Mühlbach: Nächtliche Bergung vom Notausstieg Königsjodler - 01.11.26
Ein erschöpfter Klettersteiggeher musste in der Nacht von Samstag auf Sonntag von der Bergrettung Mühlbach bei widrigsten Bedingungen von etwa 2.600 Metern Höhe gerettet werden. Der Einsatz dauerte 14 Stunden bzw. die ganze Nacht.
Drei junge deutsche Bergsteiger stiegen am Samstagnachmittag trotz eindringlicher Warnung einer weiteren Bergsteigerin und einer ausgesprochen schlechten Wetterprognose viel zu spät in den Klettersteig Königsjodler (Hochkönigmassiv) ein.
Im Bereich des Notausstiegs auf rund 2.600 Metern kam einer der drei Deutschen nicht mehr weiter und setzte gegen 19 Uhr einen Notruf ab. Seine Begleiter stiegen dennoch weiter auf und erreichten noch in der Nacht das (bereits geschlossene) Matrashaus (2941 m).
Anstieg im vereisten Gelände bei Schneefall und wenig Sicht
Die alarmierten Bergretter und Bergretterinnen aus Mühlbach stiegen von der Stegmoosalm zum erschöpften und unterkühlten 20-jährigen Bergsteiger auf. „Bereits der Aufstieg war aufgrund der herrschenden Witterungsbedingungen auch für unsere Einsatzkräfte fordernd“, sagt der Einsatz- und Ortsstellenleiter von Mühlbach, Wolfgang Haggenmüller. Er hielt gemeinsam mit dem Bezirksleiter der Bergrettung ständig telefonisch Kontakt zum Erschöpften und Unterkühlten.
Hubschrauber konnte nicht fliegen
Ein alarmiertes Rettungshubschrauberteam (C14) konnte aufgrund der Bedingungen nicht zum deutschen Bergsteiger fliegen.
Der Notausstieg vom Klettersteig führt durch das steile und felsige Birgkar, „der Steig war nur mit Steigeisen begehbar, da er vereist und rutschig ist. Wir haben dem Deutschen erklärt, dass er sich bewegen muss und keinesfalls alleine absteigen darf.“
Weiterer Kälteeinbruch erschwerte die Situation
Während der nächtlichen Bergung kam es zu einem weiteren Kälteeinbruch mit viel Schneefall. Der in Not geratene Deutsche, der von seinen Begleitern zurückgelassen wurde, konnte von den elf im Einsatz stehenden Bergrettern erst kurz vor Mitternacht erreicht werden. Der Abstieg erfolgte unter äußerst schwierigen und gefährlichen Bedingungen, „er wurde für den Abstieg im Tiefschnee angeseilt. Es hatte rund 20 cm geschneit und der Steig war nicht mehr sichtbar, es herrschte Absturzgefahr, die Wegfindung war sehr schwierig. Außerdem gingen auch Schneerutschen im steilen Gelände ab. Es war für alle lebensgefährlich. Unsere Mannschaft erreichte bei dichtem Schneetreiben und wenig Sicht erst um 8.18 Uhr die Erichhütte.“
Selbstüberschätzung und fehlende Planung
„Eine weitere Nacht dort oben, bei Schneefall und unter diesen Bedingungen, hätte er vermutlich nicht überlebt“, betont der Pongauer Bezirksleiter, Gerhard Kremser und fügt hinzu: „Ein Einsatz, der einmal mehr zeigt, wie schnell aus Selbstüberschätzung, Missachtung von Warnungen und falscher Tourenplanung eine lebensbedrohliche Situation entstehen kann. Bergsteigen bedeutet auch, rechtzeitig umzukehren. Die Berge laufen nicht davon.“
Unklare Situation noch bei Begleitern
„Den beiden Begleitern des Geretteten habe ich vehement von einem Abstieg im Birgkar abgeraten“, so Ortsstellenleiter Haggenmüller. Sie befanden sich beim Zeitpunkt der Presseaussendung der Bergrettung Salzburg im Abstieg am Normalweg Richtung Arthurhaus. Die Alpinpolizei ermittelt zum Einsatz.
https://www.bergrettung-salzburg.at/...koenigsjodler/
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Rettung aus Klettersteig könnte Nachspiel haben
Nach dem extremen Bergrettungseinsatz im Hochkönigmassiv in der Nacht auf Sonntag muss nun die Frage geklärt werden, ob es ein rechtliches Nachspiel gibt. Ein 19-jähriger Deutscher musste aus einem Klettersteig im vereisten Birgkar geholt werden, nachdem seine beiden Kollegen ihn zurückgelassen hatten.
Der 19-jährige Deutsche befand sich in 2.600 Metern Höhe als er den Notruf am Samstagabend abgesetzte. In der Kälte und Finsternis konnte er alleine nicht mehr weiter. Zuvor hatte er mit seinen beiden Kollegen, der eine ebenfalls 19 Jahre alt, der andere 22, vereinbart, dass sie weitergehen sollen und er versuche abzusteigen.
Laut Aussage der Bergrettung wäre das bei diesen eisigen Bedingungen im Schneetreiben lebensgefährlich gewesen. Der Hubschrauber konnte wegen der Wetterlage nicht zu dem 19-Jährigen gelangen, darum mussten die Bergretter zu Fuß aufsteigen.
In einem 14-Stunden-Einsatz brachten sie den jungen Mann schließlich erschöpft aber unverletzt ins Tal. Seine Bergkollegen mussten im Winterraum des Matrashauses auf knapp 3.000 Metern übernachten und stiegen am nächsten Tag ab.
Die Polizei nahm die Aussagen von allen dreien auf, und schickte den Bericht zur strafrechtlichen Beurteilung an die Staatsanwaltschaft. Diese muss nun klären, ob es überhaupt rechtliche Folgen gibt. Experten meinen, dass – wenn überhaupt – nur der Tatbestand der „unterlassenen Hilfeleistung“ vorliegen könnte. Da der junge Mann aber nicht verletzt war und zugestimmt hatte, alleine abzusteigen, sei dies fraglich.
Alpenverein will Sachverhalt klären
Die Bergrettung jedenfalls spricht von einem absoluten No-Go jemanden in dieser Höhe und bei derart extremen Bedingungen zurückzulassen. Eine Frage wird jedenfalls die Begleichung der Rettungskosten sein. Der junge Mann ist nach ersten Informationen über den Deutschen Alpenverein (DAV) für derartige Rettungsaktionen versichert.
Vom Deutschen Alpenverein heißt es dazu, dass der Versicherungsschutz in bestimmten Fällen aber nicht bestehe: beispielsweise bei grob fahrlässigem Verhalten oder wenn allgemein gültige Regeln außer Acht gelassen werden. Das gelte es nun zu klären, heißt es vom DAV.
https://salzburg.orf.at/stories/3377794/
Ein erschöpfter Klettersteiggeher musste in der Nacht von Samstag auf Sonntag von der Bergrettung Mühlbach bei widrigsten Bedingungen von etwa 2.600 Metern Höhe gerettet werden. Der Einsatz dauerte 14 Stunden bzw. die ganze Nacht.
Drei junge deutsche Bergsteiger stiegen am Samstagnachmittag trotz eindringlicher Warnung einer weiteren Bergsteigerin und einer ausgesprochen schlechten Wetterprognose viel zu spät in den Klettersteig Königsjodler (Hochkönigmassiv) ein.
Im Bereich des Notausstiegs auf rund 2.600 Metern kam einer der drei Deutschen nicht mehr weiter und setzte gegen 19 Uhr einen Notruf ab. Seine Begleiter stiegen dennoch weiter auf und erreichten noch in der Nacht das (bereits geschlossene) Matrashaus (2941 m).
Anstieg im vereisten Gelände bei Schneefall und wenig Sicht
Die alarmierten Bergretter und Bergretterinnen aus Mühlbach stiegen von der Stegmoosalm zum erschöpften und unterkühlten 20-jährigen Bergsteiger auf. „Bereits der Aufstieg war aufgrund der herrschenden Witterungsbedingungen auch für unsere Einsatzkräfte fordernd“, sagt der Einsatz- und Ortsstellenleiter von Mühlbach, Wolfgang Haggenmüller. Er hielt gemeinsam mit dem Bezirksleiter der Bergrettung ständig telefonisch Kontakt zum Erschöpften und Unterkühlten.
Hubschrauber konnte nicht fliegen
Ein alarmiertes Rettungshubschrauberteam (C14) konnte aufgrund der Bedingungen nicht zum deutschen Bergsteiger fliegen.
Der Notausstieg vom Klettersteig führt durch das steile und felsige Birgkar, „der Steig war nur mit Steigeisen begehbar, da er vereist und rutschig ist. Wir haben dem Deutschen erklärt, dass er sich bewegen muss und keinesfalls alleine absteigen darf.“
Weiterer Kälteeinbruch erschwerte die Situation
Während der nächtlichen Bergung kam es zu einem weiteren Kälteeinbruch mit viel Schneefall. Der in Not geratene Deutsche, der von seinen Begleitern zurückgelassen wurde, konnte von den elf im Einsatz stehenden Bergrettern erst kurz vor Mitternacht erreicht werden. Der Abstieg erfolgte unter äußerst schwierigen und gefährlichen Bedingungen, „er wurde für den Abstieg im Tiefschnee angeseilt. Es hatte rund 20 cm geschneit und der Steig war nicht mehr sichtbar, es herrschte Absturzgefahr, die Wegfindung war sehr schwierig. Außerdem gingen auch Schneerutschen im steilen Gelände ab. Es war für alle lebensgefährlich. Unsere Mannschaft erreichte bei dichtem Schneetreiben und wenig Sicht erst um 8.18 Uhr die Erichhütte.“
Selbstüberschätzung und fehlende Planung
„Eine weitere Nacht dort oben, bei Schneefall und unter diesen Bedingungen, hätte er vermutlich nicht überlebt“, betont der Pongauer Bezirksleiter, Gerhard Kremser und fügt hinzu: „Ein Einsatz, der einmal mehr zeigt, wie schnell aus Selbstüberschätzung, Missachtung von Warnungen und falscher Tourenplanung eine lebensbedrohliche Situation entstehen kann. Bergsteigen bedeutet auch, rechtzeitig umzukehren. Die Berge laufen nicht davon.“
Unklare Situation noch bei Begleitern
„Den beiden Begleitern des Geretteten habe ich vehement von einem Abstieg im Birgkar abgeraten“, so Ortsstellenleiter Haggenmüller. Sie befanden sich beim Zeitpunkt der Presseaussendung der Bergrettung Salzburg im Abstieg am Normalweg Richtung Arthurhaus. Die Alpinpolizei ermittelt zum Einsatz.
https://www.bergrettung-salzburg.at/...koenigsjodler/
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Rettung aus Klettersteig könnte Nachspiel haben
Nach dem extremen Bergrettungseinsatz im Hochkönigmassiv in der Nacht auf Sonntag muss nun die Frage geklärt werden, ob es ein rechtliches Nachspiel gibt. Ein 19-jähriger Deutscher musste aus einem Klettersteig im vereisten Birgkar geholt werden, nachdem seine beiden Kollegen ihn zurückgelassen hatten.
Der 19-jährige Deutsche befand sich in 2.600 Metern Höhe als er den Notruf am Samstagabend abgesetzte. In der Kälte und Finsternis konnte er alleine nicht mehr weiter. Zuvor hatte er mit seinen beiden Kollegen, der eine ebenfalls 19 Jahre alt, der andere 22, vereinbart, dass sie weitergehen sollen und er versuche abzusteigen.
Laut Aussage der Bergrettung wäre das bei diesen eisigen Bedingungen im Schneetreiben lebensgefährlich gewesen. Der Hubschrauber konnte wegen der Wetterlage nicht zu dem 19-Jährigen gelangen, darum mussten die Bergretter zu Fuß aufsteigen.
In einem 14-Stunden-Einsatz brachten sie den jungen Mann schließlich erschöpft aber unverletzt ins Tal. Seine Bergkollegen mussten im Winterraum des Matrashauses auf knapp 3.000 Metern übernachten und stiegen am nächsten Tag ab.
Die Polizei nahm die Aussagen von allen dreien auf, und schickte den Bericht zur strafrechtlichen Beurteilung an die Staatsanwaltschaft. Diese muss nun klären, ob es überhaupt rechtliche Folgen gibt. Experten meinen, dass – wenn überhaupt – nur der Tatbestand der „unterlassenen Hilfeleistung“ vorliegen könnte. Da der junge Mann aber nicht verletzt war und zugestimmt hatte, alleine abzusteigen, sei dies fraglich.
Alpenverein will Sachverhalt klären
Die Bergrettung jedenfalls spricht von einem absoluten No-Go jemanden in dieser Höhe und bei derart extremen Bedingungen zurückzulassen. Eine Frage wird jedenfalls die Begleichung der Rettungskosten sein. Der junge Mann ist nach ersten Informationen über den Deutschen Alpenverein (DAV) für derartige Rettungsaktionen versichert.
Vom Deutschen Alpenverein heißt es dazu, dass der Versicherungsschutz in bestimmten Fällen aber nicht bestehe: beispielsweise bei grob fahrlässigem Verhalten oder wenn allgemein gültige Regeln außer Acht gelassen werden. Das gelte es nun zu klären, heißt es vom DAV.
https://salzburg.orf.at/stories/3377794/