Angesichts der massiven Trockenheit in Mitteleuropa und der Hitzewelle ungekannten Ausmaßes in West- und Mitteleuropa wieder einmal ein Beitrag von mir.
Gleich vorab: "Früher war es auch schon so heiß!" - NEIN!
So schön habe ich es selten aufbereitet gesehen wie in diesem ORF-Beitrag. Dort steht es schwarz auf weiß - der erste 30er kommt immer früher. Das ist Fakt. Das hat auch nichts mit verstrahlten Wetterstationsstandorten zu tun, die früher auch schon verstrahlt waren.
Und die älteren Semester unter Euch werden aus der Erinnerung heraus sagen können, dass der Sommer früher viel kürzer war. Die Anzahl der Badetage war deutlich geringer.
In meiner Schulzeit in den 90ern gab es selten mal hitzefrei. Mittlerweile herrscht wochenlang Hitze. In Deutschland mit seinen nur sechs Wochen Sommerferien natürlich spürbarer als in Österreich, wenn Schulgebäude unklimatisiert sind.
Zur aktuellen Hitzewelle ein paar Daten:
Clipboard01.jpgExtreme Abweichungen vom 30-Jährigen Mittel (1981-2010, da steckt schon Klimaerwärmung drin!) in West- und Mitteleuropa am 26. Mai 2026 - bis zu 16°C Abweichung in England!
Zur aktuellen Dürre ein paar Daten:
----
Ebenso eindrücklich das dafür verantwortliche Hochdruckgebiet, das vor allem in der Höhe Extremwerte erreicht: Zur Klimatologie (1950-2024) extreme positive Abweichungen über Mitteleuropa:
dev.jpg
Im aktuellen Modell-Lauf sind bis Ende des Vorhersagezeitraums (10 Tage) keine vergleichbaren Abweichungen mehr in Sicht.
Was bedeutet das? Starker Hochdruckeinfluss mit hohem Geopotential bedeutet, dass sich ein sogenannter "heat dome" bildet, eine massive Warmluftblase in der Höhe. Wenn es diese dann trockenadiabatisch (1°C/100m) herabmischt, und sich dazu bei wenig Wind eine Überadiabate (>1°C/100m) am Boden entwickelt, kann sich die Luft maximal erwärmen.
Wie geht's nun weiter?
Heute zieht eine schwache Kaltfront durch, die eher als Dryline fungiert, das heißt, sie bringt frontrückseitig erheblich trockenere Luft, mit relativer Luftfeuchte teilweise unter 25%. Vorderseitig in der feuchtlabilen Luft entstehen einige Gewitter, die meisten im Bergland und im Süden.
Im letzten Satellitenbild vor Abschicken des Postings sieht man wunderschön den Waldviertelexpress, mit einer Perlenkette an Aufwindbereichen (Cumulus, rosa) von Südböhmen über das Obere Waldviertel bis zum Wienerwald.
waldviertelexpress.jpg
Die 850hPa-Temperatur geht von heute auf morgen um rund 7°C zurück. Dazu lebt mit bzw. nach den Gewittern Nordwestwind auf.
Morgen in den Niederungen dann verbreitet angenehme 20-25°C. Einzelne Gewitter am ehesten von den Dolomiten bis zur Koralpe.
Am Freitag dominiert weiterhin eine starke Keilvorderseite mit Absinken. Dadurch recht trockene Luft am Boden und in der Höhe, Gewitter am ehesten über den Südalpen, aber nur vereinzelt.
Am Samstag nimmt der Tiefdruckeinfluss in der Nordosthälfte wieder zu. In die Nordwestströmung ist ein Seitentrog eingelagert. Vor einer Kaltfront, die wahrscheinlich nördlich von Österreich vorbeigeht, labilisiert es die feuchtwarme Luftmasse. Nach allen Modellen wrd es ab Mittag nördlich der Donau gewittrig, am Nachmittag je nach Modell bis zum Alpenostrand ausgreifende Gewitter, die kräftigen Wind und großen Hagel hervorbringen können. Länger begünstigt inneralpine Regionen bzw. südlich vom Semmering-Wechsel-Stock. Am Abend auch in den Nördlichen Kalkalpen erhöhte Gewitterneigung. Dort auch wieder Hitzetage. Von Ost nach West in 1500m Höhe 14 bis 19°C (freie Atmosphäre).
Am Sonntag queren gleich mehrere Seitentröge von West nach Ost den Alpenraum. Erstmals wird es richtig schwül mit deutlich zweistelligen Taupunkten. Gewitter schon am Vormittag im westlichen Bergland und teilweise auch weiter östlich (wäre leider ein Klassiker für "vom Gewitter überraschte Bergsteiger"), am Nachmittag unter Verstärkung auch den Osten und Süden erreichend. Sturm und Hagel erneut Thema.
Am Montag schwacher Zwischenhocheinfluss mit vielen Quellwolken und einzelnen Schauern, aber abgeschwächter Intensität.
Am Dienstag, 2.6., klassischer Unwettertag mit einem markanten Trog von Westen. Vorher rasch warm und schwül, im Westen am Vormittag übergreifende Gewitter, im Osten am Nachmittag. Clusterförmige Gewitter, die neben einer markanten Abkühlung längeren Starkregen bringen können (Sturzflutgefahr).
Am Mittwoch, 3.6. zieht die Haupttrogachse langsam ostwärts und es regnet im Bergland und im Osten noch längere Zeit.
---
Prognose nach GFS 6z.
Modellunsicherheiten:
Das deutsche Globalmodell ICON rechnet den Samstag überall trocken (Front viel weiter im Norden). Am Sonntag im Osten/Südosten länger begünstigt. Dienstag nur im Süden einzelne Gewitter (Trog schwächer ausgeprägt, Kaltfront erst über Deutschland), Mittwoch dafür verbreitet gewittrig/Niederschläge.
Das europäische EZMWF rechnet Samstag/Sonntag ähnlich zu GFS. Am Dienstag tendenziell östlich vom Chiemsee noch bis abends trocken, Mittwoch überall viel Regen.
Persönliche Bemerkung dazu: So sehr ich mich darüber freuen würde, wenn die Trockenheit gelindert würde, aber warum zum Henker, muss es immer zu meinem Urlaub sein? Ich bin nächste Woche auf Wanderführerausbildung in Spital am Pyhrn und reise extra früher an, weil ich am Mittwoch noch eine Tour machen wollte. Mitte Juni 2024 konnte ich viele Touren in Windischgarsten nicht wie geplant machen, weil es genau in dieser Woche extrem schwül und gewittrig wurde. Im September 2025 kam wie nächste Woche am Anreisetag die Kaltfront und ein Wintereinbruch, und wieder gingen die geplanten Touren nicht.
Natürlich kann sich noch etwas verschieben, aber Kleiner Pyhrgas oder das Karleck wollte ich machen, für den Anreisetag wirds bissl knapp (am ehesten Karleck) und bei Regen hab ich das Karleck schon mal versucht, danke, kein zweites Mal. In der Klamm war ich schon 5x (einmal bei starkem Regen).
Um meinen Frust abzumildern, freue ich mich über Schlechtwetterempfehlungen, die öffentlich erreichbar sind. Vielen Dank!
Lg, Felix
Gleich vorab: "Früher war es auch schon so heiß!" - NEIN!
So schön habe ich es selten aufbereitet gesehen wie in diesem ORF-Beitrag. Dort steht es schwarz auf weiß - der erste 30er kommt immer früher. Das ist Fakt. Das hat auch nichts mit verstrahlten Wetterstationsstandorten zu tun, die früher auch schon verstrahlt waren.
Und die älteren Semester unter Euch werden aus der Erinnerung heraus sagen können, dass der Sommer früher viel kürzer war. Die Anzahl der Badetage war deutlich geringer.
In meiner Schulzeit in den 90ern gab es selten mal hitzefrei. Mittlerweile herrscht wochenlang Hitze. In Deutschland mit seinen nur sechs Wochen Sommerferien natürlich spürbarer als in Österreich, wenn Schulgebäude unklimatisiert sind.
Zur aktuellen Hitzewelle ein paar Daten:
Clipboard01.jpgExtreme Abweichungen vom 30-Jährigen Mittel (1981-2010, da steckt schon Klimaerwärmung drin!) in West- und Mitteleuropa am 26. Mai 2026 - bis zu 16°C Abweichung in England!
- Camborne, UK hatte in der Nacht auf den 27. Mai 2026 ein Minimum von 21,4°C. Der alte UK-Rekord lag bei 18,9°C (1947). Der Stationsrekord für Mai wurde um über 5°C gebrochen!
- Kew Gardens, London: 35,1°C am 26. Mai - alter Mai-Rekord von 1922 um fast 5 Grad überboten, sogar der Juni-Rekord von 1976 um 0,5 Grad überboten, UK-weit ein neuer Rekordwert für Mai
- Cardiff Bute Park, Wales: 32,9°C (neuer Mairekord)
- Österreich: am 26. Mai an 147 Stationen über 30°C - das gab es an einem Maitag noch nie, verbreitet neue Mairekorde
- Leiser Berge, NÖ: 21,1°C letzte Nacht (alter Rekord: 18,9 am 29. Mai 2005) - erste Tropennacht seit Messbeginn 1948 im Mai; in allen Bundesländern neue Stationsrekorde
- Lienz: 33,3°C am 26. Mai - neuer Mairekord, zudem erstmals im Mai 4 Tage > 30°C.
Zur aktuellen Dürre ein paar Daten:
- trockenster Frühling der Messgeschichte (seit 1858) in Österreich - es fehlen 2/3 der sonst üblichen Mengen
----
Ebenso eindrücklich das dafür verantwortliche Hochdruckgebiet, das vor allem in der Höhe Extremwerte erreicht: Zur Klimatologie (1950-2024) extreme positive Abweichungen über Mitteleuropa:
dev.jpg
Im aktuellen Modell-Lauf sind bis Ende des Vorhersagezeitraums (10 Tage) keine vergleichbaren Abweichungen mehr in Sicht.
Was bedeutet das? Starker Hochdruckeinfluss mit hohem Geopotential bedeutet, dass sich ein sogenannter "heat dome" bildet, eine massive Warmluftblase in der Höhe. Wenn es diese dann trockenadiabatisch (1°C/100m) herabmischt, und sich dazu bei wenig Wind eine Überadiabate (>1°C/100m) am Boden entwickelt, kann sich die Luft maximal erwärmen.
Wie geht's nun weiter?
Heute zieht eine schwache Kaltfront durch, die eher als Dryline fungiert, das heißt, sie bringt frontrückseitig erheblich trockenere Luft, mit relativer Luftfeuchte teilweise unter 25%. Vorderseitig in der feuchtlabilen Luft entstehen einige Gewitter, die meisten im Bergland und im Süden.
Im letzten Satellitenbild vor Abschicken des Postings sieht man wunderschön den Waldviertelexpress, mit einer Perlenkette an Aufwindbereichen (Cumulus, rosa) von Südböhmen über das Obere Waldviertel bis zum Wienerwald.
waldviertelexpress.jpg
Die 850hPa-Temperatur geht von heute auf morgen um rund 7°C zurück. Dazu lebt mit bzw. nach den Gewittern Nordwestwind auf.
Morgen in den Niederungen dann verbreitet angenehme 20-25°C. Einzelne Gewitter am ehesten von den Dolomiten bis zur Koralpe.
Am Freitag dominiert weiterhin eine starke Keilvorderseite mit Absinken. Dadurch recht trockene Luft am Boden und in der Höhe, Gewitter am ehesten über den Südalpen, aber nur vereinzelt.
Am Samstag nimmt der Tiefdruckeinfluss in der Nordosthälfte wieder zu. In die Nordwestströmung ist ein Seitentrog eingelagert. Vor einer Kaltfront, die wahrscheinlich nördlich von Österreich vorbeigeht, labilisiert es die feuchtwarme Luftmasse. Nach allen Modellen wrd es ab Mittag nördlich der Donau gewittrig, am Nachmittag je nach Modell bis zum Alpenostrand ausgreifende Gewitter, die kräftigen Wind und großen Hagel hervorbringen können. Länger begünstigt inneralpine Regionen bzw. südlich vom Semmering-Wechsel-Stock. Am Abend auch in den Nördlichen Kalkalpen erhöhte Gewitterneigung. Dort auch wieder Hitzetage. Von Ost nach West in 1500m Höhe 14 bis 19°C (freie Atmosphäre).
Am Sonntag queren gleich mehrere Seitentröge von West nach Ost den Alpenraum. Erstmals wird es richtig schwül mit deutlich zweistelligen Taupunkten. Gewitter schon am Vormittag im westlichen Bergland und teilweise auch weiter östlich (wäre leider ein Klassiker für "vom Gewitter überraschte Bergsteiger"), am Nachmittag unter Verstärkung auch den Osten und Süden erreichend. Sturm und Hagel erneut Thema.
Am Montag schwacher Zwischenhocheinfluss mit vielen Quellwolken und einzelnen Schauern, aber abgeschwächter Intensität.
Am Dienstag, 2.6., klassischer Unwettertag mit einem markanten Trog von Westen. Vorher rasch warm und schwül, im Westen am Vormittag übergreifende Gewitter, im Osten am Nachmittag. Clusterförmige Gewitter, die neben einer markanten Abkühlung längeren Starkregen bringen können (Sturzflutgefahr).
Am Mittwoch, 3.6. zieht die Haupttrogachse langsam ostwärts und es regnet im Bergland und im Osten noch längere Zeit.
---
Prognose nach GFS 6z.
Modellunsicherheiten:
Das deutsche Globalmodell ICON rechnet den Samstag überall trocken (Front viel weiter im Norden). Am Sonntag im Osten/Südosten länger begünstigt. Dienstag nur im Süden einzelne Gewitter (Trog schwächer ausgeprägt, Kaltfront erst über Deutschland), Mittwoch dafür verbreitet gewittrig/Niederschläge.
Das europäische EZMWF rechnet Samstag/Sonntag ähnlich zu GFS. Am Dienstag tendenziell östlich vom Chiemsee noch bis abends trocken, Mittwoch überall viel Regen.
Persönliche Bemerkung dazu: So sehr ich mich darüber freuen würde, wenn die Trockenheit gelindert würde, aber warum zum Henker, muss es immer zu meinem Urlaub sein? Ich bin nächste Woche auf Wanderführerausbildung in Spital am Pyhrn und reise extra früher an, weil ich am Mittwoch noch eine Tour machen wollte. Mitte Juni 2024 konnte ich viele Touren in Windischgarsten nicht wie geplant machen, weil es genau in dieser Woche extrem schwül und gewittrig wurde. Im September 2025 kam wie nächste Woche am Anreisetag die Kaltfront und ein Wintereinbruch, und wieder gingen die geplanten Touren nicht.
Natürlich kann sich noch etwas verschieben, aber Kleiner Pyhrgas oder das Karleck wollte ich machen, für den Anreisetag wirds bissl knapp (am ehesten Karleck) und bei Regen hab ich das Karleck schon mal versucht, danke, kein zweites Mal. In der Klamm war ich schon 5x (einmal bei starkem Regen).
Um meinen Frust abzumildern, freue ich mich über Schlechtwetterempfehlungen, die öffentlich erreichbar sind. Vielen Dank!
Lg, Felix