänge dann auch nicht besser, ganz im Gegenteil! Der Fels wird deutlich steiler und brüchiger.
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Beim Nachsteigen räume ich einiges aus der Wand. Teils gut torsogrosse Wuzzeln zischen rund 10 Meter im freien Fall bis sie einmal kurz aufschlagen und zersplittert bis ins Schotterkar fliegen. 4 Bolts hat Matthias auf diese steilen 35 Meter gebohrt, innerlich hoffe ich nur diese Länge nie vorsteigen zu müssen!
Weiter geht es ganz einfache 20 Meter in einen kleinen Kessel zu einem Pfeiler.
Keine Ahnung wieso ich jetzt auch in die nächste Länge starten muss, wahrscheinlich haben die gerade gegangenen Meter nicht als eigenständige Länge in Wechselführung gezählt.
Oder ist es weil Matthias schon ahnt was hier auf uns wartet, und ich aufgrund der wahnsinnigen Steilheit welche uns ier umgibt den Pfeiler eher als gut geneigt empfinde? Nach einigen Metern stehe ich nun also in einem senkrechten Pfeiler, bei beinahe jeder meiner Bewegungen prasseln kleine Splitter hinunter zu Matthias. Irgendwie habe ich mich verrannt, rechts hatte es doch so gut ausgesehen. Unter voller Anspannung klettere ich wieder etwas zurück, die Finger sind trotz Handschuhen kalt und steif. Ich spüre nichts, kann aber endlich den ersten Bolt bohren und mich in diesem sitzend etwas ausruhen und sowohl Finger als auch Zehen aufwärmen. Nach einer kurzen Beratschlagung klettere ich vorsichtig weiter nach links hinauf zu einer kleinen Nische. Steil, brüchig, knackig. Und während ich mich zentimeterweise hinaufkämpfe berichtet mir Matthias ganz fröhlich dass 10 Meter links von uns in etwas einfacherem Gelände eh ein Normalhakl zu sehen sei und dies wohl der bessere Weg wäre. Das sind jedenfalls Infos welche ich in solchen Momenten genau gar nicht brauche, denn ich stehe mehrere Meter über dem ersten Bolt und versuche gerade zitternd eine Position zum Bohren zu finden.
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Geschafft - sitzen, schnaufen, ungläubig herumschauen und sich fragen wieso es so viel schwieriger ist als gedacht. Ha! Ein Stück links ober mir erkenne ich eine Sanduhr, deren Anblick frische Energie in mich pumpt und mir den Weiterweg klar vorgibt. Also hinauf zu dem kleinen Loch und eine Schlinge durchfädeln, sitzen, schnaufen und weiterkraxeln.
Irgendwann stehe ich dann endlich am Ende einer kleinen Rinne und bohre einen Standplatz von welchem wir letztendlich Abseilen. Ein guter erster Tag, wenn auch deutlich knackiger als gedacht!
Rund 4 Wochen später haben wir wieder einen Tag gefunden welcher für uns beide passt. Wie schon gewohnt geht es im Nebel mit Jacke und Handschuhen hinauf zum letztmaligen Umkehrpunkt in der Rinne.
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Wir blicken hinauf und der Fels blickt zu uns herab! Shit, das ist tatsächlich leicht überhängend, aber es gibt eine Schwachstelle durch welche wir sicherlich hinauf kommen. Hoffentlich!
Ich klettere los, erste Griffe platzen ab, mit den Zehenspitzen trete ich gegen den Fels und putze mir so kleine Tritte frei. Ein Stück über dem ersten Bolt sehe ich in einem Grasbüschel eine Rostgurke! Cool, aber wer hat diesen Haken hier geschlagen, und vor allem woher sind sie gekommen und noch viel interessanter wohin sind sie geklettert!? Meine Hose ist ja mit Bohrmaschine schon gestrichen voll, kaum vorstellbar was die Kletterer damals drauf hatten und welche Nerven sie wohl hatten! Der Hakl wird natürlich geklippt, ohne zu prüfen wie er klingt (ich wills gar nicht wissen), und nach einigen Zügen stehe ich endlich so dass ich gut bohren kann. Nun wartet die leicht überhängende Stelle auf mich. Einen guten Griff kann ich zumindest schon erkennen. Kurz darauf stehe ich total ausgespreizt da, halte mich an einem Untergriffloch und finde einfach nichts um über diese Stelle drüber zu kommen. Das Bohren mit der linken Hand aus dieser Stellung raubt meine letzten Kräfte. Noch bevor ich den Anker bis zur Lasche in den Fels klopfen kann muss ich aufgeben! Vorsichtig klippe ich noch den halb rausstehenden Bolt und klettere 2-3 Schritte zum vorigen ab. Eigentlich bin ich jetzt schon am Ende, da hilft es auch nicht viel dass Matthis lobt und gut zuredet. Trotzdem, nochmals rauf, Anker einschlagen, Mutter festschrauben, sitzen, einen Durchstieg versuchen, sitzen. Die Kraft ist total weg!
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Zwar sehe ich den rettenden Griff, bin allerdings zu klein um ihn zu erreichen. Auch mit einer kleinen Trittleiter schaffe ich es nicht! Jetzt darf bzw. muss Matthias zeigen was er kann, und tatsächlich – yesss!!! Mit den Worten "Rü pass auf! Ich schaffs net…" kämpft er sich tatsächlich über diese Stelle, bohrt einen Bolt und ist so wie ich kurz davor völlig erschöpft und leer. Ich lasse ihn ab, wir binden uns um so dass ich quasi im Nachstieg bin und schon kämpfe ich mich teils am Seil anhaltend hinauf zum umlenkenden letzten Bolt. Weiter geht es nun zwar weniger steil, aber teilweise immer noch senkrecht und brüchig, jedenfalls eher moralisch als schwierig. Ich denke an Franz Horich und sage mir im Takt meines rasend pochenden Herzens '…Griffe schaffen, Griffe schaffen…' während ich mich mit zwei Fingern festhalte und mit dem dritten versuche die Brösel aus dem Loch zu bekommen um dann endlich einen Bolt bohren zu können. Matthias kommt nach und meint nur "…du spinnst ja, du spinnst komplett!..."! Wir sind froh dass wir diese, zwar nur eine, Seillänge durchgebissen haben und beim nächsten Mal mit einer frischen Länge ins Neuland starten können.
Ober uns zeigt sich eine überhängende Wulstzone welche aber einige Meter links von uns einen deutlichen Einschnitt zeigt. Der Weiterweg ist klar, genau wie im Vorfeld bei der Planung anhand diverser Fotos besprochen.
Es ist Ende September, endlich haben wir wieder einen gemeinsamen Tag gefunden. Wieder ist es nebelig, nass und kalt, am Wandfuss liegt sogar Schnee! Ein Versuch ins Neuland vorzustoßen wäre sinnlos, selbst das Klettern der schon vorhandenen Längen hätte bei diesen Verhältnissen keinen Sinn.
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Ziemlich demoralisiert steigen wir also ab, eine Nullnummer!
Wenn man seine wenigen gemeinsamen freien Tage nicht nutzen kann und nur Seile, Bohrmaschine & Co spazieren schleppt wird man irgndwie frustriert! Wir plaudern darüber dass man für olche Tage zumindest irgendeinen anderen Plan haben sollte, oder einen Ausweichkogel an dem man auch bei suboptimalen Verhältnissen klettern könnte. Während wir nun so plaudernd durch das untere Rauchtal absteigen, stehen wir vor einer (zugegeben, sehr verwachsenen aber für uns in diesem Moment absolut genialen) Wasserrillen-Wand welcher wir bis zu diesem Zeitpunkt nie Aufmerksamkeit schenkten. Wir schauen uns kurz an und jeder weiss was der Partner denkt – das wird unser Ausweichkogel!
Die Bohrmaschine verstauen wir unter einem Baum, hängen uns nur die Klemmerei an den Gurt und klettern drei Seillängen gerade hinauf, queren dann nach links weiter in eine fantastische Plattenwand und seilen dort an massiven Sanduhren hinunter zum Wandfuss.
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Ganz klar! Hier muss was passieren!
Die von uns damals gekletterte Linie an der Ausweichkogel-Südwand wurde inzwischen von Sepp Lang und Tom Richter liebevoll mit zwei verschiedenen Touren erschlossen, gut geputzt und eingebohrt! 'Rüdiger und Matthias sind hier schon 2017 hinauf! Nix und Garnix, einfach nett und sonnig! Nix besonderes! Doch besonders!' So ist es auf ihrem Topo zu lesen.
Vor ziemlich genau 10 Jahren schrieb Matthias einen tollen Bericht zur Erstbegehungsgeschichte der Stadtkinder in der Stangenwand. Eine Linie deren Anlass ein feierlicher war, sein 50. Geburtstag!
Nun, heuer hatte ich meinen 50er - höchste Zeit also für eine weitere (fertige) Linie in dieser beeindruckenden Wand!
Als wir damals nach der Erstbegehung oben in der weichen Wiese des Stangenwand-Gipfelplateaus lagen waren wir überglücklich. Ja anstelle von Blut flossen Glücksgefühle durch unsere Körper welche wohl für den Dauergrinser verantwortlich waren welcher uns lange Zeit begleitete und welcher sich bei mir auch jetzt noch breit macht wenn ich an diese Erlebnisse zurückdenke.
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Allerdings war uns dann doch auch bald schon bewusst dass uns diese intensiven Erstbegehungstage fehlen würden. Und so dauerte es nicht lange bis wir nach neuen, für uns möglichen Linien Ausschau hielten. Rasch war dann auch eine spannende gefunden. Wieder in der Stangenwand, also wieder ein mühsamer Zustieg und steiler oft brüchiger Fels. Doch genau diese Anstrengung ist ja das Salz in der Suppe. Dort wo man voll fokussiert sein muss, wo man aufpassen und mitdenken muss, dort spürt man das Erlebte einfach viel intensiver.
Anfang Juni 2017 tragen wir bei grauslich nebligem Wetter erstes Material zum Einstieg und erkunden diesen etwas genauer.
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Am Wandfuss liegt noch Schnee.
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Wir kraxeln eine einfache rampenartige Platte schräg nach links hinauf zu einer Nische in welcher wir das Material verstauen. Dies wird dann nächstes Mal der erste Standplatz, zuvor wollen wir dann noch die Plattenzone direkt aus dem Schotter gerade hoch klettern.
Da wir beide berufstätig sind und die Wochenenden unseren Frauen gehören ist es mit passenden Terminen nicht immer ganz einfach. Mit ein bisschen vorplanen ist es natürlich trotzdem möglich sich auch unter der Woche einen Tag freizunehmen, einzig das Wetter können wir für diese Tage nicht beeinflussen.
Und so geht es wie schon beim Materialtransport auch diesmal wieder bei Nebel durch das Rauchtal hinauf zu unserer Stangenwand. Bei kaltem etwas windigem Nebelwetter starte ich wie geplant aus dem Schotter in die erste Seillänge. Die Regenjacke über der normalen Jacke, an den Händen Handschuhe mit abgeschnittenen Fingern um einerseits irgendwas am Fels zu spüren aber andererseits nicht komplett zu frieren.
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Suboptimal, aber nichts ungewohntes. Matthias hat es in der zweiten Seillänge dann auch nicht besser, ganz im Gegenteil! Der Fels wird deutlich steiler und brüchiger.
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Beim Nachsteigen räume ich einiges aus der Wand. Teils gut torsogrosse Wuzzeln zischen rund 10 Meter im freien Fall bis sie einmal kurz aufschlagen und zersplittert bis ins Schotterkar fliegen. 4 Bolts hat Matthias auf diese steilen 35 Meter gebohrt, innerlich hoffe ich nur diese Länge nie vorsteigen zu müssen!
Weiter geht es ganz einfache 20 Meter in einen kleinen Kessel zu einem Pfeiler.
Keine Ahnung wieso ich jetzt auch in die nächste Länge starten muss, wahrscheinlich haben die gerade gegangenen Meter nicht als eigenständige Länge in Wechselführung gezählt.
Oder ist es weil Matthias schon ahnt was hier auf uns wartet, und ich aufgrund der wahnsinnigen Steilheit welche uns ier umgibt den Pfeiler eher als gut geneigt empfinde? Nach einigen Metern stehe ich nun also in einem senkrechten Pfeiler, bei beinahe jeder meiner Bewegungen prasseln kleine Splitter hinunter zu Matthias. Irgendwie habe ich mich verrannt, rechts hatte es doch so gut ausgesehen. Unter voller Anspannung klettere ich wieder etwas zurück, die Finger sind trotz Handschuhen kalt und steif. Ich spüre nichts, kann aber endlich den ersten Bolt bohren und mich in diesem sitzend etwas ausruhen und sowohl Finger als auch Zehen aufwärmen. Nach einer kurzen Beratschlagung klettere ich vorsichtig weiter nach links hinauf zu einer kleinen Nische. Steil, brüchig, knackig. Und während ich mich zentimeterweise hinaufkämpfe berichtet mir Matthias ganz fröhlich dass 10 Meter links von uns in etwas einfacherem Gelände eh ein Normalhakl zu sehen sei und dies wohl der bessere Weg wäre. Das sind jedenfalls Infos welche ich in solchen Momenten genau gar nicht brauche, denn ich stehe mehrere Meter über dem ersten Bolt und versuche gerade zitternd eine Position zum Bohren zu finden.
Belagerung (6).jpg
Geschafft - sitzen, schnaufen, ungläubig herumschauen und sich fragen wieso es so viel schwieriger ist als gedacht. Ha! Ein Stück links ober mir erkenne ich eine Sanduhr, deren Anblick frische Energie in mich pumpt und mir den Weiterweg klar vorgibt. Also hinauf zu dem kleinen Loch und eine Schlinge durchfädeln, sitzen, schnaufen und weiterkraxeln.
Irgendwann stehe ich dann endlich am Ende einer kleinen Rinne und bohre einen Standplatz von welchem wir letztendlich Abseilen. Ein guter erster Tag, wenn auch deutlich knackiger als gedacht!
Rund 4 Wochen später haben wir wieder einen Tag gefunden welcher für uns beide passt. Wie schon gewohnt geht es im Nebel mit Jacke und Handschuhen hinauf zum letztmaligen Umkehrpunkt in der Rinne.
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Wir blicken hinauf und der Fels blickt zu uns herab! Shit, das ist tatsächlich leicht überhängend, aber es gibt eine Schwachstelle durch welche wir sicherlich hinauf kommen. Hoffentlich!
Ich klettere los, erste Griffe platzen ab, mit den Zehenspitzen trete ich gegen den Fels und putze mir so kleine Tritte frei. Ein Stück über dem ersten Bolt sehe ich in einem Grasbüschel eine Rostgurke! Cool, aber wer hat diesen Haken hier geschlagen, und vor allem woher sind sie gekommen und noch viel interessanter wohin sind sie geklettert!? Meine Hose ist ja mit Bohrmaschine schon gestrichen voll, kaum vorstellbar was die Kletterer damals drauf hatten und welche Nerven sie wohl hatten! Der Hakl wird natürlich geklippt, ohne zu prüfen wie er klingt (ich wills gar nicht wissen), und nach einigen Zügen stehe ich endlich so dass ich gut bohren kann. Nun wartet die leicht überhängende Stelle auf mich. Einen guten Griff kann ich zumindest schon erkennen. Kurz darauf stehe ich total ausgespreizt da, halte mich an einem Untergriffloch und finde einfach nichts um über diese Stelle drüber zu kommen. Das Bohren mit der linken Hand aus dieser Stellung raubt meine letzten Kräfte. Noch bevor ich den Anker bis zur Lasche in den Fels klopfen kann muss ich aufgeben! Vorsichtig klippe ich noch den halb rausstehenden Bolt und klettere 2-3 Schritte zum vorigen ab. Eigentlich bin ich jetzt schon am Ende, da hilft es auch nicht viel dass Matthis lobt und gut zuredet. Trotzdem, nochmals rauf, Anker einschlagen, Mutter festschrauben, sitzen, einen Durchstieg versuchen, sitzen. Die Kraft ist total weg!
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Zwar sehe ich den rettenden Griff, bin allerdings zu klein um ihn zu erreichen. Auch mit einer kleinen Trittleiter schaffe ich es nicht! Jetzt darf bzw. muss Matthias zeigen was er kann, und tatsächlich – yesss!!! Mit den Worten "Rü pass auf! Ich schaffs net…" kämpft er sich tatsächlich über diese Stelle, bohrt einen Bolt und ist so wie ich kurz davor völlig erschöpft und leer. Ich lasse ihn ab, wir binden uns um so dass ich quasi im Nachstieg bin und schon kämpfe ich mich teils am Seil anhaltend hinauf zum umlenkenden letzten Bolt. Weiter geht es nun zwar weniger steil, aber teilweise immer noch senkrecht und brüchig, jedenfalls eher moralisch als schwierig. Ich denke an Franz Horich und sage mir im Takt meines rasend pochenden Herzens '…Griffe schaffen, Griffe schaffen…' während ich mich mit zwei Fingern festhalte und mit dem dritten versuche die Brösel aus dem Loch zu bekommen um dann endlich einen Bolt bohren zu können. Matthias kommt nach und meint nur "…du spinnst ja, du spinnst komplett!..."! Wir sind froh dass wir diese, zwar nur eine, Seillänge durchgebissen haben und beim nächsten Mal mit einer frischen Länge ins Neuland starten können.
Ober uns zeigt sich eine überhängende Wulstzone welche aber einige Meter links von uns einen deutlichen Einschnitt zeigt. Der Weiterweg ist klar, genau wie im Vorfeld bei der Planung anhand diverser Fotos besprochen.
Es ist Ende September, endlich haben wir wieder einen gemeinsamen Tag gefunden. Wieder ist es nebelig, nass und kalt, am Wandfuss liegt sogar Schnee! Ein Versuch ins Neuland vorzustoßen wäre sinnlos, selbst das Klettern der schon vorhandenen Längen hätte bei diesen Verhältnissen keinen Sinn.
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Ziemlich demoralisiert steigen wir also ab, eine Nullnummer!
Wenn man seine wenigen gemeinsamen freien Tage nicht nutzen kann und nur Seile, Bohrmaschine & Co spazieren schleppt wird man irgndwie frustriert! Wir plaudern darüber dass man für olche Tage zumindest irgendeinen anderen Plan haben sollte, oder einen Ausweichkogel an dem man auch bei suboptimalen Verhältnissen klettern könnte. Während wir nun so plaudernd durch das untere Rauchtal absteigen, stehen wir vor einer (zugegeben, sehr verwachsenen aber für uns in diesem Moment absolut genialen) Wasserrillen-Wand welcher wir bis zu diesem Zeitpunkt nie Aufmerksamkeit schenkten. Wir schauen uns kurz an und jeder weiss was der Partner denkt – das wird unser Ausweichkogel!
Die Bohrmaschine verstauen wir unter einem Baum, hängen uns nur die Klemmerei an den Gurt und klettern drei Seillängen gerade hinauf, queren dann nach links weiter in eine fantastische Plattenwand und seilen dort an massiven Sanduhren hinunter zum Wandfuss.
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Ganz klar! Hier muss was passieren!
Die von uns damals gekletterte Linie an der Ausweichkogel-Südwand wurde inzwischen von Sepp Lang und Tom Richter liebevoll mit zwei verschiedenen Touren erschlossen, gut geputzt und eingebohrt! 'Rüdiger und Matthias sind hier schon 2017 hinauf! Nix und Garnix, einfach nett und sonnig! Nix besonderes! Doch besonders!' So ist es auf ihrem Topo zu lesen.





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