Großglockner: Stüdlgrat wegen Felssturzes gesperrt
Der international beliebte Stüdlgrat auf dem Großglockner (3.798 Meter) ist seit Samstagvormittag für alle Bergsteiger und Kletterer gesperrt. In der Nacht auf Samstag oder Samstagmorgen gab es in ca. 3.550 Metern Seehöhe einen Felssturz. Die Stelle ist nicht mehr passierbar.
Der Salzburger Geologe und Bergführer Gerald Valentin sieht den starken und langen Regen der letzten Wochen als Ursache, nicht das Auftauen von Permafrost im Boden. Es gibt keine Verletzten oder Toten, weil die Route zur Abbruchzeit menschenleer war. Das ist nicht mehr selbstverständlich, weil manche hier mittlerweile auch in der Nacht auf dem Weg sind.
Der großteils sehr ausgesetzte und steile Stüdlgrat erschließt den Großglockner (seit den Pionierzeiten im 19. Jahrhundert) von der Osttiroler Seite – neben der technisch leichteren Normalroute über Ködnitzkees, Adlersruhe und Eisleitl.
„Abbruchstelle noch immer labil“
Eine Begehung des Stüdlgrates erfordert auch bei normalen und passablen Verhältnissen viel Erfahrung, Kondition, große Trittsicherheit und sicheres Klettern in unteren Schwierigkeitsgraden.
„Die Stelle ist derzeit nicht passierbar und noch immer labil. Es könnte noch etwas abbrechen. Wir müssen die Sanierung und Sicherung planen. Das dauert einige Zeit“, sagte Toni Riepler – der Wirt und Pächter der Erzherzog-Johann-Hütte (Adlersruhe) - am Samstagnachmittag dem ORF auf Anfrage.
Das Haus steht auf der Südost-Schulter des Glockners – querab in direkter Sichtweite des Stüdlgrates. Von diesem ist es hart getrennt durch einen Hunderte Meter tiefen Abgrund hinunter zum Gletscher (Ködnitzkees), in dessen Nähe auch der Grat beginnt.
Auch Stahlsicherungen mitgerissen
Hüttenwirt Riepler aus Kals (Osttirol) ist auch staatlich geprüfter Berg- und Skiführer sowie ehrenamtlicher Bergrettungsmann:
„Der Bereich auf dem Grat war bisher mit Bohrhaken, Ankern und einem Stahlseil gesichert. Er war klettertechnisch dadurch entschärft. In freier Kletterei hätte man hier sonst den Schwierigkeitsgrad sieben minus bewältigen müssen – unmöglich für durchschnittliche Bergsteiger. Der Felssturz hat nun alle Sicherungsmittel mit in die Tiefe gerissen. Wir raten dringend von jeder Begehung ab."
Geologe: „Regen als Auslöser, kein Permafrost“
Dieses Geschehen habe nichts mit dem auftauenden Permafrost im Hochgebirge zu tun, sagt der Salzburger Geologe, Berg- und Skiführer Gerald Valentin. Er bereitet mit Fachkollegen in unmittelbarer Nähe ein wissenschaftliches Projekt vor, unabhängig vom aktuellen Felssturz:
„Hier auf der Südseite ist es vergleichsweise warm, und der Permafrost beginnt erst in mehreren Metern Tiefe. Dieser Abbruch ist eine Folge der Niederschläge der letzten Wochen und der aktuellen Schneeschmelze. Er hat mit der geklüfteten Grundstruktur im kristallinen Urgestein des Berges und der Verwitterung zu tun.“
Namenspatron Stüdl war Pionier aus Prag
Hüttenwirt und Bergführer Riepler setzt sich in den nächsten Tagen mit Wissenschaftlern und Experten der Tiroler Landesregierung zusammen. Es wird beraten und festgelegt, mit welchen technischen Methoden der beliebte Grat wieder begehbar gemacht werden kann. Dann folgen Bauarbeiten durch Berg- und Skiführer.
Die Route ist auch bei tschechischen Alpinisten seit dem Ende des Kommunismus sehr beliebt. Namenspatron Johann Stüdl war ein sudetendeutsch-tschechischer Kaufmann aus Prag, der im 19. Jahrhundert als Bergsteiger, Visionär und Investor stark an der touristischen Erschließung und Entwicklung der Hohen Tauern beteiligt war.
https://salzburg.orf.at/stories/3317062/
Der international beliebte Stüdlgrat auf dem Großglockner (3.798 Meter) ist seit Samstagvormittag für alle Bergsteiger und Kletterer gesperrt. In der Nacht auf Samstag oder Samstagmorgen gab es in ca. 3.550 Metern Seehöhe einen Felssturz. Die Stelle ist nicht mehr passierbar.
Der Salzburger Geologe und Bergführer Gerald Valentin sieht den starken und langen Regen der letzten Wochen als Ursache, nicht das Auftauen von Permafrost im Boden. Es gibt keine Verletzten oder Toten, weil die Route zur Abbruchzeit menschenleer war. Das ist nicht mehr selbstverständlich, weil manche hier mittlerweile auch in der Nacht auf dem Weg sind.
Der großteils sehr ausgesetzte und steile Stüdlgrat erschließt den Großglockner (seit den Pionierzeiten im 19. Jahrhundert) von der Osttiroler Seite – neben der technisch leichteren Normalroute über Ködnitzkees, Adlersruhe und Eisleitl.
„Abbruchstelle noch immer labil“
Eine Begehung des Stüdlgrates erfordert auch bei normalen und passablen Verhältnissen viel Erfahrung, Kondition, große Trittsicherheit und sicheres Klettern in unteren Schwierigkeitsgraden.
„Die Stelle ist derzeit nicht passierbar und noch immer labil. Es könnte noch etwas abbrechen. Wir müssen die Sanierung und Sicherung planen. Das dauert einige Zeit“, sagte Toni Riepler – der Wirt und Pächter der Erzherzog-Johann-Hütte (Adlersruhe) - am Samstagnachmittag dem ORF auf Anfrage.
Das Haus steht auf der Südost-Schulter des Glockners – querab in direkter Sichtweite des Stüdlgrates. Von diesem ist es hart getrennt durch einen Hunderte Meter tiefen Abgrund hinunter zum Gletscher (Ködnitzkees), in dessen Nähe auch der Grat beginnt.
Auch Stahlsicherungen mitgerissen
Hüttenwirt Riepler aus Kals (Osttirol) ist auch staatlich geprüfter Berg- und Skiführer sowie ehrenamtlicher Bergrettungsmann:
„Der Bereich auf dem Grat war bisher mit Bohrhaken, Ankern und einem Stahlseil gesichert. Er war klettertechnisch dadurch entschärft. In freier Kletterei hätte man hier sonst den Schwierigkeitsgrad sieben minus bewältigen müssen – unmöglich für durchschnittliche Bergsteiger. Der Felssturz hat nun alle Sicherungsmittel mit in die Tiefe gerissen. Wir raten dringend von jeder Begehung ab."
Geologe: „Regen als Auslöser, kein Permafrost“
Dieses Geschehen habe nichts mit dem auftauenden Permafrost im Hochgebirge zu tun, sagt der Salzburger Geologe, Berg- und Skiführer Gerald Valentin. Er bereitet mit Fachkollegen in unmittelbarer Nähe ein wissenschaftliches Projekt vor, unabhängig vom aktuellen Felssturz:
„Hier auf der Südseite ist es vergleichsweise warm, und der Permafrost beginnt erst in mehreren Metern Tiefe. Dieser Abbruch ist eine Folge der Niederschläge der letzten Wochen und der aktuellen Schneeschmelze. Er hat mit der geklüfteten Grundstruktur im kristallinen Urgestein des Berges und der Verwitterung zu tun.“
Namenspatron Stüdl war Pionier aus Prag
Hüttenwirt und Bergführer Riepler setzt sich in den nächsten Tagen mit Wissenschaftlern und Experten der Tiroler Landesregierung zusammen. Es wird beraten und festgelegt, mit welchen technischen Methoden der beliebte Grat wieder begehbar gemacht werden kann. Dann folgen Bauarbeiten durch Berg- und Skiführer.
Die Route ist auch bei tschechischen Alpinisten seit dem Ende des Kommunismus sehr beliebt. Namenspatron Johann Stüdl war ein sudetendeutsch-tschechischer Kaufmann aus Prag, der im 19. Jahrhundert als Bergsteiger, Visionär und Investor stark an der touristischen Erschließung und Entwicklung der Hohen Tauern beteiligt war.
https://salzburg.orf.at/stories/3317062/
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