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Über alle Berge.... Gasteiner Projekte der 70-er Jahre

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  • Über alle Berge.... Gasteiner Projekte der 70-er Jahre

    Ich habe mir lange überlegt, ob ich die folgende Reportage auch in diesem Forum posten soll. Nachdem hier das Thema "Mechanische Aufstiegshilfen" eher verpönt ist, habe ich mich zunächst dagegen entschieden. Andererseits bietet meine Recherche auf jeden Fall einen guten Einblick in die touristische Geschichte der Hohen Tauern mit vielen alten Photos und Textpassagen aus historischen Führern, gleichzeitig erhält man Einblick in die Hintergründe von Erschließungsplänen und die Motivation der Personen, die dahinterstanden. Deshalb stelle ich die Arbeit (und als solche kann man es zweifellos bezeichnen) nach vielen positiven Resonanzen auch den Mitgliedern des Forum Gipfeltreffen zur Verfügung, vielleicht findet der eine oder die andere doch auch unbekannte oder spannende Details.
    Ich möchte darauf hinweisen, dass meine Motivation für diese Reportage ein langdauerndes Interesse für die Entwicklung touristischer Infrastruktur in den Alpen war und keineswegs der Wunsch, all die damals angedachten Projekte zu verwirklichen und damit die Hohen Tauern zuzubetonieren oder komplett zu verdrahten. Sollte sich der eine oder andere durch manche Passagen (wie etwa z.b. den Prolog) provoziert fühlen, so möchte ich gleich hier darstellen, daß das nicht die Absicht dieses Topics sein soll.
    Für alle, die sich für die touristische Geschichte des Gasteinertals bzw. der Hohen Tauern interessieren: Viel Spaß bei der Lektüre und hoffentlich ein schneller Internetzugang, da sehr viele Bilder verlinkt sind.


    Über alle Berge ......

    Gasteiner Erschließungsprojekte der 1970-er Jahre


    I. Prolog: Mit einer Tageskarte von Gastein nach Heiligenblut
    II. Geographisches
    III. Historisches
    IV. Schisport in der Goldberggruppe vor 1970
    V. Sportgastein - Eine Legende entsteht
    VI. Schareck - Gasteiner Gipfelträume
    VII. Über alle Berge - Ein Skigebiet wie in den Westalpen
    VIII. Ein Österreichisches Tignes
    IX. Der Traum zerbricht
    X. Epilog: Die unbeschreibliche Leichtigkeit des Schnees


    Anmerkung: Zum Verständnis der folgenden Seiten ist eine Landkarte der betroffenen Region sehr hilfreich. Für alle, die keine Karte der Hohen Tauern zur Verfügung haben, hier ein Ausschnitt als pdf-file. (Beste Darstellung bei Zoom auf 400%)
    Detailkarte Hohe Tauern (Achtung: 2,66MB)



    Prolog: Mit einer Tageskarte von Gastein nach Heiligenblut

    Es ist ein herrlicher Spätwintertag im März 1984. Ich lenke meinen Simca Horizon vorbei am Bahnhof Bad Gastein über die Bundesstraße weiter ins Tal hinein in den alten Bergbauort Böckstein. Auch hier sind seit der Eröffnung der Pendelbahn zum Kreuzkogel viele neue Hotels entstanden. Die Auffahrt mit dem Privat-PKW nach Sportgastein ist während der Saison für Tagesgäste nicht gestattet, daher stelle ich den Wagen am großen Parkplatz der Kreuzkogelbahn ab, hole die Schi vom Autodach und kaufe eine Tageskarte für die Tauern-Gletscher-Schischaukel. Es ist erst 9 Uhr früh und ich komme gleich in die erste Gondel, die nicht einmal ganz voll wird. Rasch gewinnt die Kabine an Höhe und ich betrachte den Ziehweg im Wald, der den unteren – uninteressanten – Teil der Nordabfahrt vom Kreuzkogel nach Böckstein darstellt. Wesentlich einladender sehen da die Hänge im oberen Bereich aus, die auch vom Nordkar-Schlepplift erschlossen werden. Angesichts des ausgedehnten Ausflugs, den ich heute vorhabe, bin ich mir aber nicht sicher, ob sich diese Hänge für mich an diesem Tag noch ausgehen werden. Oben am Kreuzkogel trete ich aus der Station ins Sonnenlicht, hier am Gipfelplateau treffen von Norden die Pendelbahn von Böckstein, von Westen – parallel verlaufend – der Schlepplift Kreuzkogel und die Doppelsesselbahn Radhausberg und von Süden die zweite Sektion der Doppelsesselbahn Weißenbach ein.
    Ich überlege kurz, nach Süden ins Weißenbachtal abzufahren, von dort könnte ich mit einer weiteren Doppelsesselbahn zur Hagener Hütte am Mallnitzer Tauern gelangen und von dort nach Mallnitz abfahren, die Südhänge werden aber nach der kalten Nacht sicher noch beinhart gefroren sein, auch bin ich ja eigentlich wegen der neuen Bahnen weiter im Westen gekommen, daher fahre ich zwischen Sesselbahn und Schlepplift nach Westen in Richtung Sportgastein. Talgrund und Hoteldorf sind zunächst nicht zu sehen, da die Hänge im oberen Bereich flacher sind, erst nach der Kante der Steilstufe an der Mittelstation Schideck habe ich freien Blick auf Österreichs ehrgeizigstes Tourismusprojekt. Nordwestlich des nahezu ebenen Talgrunds stehen die fremdartig anmutenden Gebäude dichtgedrängt in Hanglage. Noch liegt der Großteil der aus Beton, Holz, Glas und Aluminium bestehenden Fassaden im Schatten, doch die obersten Stockwerke reflektieren bereits die Morgensonne. Ich erinnere mich an die Diskussionen während der Bauphase, vor allem die Verwendung von Aluminium wurde stark kritisiert, mir gefällt jedoch der etwas „industrielle Touch“, den das 1500 Betten umfassende Hotelensemble durch die Einarbeitung der Metallelemente erhalten hat. Emerald City, die sagenhafte Smaragdenstadt von Oz kommt mir immer in den Sinn, wenn ich an die Hotelsiedlung in Sportgastein denke. Ich möchte noch einen Blick aus der Nähe werfen, daher schwinge ich die schwarz markierte Abfahrt zur Talstation der Schideckbahn hinunter. Ich kann erkennen, daß trotz der frühen Stunde einige Urlauber im Freibecken des auch in diesem „Gastein“ obligatorischen Thermalbads ihre Längen schwimmen, andere sind schon in den überdachten Shopping-Arkaden unterwegs. Der ganze Ort ist praktisch autofrei, die Besucher-PKWs stehen in den unterirdischen Parkgaragen, sämtliche Shuttle-Busse und Versorgungsfahrzeuge fahren elektrisch. Fossile Brennstoffe werden im gesamten Hochtal nicht verwendet, auch die Heizung der Gebäude erfolgt elektrisch.
    An der Talstation habe ich die Wahl, ich könnte die kurze Pendelbahn hinauf zu den Hotels nehmen und mich dort umsehen, nach Norden schweben die Sessel der Doppelsesselbahn zum unteren Pochkar-See empor, deren steile und durch die südseitige Exposition oft mit Schneeproblemen behaftete Abfahrt für Anfänger meist unüberwindliche Schwierigkeiten bereithält, vom Pochkar-See könnte ich mit einer weiteren Sesselbahn den 2600 Meter hohen Silberpfennig erreichen und von dort hinunter nach Kolm-Saigurn schwingen, ich könnte die mit mehreren Aufstiegshilfen erschlossenen nordseitigen Hänge des Silberpfennig befahren, ins Angertal abfahren oder über die Stanzscharte nach Rauris gelangen. Ich bleibe aber bei meinem ursprünglichen Plan und besteige den wartenden Pendelbus zur Talstation der Schareck-Gletscherbahn. Auch das Stationsgebäude dieser Bahn – aus der Ferne in Form einer Halbkugel, deren Oberfläche bei näherer Betrachtung aus lauter gleichseitigen Dreiecken zusammengesetzt ist – hebt sich durch die Verwendung von Metall und Glas deutlich von der sonst üblichen Stationsarchitektur ab. Die Talstation liegt noch im Schatten, aber man kann deutlich die futuristisch anmutenden Kuppeln von Mittel- und Bergstation in der Sonne funkeln sehen.
    Die erste Sektion zum „Oberen Burgstall“ überwindet einen Höhenunterschied von 676m, die große Kabine, in der 155 Personen Platz finden, benötigt dafür viereinhalb Minuten. Die Weiterfahrt über 729 Höhenmeter zur 3081 Meter hoch gelegenen Bergstation dauert dann 5 Minuten und 10 Sekunden. Hier stelle ich mich auf die linke Seite der Kabine und nehme den unteren, steileren Teil der Abfahrt zur Mittelstation in Augenschein, hier mußten ja im Bereich des „Keesauges“ Entschärfungsmaßnahmen gesetzt werden, um die immer noch anspruchsvolle Piste auch für den Normalschifahrer benutzbar zu machen. Als Manko empfinden viele auch das Fehlen einer offiziellen Abfahrtsmöglichkeit von der Mittelstation ins Tal, dies wäre aber angesichts der Steilheit der Hänge wohl nur mit massiven Eingriffen in die Natur zu bewerkstelligen.
    Die Bergstation liegt etwa 300 Meter vom Gipfel des Schareck entfernt knapp unterhalb der Baumbachspitze, durch einen etwa 60 Meter langen Tunnel marschiere ich unter dem Gipfelgrat durch und trete am oberen Ende des Wurtenkees ins Freie. Ich sehe, daß mangels Andrangs nur eine „Hälfte“ des von Südwesten kommenden Doppelschlepplifts Wurtengletscher (2750-3091m) in Betrieb ist, da die Abfahrt zur Mittelstation der Gletscherbahn aber in der Morgensonne einen höchst einladenden Eindruck gemacht hat, wende ich mich gleich hart nach rechts, um über die Baumbachscharte aufs obere Schlapperebenkees zu gelangen. Der erste Hang ist ziemlich steil, schwächere Schifahrer können aber über den oberen Teil des Wurtenkees ausweichen und durch einen 150 Meter langen Schitunnel unterhalb des Weinflaschenkopfs den südlichen flachen Teil des Schlapperebenkees erreichen. Zügig schwinge ich über den Gletscher hinunter zum Keesauge, bis hierher kann man auch im Sommer fahren und mit der Doppelsesselbahn Schlappereben zurück zur Bergstation gelangen, aber ich freue mich schon auf den steilen Teil vom Keesauge zur Mittelstation. Die Piste ist frisch präpariert und in einem idealen Zustand, nur wenige Schifahrer dürften hier heute vor mir unterwegs gewesen sein und so steige ich bald zum zweiten Mal an diesem Morgen in die Kabine der zweiten Sektion der Gletscherbahn.
    Nun folgt die Genußabfahrt über das Wurtenkees hinunter zum oberen Ende des Hochwurtenspeichers der Tauernkraftwerke, hier treffen in etwa 2450 Metern Seehöhe das nach Südwesten geneigte Wurtenkees und das nordöstlich ausgerichtete Alteckkees aufeinander.
    Auch hier ist ein „Verkehrsknotenpunkt“ des Schigebiets situiert: von Südosten her kommt die dritte und oberste Sektion der Kabinenumlaufbahn aus der Innerfragant, einem Nebental des Kärnter Mölltals, nach Südwesten geht es mit der Doppelsesselbahn Alteck zur 2750m hohen Zirknitzscharte, nach Nordwesten zieht der Schlepplift zur Niederen Scharte (2700m, nicht zu verwechseln mit der Kleinen und der Hohen Scharte im Schloßalmgebiet oberhalb von Hofgastein) und bietet Anschluß an den westlichen Teil der Schischaukel.
    Einmal gebe ich mir die Abfahrt über den Alteckgletscher, dann lasse ich mich zur Niederen Scharte hinaufziehen, wo sich auch die Bergstation der oberen Sektion der Umlaufbahn von Kolm Saigurn befindet. Die nordseitige „Wintergasse“ bietet noch herrlichen Pulverschnee und die Abfahrt zur Mittelstation der „Niedere-Scharte-Bahn“in der Nähe der Naturfreundehütte „Neubau“ ist ein einziger Genuß. Hier muß ich wieder wählen: weiter ins Tal nach Kolm-Saigurn, von dort mit Sesselbahn und Schlepplift auf den Silberpfennig oder mit der Tunnelbahn durch den Imhof-Stollen zurück nach Sportgastein. Für mich steht aber heute die Befahrung der gesamten Gletscher-Schischaukel auf dem Programm, deshalb besteige ich eine Kabine der Pendelbahn zum Hohen Sonnblick (3106m) mit der höchstgelegenen ganzjährig besetzten Wetterstation Österreichs.
    Die Genußabfahrt vom Gipfel durch das Vogelmaier-Ochsenkarkees läßt sich von der Seilbahntrasse leider nicht einsehen, dafür hat man einen prachtvollen Blick auf den nordwestlich gelegenen Hocharn (3254m) mit seinem gleichnamigen Kees, ein Berg, dessen Erschließung (so wie auch die beiden Pendelbahnen auf den Sonnblick vor deren Errichtung) heiß diskutiert wird.
    Angekommen am Gipfel des Sonnblicks mache ich eine frühe Mittagspause im Zittelhaus, die ehrwürdige Berghütte kontrastiert stark mit dem metallisch schimmernden Gebäudekomplex, der die Bergstationen der von Osten und Westen ankommenden Pendelbahnen und ein großes Selbstbedienungsrestaurant beherbergt.
    Gestärkt durch eine deftige Mahlzeit nehme ich die Abfahrt über das Klein-Fleiß-Kees, um etwa 600 Höhenmeter tiefer auf die Talstation der westlichen Pendelbahn zu treffen, die gleichzeitig auch die Bergstation der vom Gasthaus „Alter Pocher“ im Kleinen Fleisstal heraufziehenden Umlaufbahn darstellt. Direkt neben dem Stationsgebäude befindet sich auch die Talstation eines Verbindungssessellifts, der in nordwestlicher Richtung ziemlich schräg zum Hang auf 2650 Meter zieht, diesen Lift nehme ich, um auf einem Ziehweg den breiten, nach Südwesten geneigten Hang des Fleissalm-Schigebiets zu erreichen, das vom großen Fleisstal aus mit zwei langen Schleppliften erschlossen wird. In rascher Fahrt geht es hinunter in den Talgrund, wo mich mit der Fleissalm Tunnebahn die zweite unterirdische Anlage des Gebietes erwartet. Mit dieser ziemlich waagrecht verlaufenden Verbindungsbahn gelange ich nun zur Mittelstation Roßbach (1750m), gelegen zwischen den beiden Sektionen einer ersatzwürdigen Einersesselbahn, die vom 1300 Meter hoch gelegenen Heiligenblut bis auf eine Höhe von 2593 Meter zieht, von dort sind es nur wenige Schritte zum Gipfel des „Haus-Schibergs“ von Heiligenblut, der verwirrenderweise ebenfalls als Schareck bezeichnet wird. Ich entscheide mich für....


    Ich war 1984 wirklich in Gastein zum Schifahren, aber von allen genannten Liften und Bahnen existierten damals nur die von dort praktisch unerreichbaren Lifte in Heiligenblut (Einersessellifte Roßbach und Schareck, Tunnelbahn, Schlepplifte Hochfleiss 1 und 2, letztere gerade erst erbaut) sowie in „Sportgastein“ die Doppelsesselbahn Schideck und der anschließende Schlepplift Kreuzkogel auf den gleichnamigen Berg. Damals wie heute galt bzw. gilt das Paradoxon, daß zwar die in den Ostalpen schifahrende Welt den Ortsnamen (und auch Markennamen) „Sportgastein“ kennt und zuordnen kann, „Sportgastein“ jedoch eigentlich für einen Ort steht, der niemals gebaut worden ist. Der je nach Jahreszeit staubige oder vereiste Parkplatz mit der Talstation der Sesselbahn Schideck bzw. nun der EUB Goldbergbahn rechtfertigt bei näherer Überlegung ja wohl kaum diesen hochtrabenden Namen.
    Alle anderen in meinem Bericht erwähnten Lifte, Bahnen und Gebäude (mit Ausnahme der „klassischen“ Berghütten) entstammen jedoch nicht meiner Phantasie sondern beruhen auf dokumentierten Projekten der frühen Siebziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts, manche von ihnen erreichten lediglich das Stadium der Idee oder Vision, andere waren allerdings in ihrer Planung schon weit fortgeschritten bzw. standen knapp vor Baubeginn.
    Trotzdem wurde keines dieser Projekte jemals verwirklicht, zwar ist das Schareck mittlerweile von Kärnten aus als „Mölltaler Gletscher“ erschlossen, der Bau dieser Bahnen erfolgte jedoch erst Anfang der 90-er Jahre und vollkommen unabhängig von den ursprünglichen Gasteiner Plänen. Immer wieder diskutiert wird auch heute noch die Anbindung des Wurtenkees an Sportgastein durch eine Schrägstollenbahn, da diese aber den Nationalpark „Hohe Tauern“ berühren würde ist dieses Vorhaben als problematisch zu bezeichnen.
    Während in den 60-er und 70er Jahren in Frankreich riesige Schigebiete entstanden, Leo Gurschler im Südtiroler Schnalstal seinen Traum von der Gletscherschrließung durchzog, (wenn er auch letztendlich daran zerbrach) und Wilhelm Fazokas heute in Kaprun als der Vater der Gletscherbahnen gefeiert wird, warum scheiterten dann die ehrgeizigen Erschließungspläne der im Bereich Kreuzkogel, Schareck und Sonnblick, obwohl der Gasteiner Bürgermeister Ing. Anton Kerschbaumer als Geschäftsführer der „Sportgastein Ges.m.b.H.&Ko.Kg.“ durchaus das Format hatte, sie umzusetzen und damit seinen Lebenstraum zu realisieren?
    Die Beantwortung dieser Frage und die Abklärung des Stadiums von Planung bzw. Realisierung der angeführten Lift- und Bauprojekte werden im folgenden Text versucht. Als Quellen dienen einerseits einschlägige zeitgenössische Werke (Schiführer, Schiatlanten, Prospekte, Panoramen), andererseits führten ein Besuch des Archivs der Gasteiner Bergbahnen und ein Gespräch mit einem Zeitzeugen zu zahlreichen Informationen, die in dieser Form bisher der Öffentlichkeit nicht zugänglich waren.
    Zuletzt geändert von gerrit; 23.11.2007, 01:08.
    Daß wir echt waren, werde ich auch noch erfinden! (Josef Zoderer)

  • #2
    AW: Über alle Berge.... Gasteiner Projekte der 70-er Jahre

    II. Geographisches

    Die Hohen Tauern
    Die etwa 150 km lange Teilstrecke des Alpenhauptkamms zwischen der westlichen Begrenzung Krimmler Ache – Tauferer Ahrntal und einer gedachten Linie Großarltal – Murwinkel – Katschbergpaß im Osten dürfte ihren Namen schon seit der vorslawischen Zeit beibehalten haben (indogermanisch:
    (S)Teur = Stier, großer Berg). Möglich ist auch die Deutung des Namens „Tauern“ als „Übergang“, so enthalten die zahlreichen Pässe und Saumpfade über den Alpenhauptkamm „Tauern“ in ihren Bezeichnungen (Korntauern, Felbertauern, Obertauern, Hohentauern, die beiden letzten jedoch in den Niederen Tauern).
    Die markante nördliche Grenze der Gebirgsgruppe ist das Salzachtal, von dem aus mehrere in Nord-Südrichtung verlaufende Täler bis an den Hauptkamm herankommen, zu nennen sind von Osten nach Westen Großarltal, Gasteiner Tal, Rauriser Tal, Fuscher Tal, Kapruner Tal, Stubachtal, Felber Tal, Höllersbachtal, Untersulzbachtal, Obersulzbachtal und Krimmler Tal. Es handelt sich um glaciale Trogtäler mit Geländestufen, Wasserfällen und Klammen (Gasteiner Klamm, Liechtensteinklamm, Kitzlochklamm). Die in diesen Tälern verlaufenden Zuflüsse der Salzach werden als Achen (z.B. Gasteiner Ache) bezeichnet.
    Geologisch handelt es sich um eine Kombination aus kristallinen Gesteinen und Schiefern, der Aufbau des Gebirges ist jedoch durch das „Tauernfenster“, eine lokale tektonische Besonderheit ungewöhnlich kompliziert, was zu einer Vielfalt an Geländeformen von weiten Gletscherflächen, senkrechten Felswänden und scharfen Graten bis hin zu sanften Graskuppen, Hochmooren und zahlreichen Bergseen geführt hat.
    Im Bereich des Alpenhauptkamms lassen sich den Hohen Tauen (wieder von Osten nach Westen, jeweils mit den höchsten Gipfeln) fünf Gebirgsgruppen zuordnen:
    Ankogelgruppe (Hochalmspitze 3360m, mit Hafner- und Reißeckgruppe), Goldberggruppe (Hocharn 3254m), Glocknergruppe (Großglockner 3798m), Granatspitzgruppe (Großer Muntanitz 3236m) und Venedigergruppe (Großvenediger 3666m).
    Die östlichen Nachbarn der Hohen Tauern sind die Radstädter Tauern, westlich schließen die Zillertaler Alpen an.
    Die im folgenden Text beschriebenen Erschließungsprojekte betreffen nahezu ausschließlich die Goldberggruppe in der östlichen Hälfte der Hohen Tauern, sie befindet sich in etwa zwischen der Großglockner Hochalpenstraße (Fusch – Hochtor – Heiligenblut) und der Tauernbahn (Gasteiner Tal – Tauernschleuse – Mallnitzer Tal – Mölltal). Hauptzugangsmöglichkeiten von Norden sind das Gasteiner Tal und das Rauriser Tal, von Süden her erreicht man die Gruppe durch das Mölltal bzw. seine Nebentäler Mallnitzer Tal und Fraganter Tal. Wichtigste Gipfel sind neben dem Hocharn der Hohe Sonnblick (3105m) und das Schareck (3122m).

    Nun einige Bilder dieser Berge:

    Sonnblick (links) und Hocharn (rechts) vom Wurtenkees aus gesehen (2.9.06)



    Rechts im Vordergrund der Sonnblick mit Wetterwarte und Zittelhaus, der weite Gletscher ist das Vogelmaier Ochsenkar Kees (2.9.06)



    Das Schareck vom Sonnblick aus gesehen, im Vordergrund die „Wintergasse“ und die Fraganter Scharte (aus: Hans Schwanda, „Skiglück in den Tauern“, Verlag Das Bergland-Buch Salzburg – Stuttgart, 1967)


    Aufstieg zum Kreuzkogel, Talboden Naßfeld und Ostflanke des Scharecks (aus: Schwanda: „Skiglück in den Tauern“,...)


    Hoher Sonnblick, Nordwand (aus: Schwanda: „Skiglück in den Tauern“,...)


    Hocharn, Südostflanke mit Hocharnkees (aus: Schwanda: „Skiglück in den Tauern“,...)



    Gasteiner Tal
    Das Gasteiner Tal ist das größte Seitental der Salzach und entstand durch den einstigen Gasteiner Gletscher, dessen Höhe in der Eiszeit vom heutigen Talboden aus über 1000 m betrug. Von Norden her erreicht man es durch die enge Gasteiner Klamm, dann öffnet sich das Tal und man passiert heute die Ortschaften Dorfgastein (830m) und Bad Hofgastein (858m). Die Stadt Bad Gastein (1002m) entstand an einer Geländestufe, als ihr Wahrzeichen gilt der Wasserfall der Gasteiner Ache. Nennenswerte Nebentäler sind das Angertal, das zwischen Hofgastein und Badgastein nach Südwesten in Richtung Silberpfennig zieht, sowie das Kötschachtal von Badgastein nach Südosten zum Keeskogel. Bei Böckstein (1131m) südlich von Bad Gastein befindet sich das Nordportal des Tauerntunnels der ÖBB, hier entsteht auch die Gasteiner Ache durch den Zusammenfluss des Anlaufbachs (aus dem Anlauftal vom Ankogel her kommend) und der Naßfelder Ache. Dieser Zufluß hat seinen Ursprung in der Hochfläche des Naßfeldes, eines großen nahezu ebenen Talbodens etwa 500 Höhenmeter oberhalb und 5km südwestlich von Böckstein. Dieser Talboden ist es auch, der in den 70-er Jahren den prestigeträchtigen Namen „Sportgastein“ erhielt.

    Rauriser Tal
    Nach dem steilen und engen nördlichen Zugang durch die Kitzlochklamm weitet sich der Talboden zum Hauptort Rauris hin, südlich bei Wörth teilt sich das Tal in das nach Südwesten zum Hochtor leitende Seidwinkltal und das in südlicher Richtung nach Kolm-Saigurn verlaufende Hüttwinkltal.

    Mölltal
    Die Möll hat ihren Ursprung im Glocknergebiet, der bekannteste Ort im oberen Mölltal ist Heiligenblut am Südende der Großglockner-Hochalpenstraße. Von dort zieht das Tal zunächst nach Süden, dann nach Osten bzw. Nordosten, zu nennen ist als Nebental das Fraganter Tal, durch das die ehemals weitläufigen Gletscher im Schareck- und Alteckbereich entwässert werden, bei Obervellach nimmt die Möll den von Norden aus dem Mallnitztal kommenden Mallnitzbach auf und wendet sich dann nach Südosten, um bei Möllbrücke in die Drau zu münden.
    Daß wir echt waren, werde ich auch noch erfinden! (Josef Zoderer)

    Kommentar


    • #3
      AW: Über alle Berge.... Gasteiner Projekte der 70-er Jahre

      III. Historisches

      Gasteiner Tal und Rauriser Tal
      963 n.C. erfolgte die erste urkundliche Erwähnung als „Gastuna“ (indogermansiche Sprachwurzeln – „graubrauner Fluss“). Das Tal dürfte bereits in keltischer und römischer Zeit dünn besiedelt gewesen sein, zu einer nennenswerten Urbarmachung kam es aber erst im 9. Jahrhundert durch bayrische und slawische Siedler. Im 13. und 14. Jahrhundert erreichte eine frühe Weidewirtschaft ihren Höhepunkt, jedoch findet bereits 1230 im Badegedicht „Die Graserin in der Gastein“ von Neidhart von Reuental ein Hinweis auf die Nutzung der Heilquellen. In den folgenden Jahrhunderten etablierte sich Gastein als Heilbadeort und Berühmtheiten wie Kaiser Friedrich III. im 15. Jahrhundert, Paracelsus im 16. Jahrhundert sowie Kaiser Franz-Josef mit seiner Gemahlin Elisabeth, Kaiser Wilhelm von Deutschland und Fürst Bismarck kamen zur Kur.
      In die erste Hälfte des 19. Jahrhunderts fällt als wesentlicher Impuls für die Entwicklung des Alpinismus in der Region die Errichtung der Gamskarkogel-Schutzhütte am gleichnamigen Berg durch Erzherzog Johann.
      Um die Wende zum 20. Jahrhundert war Bad Gastein ein weithin bekannter Kurort, viele der noch jetzt bestehenden Großhotels haben ihren Ursprung in dieser Zeit, wobei vor allem der Bau der Tauernbahn ab 1901 von Schwarzach St. Veit bis Bad Gastein (1905) und durch den Tauerntunnel nach Mallnitz und Spital an der Drau (1909) einen Bauboom auslöste.
      Ein weiterer wichtiger Wirtschaftsfaktor des Gebiets war seit dem Mittelalter auch der für die Gebirgsgruppe namengebende Goldbergbau, der sich vor allem auf die Berge um Böckstein (Radhausberg) und den Talschluß des Rauriser Tals (Kolm Saigurn) konzentrierte. Die letzte Blüte erlebte der Goldabbau im 19. Jahrhundert, wobei Ignaz Rojacher als treibende Kraft nebenbei auch die Wetterwarte am Sonnblick als weltweit erste und höchstgelegene meteorologische Beobachtungsstation errichtete. Nach der Jahrhundertwende kam der Abbau wegen Unrentabilität zum Erliegen, Versuche zur Wiederaufnahme in den 30-er Jahren durch Dipl. Ing. Imhof (Imhof-Stollen zwischen Kolm Saigurn und Naßfeld) und die Preußische Bergwerks- und Hütten-AG im zweiten Weltkrieg scheiterten jedoch bald. Seit 1944 erfolgt die Goldgewinnung lediglich zu touristischen Zwecken (Goldwaschen), jedoch existieren noch zahlreiche Zeugnisse der seinerzeitigen Bergwerkstätigkeiten (Flurnamen, Gebäuderuinen, Rampen von Schrägaufzügen). Als "Nebenprodukt" der letzten Phase der Goldgewinnung entdeckte man 1940 im Pasel-Stollen bei Böckstein eine deutlich über dem Normalbereich liegende Radonkonzentration von etwa 740.000 Becquerel pro m³ Atemluft (normal sind 100 Becquerel), der Aufenthalt in diesem Stollen wirkte sich positiv auf viele Erkrankungen des Bewegungsapparats, der Atemwege und der Haut aus, seit 1952 erfolgt die Nutzung des Stollens zu Kurzwecken.
      Das Rauriser Tal wurde 1122 als „Rurise“ erstmalig urkundlich erwähnt. Von Norden her erreicht man es durch die ursprünglich schwer zugängliche Kitzlochklamm, deshalb erfolgte die erste Besiedelung auch von Süden her. Die Verbindung durch das Seidwinkltal über Hochtor (Heiligenbluter Tauern) nach Süden war im Vergleich zu anderen Tauern-Übergängen länger schneefrei und führte deshalb zu einer regen Saumtätigkeit im Rauriser Tal.

      Mölltal
      Erwähnenswert ist vor allem die Geschichte des Wallfahrtsorts Heiligenblut, der Legende nach wurde hier ein Däne namens Briccius 914 auf dem Heimweg aus Konstantinopel von einer Lawine verschüttet. Angeblich hatte er ein Fläschchen mit dem Blut Christi mit sich geführt und sich als Schutz vor Räubern in die Wade einwachsen lassen, nachdem er von Bauern begraben worden war , „weigerte“ sich das Bein, unter der Erde zu bleiben, so wurde das Fläschchen entdeckt und wird seither in der 1460 bis 1491 erbauten Pfarrkirche aufbewahrt. Auch hier gab es Goldabbau, allerdings nur bis zum 15. Jahrhundert, ansonsten lebte der Ort von Landwirtschaft und Tourismus.
      Bei Flattach mündet das Fraganter Tal, hier ist vor allem Kupferbergbau erwähnenswert, der im 17. Jahrhundert seinen Anfang nahm und mit dem ersten Weltkrieg gleichzeitig Höhepunkt und Ende erlebte. Interessant ist auch die Tatsache, daß die Hochweiden der Fragant über Jahrhunderte vom nördlich des Alpenhauptkamms gelegenen Kolm Saigurn über die Fraganter Scharte beschickt wurden, in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts erfolgte auch der Bau mehrerer Stauwerke durch die Tauern-AG.
      Daß wir echt waren, werde ich auch noch erfinden! (Josef Zoderer)

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      • #4
        AW: Über alle Berge.... Gasteiner Projekte der 70-er Jahre

        VI. Schisport in der Goldberggruppe vor 1970

        Die erste (Spät-)Winterbesteigung eines 3000-ers in den Ostalpen erfolgte 1896 am Hohen Sonnblick durch Wilhelm von Arlt, ein Jahr später wurde auch der Hocharn im Winter bezwungen. Der Schi galt damals jedoch weniger als Sportgerät als einfach als Fortbewegungsmittel im hohen Schnee, erst nach der Jahrhundertwende wurde der „Abfahrtssport“ beliebter, sodaß neben den großen Bergen des Alpenhauptkamms auch ihre niedrigeren Kollegen weiter nördlich winterliche Bergsteiger anzogen.
        1923 wurden die Österreichischen Schimeisterschaften in Hofgastein ausgetragen, durchgeführt wurde eine Kombination aus Aufstieg und Abfahrtslauf (Tal – Schloßalm – Kleine Scharte – Maurachalm – Aeroplan – Kitzstein – Brandnerbauer) sowie einem Sprunglauf auf der Bilgeri-Schanze.
        Im Büchlein „500 Sonntags-Skiabfahrten vom Wienerwald bis Zell am See“ (Verlag A. Holzhausens Nachf. Wien, 1933) findet sich folgende Beschreibung einer Tour zum Silberpfennig (2597m), interessant ist übrigens die Routenführung über das Naßfeld:




        1936 wurde – wieder im Rahmen der Österreichischen Skimeisterschaften – ein Damenabfahrtslauf veranstaltet und nach Ende des zweiten Weltkriegs wurde intensiv an der Nutzbarmachung des Winters als zweite Saison für das Gasteinertal gearbeitet.

        Eine Ansicht der um den Wasserfall gruppierten Großhotels aus der Jahrhundertwende in Badgastein (aus: Hermann Kornacher, „Die schönsten Wintersportplätze“, moderne verlags gmbh, München, 1966)


        Schon im Dezember 1945 wurde der Sessellift von Badgastein (Schillerhöhe) auf die Reiterbauer-Heimalm im Graukogelgebiet (angeblich erster österreichischer Sessellift) eröffnet. 1946 wurde der Sessellift mit 180m Höhenunterschied zur Bellevue-Alm (1260m) an der Ostflanke des Stubnerkogels errichtet.
        Bellevue-Lift, im Hintergrund der Gamskarkogel (aus 24 Skisterne, Bergverlag Rudolf Rother, München, 1965)

        1947 wurde der erste Sessellift in Hofgastein zur Aeroplanwiese gebaut, 1949 wurde der Sessellift zur Heimalm bis Höllbrunn (1472m) verlängert (heutige erste Sektion des Graukogellifts), 1950 erfolgte der Bau der zweiten Sektion bis zur Reichebenalpe (1084m) unterhalb des Hüttenkogels.
        Pistenorientierung am Graukogel (aus 24 Skisterne,....)

        1950 wurde auch die Stubnerkogelbahn als Zweiseilumlaufbahn gebaut, hier ein Bild der ersten Gondeln, die dann Anfang der 70-er Jahre durch die berühmten Plexiglaskabinen ersetzt wurden. Die Eröffnung dieser Bahn hob die Besucherzahl in Badgastein stärker an als seinerzeit die Eröffnung der Tauernbahn.
        Stubnerkogelbahn (aus 24 Skisterne,....)


        Ab 1951 wurde auch die Schloßalm von Bad Hofgastein aus erschlossen, zunächst mit einer Kette aus Einersesselliften: 1. Sektion Kurgarten (845m) – Kitzstein (1297m), 2. Sektion Kitzstein – Haitzingalm (1757m), noch heute als DSB existent, 3. Sektion Haitzingalm – Schloßalm (1965m);
        Schloßalm vor der weiteren Erschließung, von links nach rechts: Türchlwand, Hohe Scharte, Mauskarkopf, Kleine Scharte, Hirschkarspitze; (aus: James Riddell, „The Ski-Runs of Austria“, Michael Joseph, LTD, 1958)
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        • #5
          AW: Über alle Berge.... Gasteiner Projekte der 70-er Jahre

          Die bisher genannten Anlagen bestanden im Gasteinertal, als 1958 nach zahlreichen anderen alpinen Schirennen während der 50-er Jahre (Österreichische Schimeisterschaften, Britische Armee-Schimeisterschaften, FIS Internationale Wintersportwochen, Lowlanders Ski-Championships (Belgien, Dänemark, England, Holland), mehrere Damenrennen (Silberkrugrennen)) endlich die Alpinen Schiweltmeisterschaften am Graukogel stattfanden (hier gewann der Österreicher Toni Sailer übrigens Goldmedaillen in Abfahrt, Riesentorlauf und Kombination sowie Silber im Slalom).

          1957 dürfte auch der ursprüngliche Jungeralm-Sessellift (auf einer anderen Trasse als die heutige KSB) erbaut worden sein.
          ESB Jungeralm (aus: Riddell, „The Ski-Runs of Austria“,....)


          ESB Jungeralm, im Hintergrund mittig Kreuzkogel und rechts Schareck (aus: Hans Schwanda, „Skiglück in den Tauern“, Verlag Das Bergland-Buch Salzburg – Stuttgart, 1967)


          Das Panorama des hinteren Gasteinertals von 1958 (aus: Riddel, „The Ski-Runs of Austria“,...)


          Anfang der 60-er Jahre wurden weitere Lifte am Stubnerkogel errichtet, ebenso in Dorfgastein (ESB Brandlalm, SL Wengeralm) und auf der Schloßalm, auch im Rauriser Tal kam es zum Bau der ersten Schleppliftanlagen, 1964 wurde die erste Sektion der Schloßalmsesselbahnen durch eine Standseilbahn ersetzt, sodaß sich 1965 folgende Auflistung ergab (aus: 24 Skisterne,....)


          Hier ein Bild der ursprünglichen Standseilbahn Hofgastein-Kitzstein (aus einem Werbeprospekt „Salzburger Land“, ca. 1974)


          Ein weiteres Bild dieser Bahn, im Hintergrund (v. l. n. r.) Hörndl, Geißkarkopf und Tennkogel (Danke für den Hinweis an Klaus Bader) (aus: Hubert Neuwirth, „Skiparadiese Europas“, Süddeutscher Verlag 1974)


          1966 war bereits die Pendelbahn zur Kleinen Scharte oberhalb der Schloßalm in Planung, hier ein Panorama aus diesem Jahr (aus: Hermann Kornacher, „Die schönsten Wintersportplätze“,...)
          Daß wir echt waren, werde ich auch noch erfinden! (Josef Zoderer)

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          • #6
            AW: Über alle Berge.... Gasteiner Projekte der 70-er Jahre

            Der Hochalmlift auf der Schloßalm Mitte der 60-er Jahre (aus: Schwanda, "Skiglück in den Tauern",....)


            Die Pendelbahn Kleine Scharte Anfang der 70-er Jahre (Werbeprospekt „Salzburger Land“)


            Etwa aus dieser Zeit könnte auch die Aufnahme einer der Plexiglas-Kabinen der Stubnerkogelbahn stammen, sie wurden vom Salzburger Architekten Gerhard Garstenauer entworfen, (auf ihn wird in der Folge noch ausführlich eingegangen,) für das Gondeldesign erhielt er 1973 den Österreichischen Staatspeis für gute Form; im Hintergrund ist der Kreuzkogel zu sehen; (aus: DSV-Skiatlas 1982, Mairs Geographischer Verlag)


            Das markante Massiv des Kreuzkogels bildet auch den Hintergrund für dieses Bild von der Stubnerkogel-Ostabfahrt, der abgebildete Schlepplift verlief im obersten Teil der Abfahrt südlich der Seilbahn und existiert heute nicht mehr (aus: ÖSV-Skiatlas 85,...)
            Daß wir echt waren, werde ich auch noch erfinden! (Josef Zoderer)

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            • #7
              AW: Über alle Berge.... Gasteiner Projekte der 70-er Jahre

              Nun folgen noch einige Auszüge aus dem Buch „Skiglück in den Tauern“ (Hans Schwanda, Verlag Das Bergland-Buch Salzburg – Stuttgart, 1967). Dieser Autor - ein österreichisches Pendant zu Walter Pause - hat in den 60-er Jahren viele Schiberge in Ost- und Westösterreich auf "liebevolle" Art beschrieben und illustriert und seine Bücher sind heute noch eine Fundgrube für für "Retro-Schifahrer" und Tourengeher. "Hauptberuflich" war er Inhaber eines Sportgeschäfts in der Bäckerstraße im ersten Wiener Gemeindebezirk, das heute noch von seinen Erben betrieben wird ( www.schwanda.at ). Ich möchte mich an dieser Stelle herzlich bei seinem Enkel Bernd Schwanda für die Genehmigung der Verwendung von Texten und Abbildungen im Rahmen dieser Reportage bedanken. Sie geben ein schönes Bild vom Schitourismus dieser Zeit.






              Daß wir echt waren, werde ich auch noch erfinden! (Josef Zoderer)

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              • #8
                AW: Über alle Berge.... Gasteiner Projekte der 70-er Jahre

                Die Erschließungen im Rauriser Tal (Hochalmbahnen unterhalb der Schwarzwand) erfolgten in den 60-er Jahren eher zaghaft und lagen auch außerhalb der eigentlichen Goldberggruppe.

                Das Fraganter Tal war in den 60-er Jahren nur von Bauern bewohnt, einen nennenswerten Tourismus gab es nicht, lediglich die Vorarbeiten für die Kraftwerke der Tauern-AG brachten Neuerungen in das Tal.
                Schließlich bleibt noch Heiligenblut als einziger Ort am Rande der Goldberggruppe mit größeren Lifterschließungen vor 1970 anzuführen. Während der kleine Ort am Großglockner schon seit Jahrhunderten als Wallfahrtsort und seit dem Beginn des 20. Jahrhunderts während des Sommers zunehmend auch von Alpinisten besucht wurde, besann man sich in den 50-er Jahren auch auf die Möglichkeit, den Wintertourismus anzukurbeln. Riddell schreibt 1958 von zwei Kleinliften im Ortsbereich, allerdings wurde die Großglocknerstraße auch im Winter bis zur jetzigen Mittelstation Roßbach offengehalten und Kleinbusse ermöglichten aufstiegsloses Schivergnügen. In Planung war zu diesem Zeitpunkt bereits der Tauernberg-Schlepplift von 1700m bis 2080m. In den 60-er Jahren realisiert wurde die erste Ausbaustufe des Gebiets mittels einer Einsesselbahn in 2 Sektionen (Heiligenblut 1300m – Roßbach 1750m – (Heiligenbluter) Schareck 2556m, dem schon oben erwähnten Tauernberglift, dem Einsessellift Fallbichl aus der Wallackmulde (2236m) zum Schareckgipfel sowie 2 kurzen Schleppliften am Viehbichl beim Wallackhaus.
                Wieder ein Auszug aus Schwanda, „Skiglück in den Tauern“


                Die Bergstation des Schareck-Sessellifts (ÖSV-Skiatlas 85, Fink-Kümmerly+Frey)

                Der Fallbichl-Sessellift, der bis 2006 in Betrieb war (Schwanda, "Skiglück in den Tauern",...)


                Am Rande (im wahrsten Sinne des Wortes) zu erwähnen sind noch die Erschließungen von Mallnitz, hier wurde bereits in den 50-er Jahren der Einsessellift zur Häusleralm gebaut, in den 60-ern dann die Seilbahn zum Ankogel.
                Häusleralm, im Hintergrund der Ankogel
                Daß wir echt waren, werde ich auch noch erfinden! (Josef Zoderer)

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                • #9
                  AW: Über alle Berge.... Gasteiner Projekte der 70-er Jahre

                  Was war aber mit den „großen“ Bergen im teilweise vergletscherten Bereich des Alpenhauptkamms?
                  Noch fern jeglicher Erschließungsgedanken werden sie nicht nur in speziellen Touren-Führern sondern auch in der „Standard-Skiliteratur“ der 50-er und 60-er beschrieben.
                  Riddell schreibt 1958:
                  “.... This point (Bergstation der Stubnerkogelbahn) is also the starting-place for short tours up to Pockhartscharte, Zitterauer Tisch (2461m), and Silberpfennig (2600m). To run down south-west form these areas into the Winkeltal brings you to Kolm-Saigurn, which ist the starting-point for longer tours up to the Hocharn (3254m), the Sonnblick (3106m) and the Schareck (3122m) – all of which are in the Hohe Tauern Group.”
                  Unter “Touring from Böckstein” werden der (Sportgasteiner) Kreuzkogel, der Übergang nach Mallnitz über die Hagener Hütte sowie der Aufstieg auf die Hohe Geissel beschrieben.
                  Im Buch “24 Skisterne” des Bergverlags Rother, das übrigens eine Zusammenfassung von Originalbeiträgen in der Zeitschrift “der winter” darstellt, werden im Teilkapitel „Gipfelglück in der Goldberggruppe“ nicht erschlossenen Schibergen immerhin 2 Seiten gewidmet, beschrieben sind die niedrigeren nördlichen Gipfel (Fulseck, Türchlwand, Hüttenkogel, Silberpfennig, Kreuzkogel), ebenso die „hohen“ Berge Schareck, Sonnblick und Hocharn.
                  Für die drei letzteren wird jeweils das Naßfeld (Sportgastein) oder Kolm Saigurn als Ausgangspunkt angeführt, also auch das Schareck mit dem nach Süden abfließenden Wurtengletscher wurde praktisch nur von der Nordseite her begangen.
                  Interessant ist auch, daß am Kreuzkogel meist die Abfahrtsvarianten nach Westen (zum Naßfeld-Talgrund) und nach Norden (Richtung Böckstein) angeführt werden, nie jedoch die Firnhänge nach Süden ins Weißenbachbachtal.
                  Im Anschluß einige Beschreibungen und Bilder aus Schwanda, Skiglück in den Tauern.










                  Soweit der Zustand in den 60-er Jahren, vor allem im Gasteinertal bestand ein zu dieser Zeit durchaus modernes System an Aufstiegshilfen im Bereich der nördlichen Vorberge des Alpenhauptkamms, von Südwesten her hatte Heiligenblut begonnen, Liftanlagen zu errichten.
                  Die vergletscherten Hauptgipfel der Goldberggruppe – Hocharn, Sonnblick und Schareck – waren noch reine Tourenberge. 1964 wude jedoch der Baumeister Ing. Anton Kerschbaumer zum Bürgermeister von Bad Gastein gewählt, der als begeisterter Schifahrer und Tourengeher die Berge der Goldberggruppe ausgezeichnet kannte und von ihrem Potential für die touristische Entwicklung des Ortes überzeugt war.
                  Daß wir echt waren, werde ich auch noch erfinden! (Josef Zoderer)

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                  • #10
                    AW: Über alle Berge.... Gasteiner Projekte der 70-er Jahre

                    Anmerkung: viele der in den folgenden Abschnitten eingefügten Bilder und Unterlagen habe ich im Archiv der Gasteiner Bergbahnen gefunden, für die Erlaubnis zur und Hilfe bei der Recherche möchte ich mich insbesondere bei Direktor Wolfgang Egger und Fr. Corina Stadler bedanken. Die meisten der Dokumente wurden von mir vor Ort bei mäßigen Lichtverhältnissen photographiert und anschließend nachbearbeitet, für Qualitätsmängel möchte ich mich entschuldigen.
                    Viele zusätzliche Informationen habe ich im Rahmen eines Telefon-Interviews mit Direktor Rudolf Fornather, ehemals Bürgermeister von Bad Gastein, Direktor der Gasteiner Sparkasse und Geschäftsführer der Gasteiner Alpenstraße, erhalten, wofür ich mich ebenfalls herzlich bedanken möchte.



                    V. Sportgastein - eine Legende entsteht

                    Auch nach dem skisportlichen Höhepunkt 1958, als die Alpinen Skiweltmeisterschaften in Bad Gastein am Graukogel ausgetragen wurden, kam es immer wieder zur Veranstaltung von Schirennen. In einem der nächsten Winter (nach 1961) hatte der Ort jedoch (erstmalig?) Schneeprobleme, sodaß Rennen nicht oder nicht in voller Länge ausgetragen werden konnten und die Gasteiner Tourismusbetriebe blickten sehnsuchtsvoll zu den umliegenden Gipfeln der Hohen Tauern, die zu dieser Zeit noch bis weit unter die 2500m Marke vergletschert waren. Allerdings waren diese Berge allesamt nicht leicht zu erreichen, die öde Hochfläche des Naßfelds, 600 Höhenmeter oberhalb von Böckstein, bot sich zwar als Ausgangspunkt an, dorthin führte jedoch ein steiles, schmales und sehr lawinöses Tal, das vor allem im Hochwinter nur selten begangen werden konnte.
                    1964 wurde der Baumeister Ing. Anton Kerschbaumer zum Bürgermeister Bad Gasteins gewählt, während seiner Amtszeit wurden im Gasteiner Tal unter anderem einige wesentliche Impulse zur weiteren Entwicklung des Tourismus gesetzt, so wurde der renommierte Salzburger Architekt Gerhard Garstenauer (geboren 1925 in Fusch an der Glocknerstraße) für die Planung und Errichtung des Felsenbads in Bad Gastein gewonnen, Baubeginn war 1966, schon 1968 war das Bad fertiggestellt; während hier spätere Um- und Erweiterungsbauten zum Teil heftige Kritik hervorriefen, befindet sich das zweite Hauptwerk Garstenauers im Gasteinertal, das Kongreßzentrum, baulich gesehen zumindestens noch teilweise (vor allem im Inneren) im Originalzustand und ist in seiner Sichtbetonbauweise mit dem mitentworfenen Mobiliar zweifellos ein herausragendes Architekturdenkmal im alpinen Raum.
                    Dieser Bau wurde 1968 begonnen und 1974 fertiggestellt, auf der Aussichtsplattform am Dach finden sich 3 aus gleichseitigen Dreiecken zusammengesetzte Halbkugeln, die in ähnlicher Form später in Sportgastein als Liftgebäude eingesetzt wurden und noch heute als Wahrzeichen dieses Schigebiets gelten.
                    Weiterhin lockten jedoch in der zweiten Hälfte der 60-er Jahre das schneereiche Naßfeld mit dem 2686m hohen Kreuzkogel und die weiten Gletscherflächen am Schareck und Alteck, sie versprachen eine schneesichere Zukunft für den Schitourismus im Gasteiner Tal, nur galt es, die erste Hürde, das schmale, schluchtartige Tal der Naßfelder Ache zwischen dem weiten Hochtal und Böckstein zu überwinden. Als Vorbild für eine geplante Skistation diente das französische Tignes, Prospekte dieses Ortes finden sich auch im Archiv der Gasteiner Bergbahnen.
                    Erste Überlegungen bezüglich der Anbindung des Naßfelds kamen noch ohne Straße aus und sahen eine Seilbahn von Böckstein auf den Kreuzkogel vor, die das Naßfeld zusammen mit einer Liftkette an der Westflanke des Berges erschlossen hätten, erwiesen sich aber bald als nicht praktikabel.
                    Bald war klar, daß eine Erschließung nur dann möglich wäre, wenn man eine durch Galerien und Untertunnelungen weitgehend lawinensichere Straßenverbindung zum Naßfeld errichten könnte.
                    In der Elektrizitätsgesellschaft der Tauernkraft wurde ein Partner gefunden, der sich an der Finanzierung beteiligte, 1969 wurde Rudolf Fornather, Direktor der Gasteiner Sparkasse, und Präsident des Gasteiner Skiclubs, Vizebürgermeister und fortan zusammen mit Bürgermeister Kerschbaumer an der weiteren Entwicklung beteiligt, er war es auch, der den Namen „Sportgastein“ als logische Konsequenz der schon bekannten Ortschaften im Gasteiner Tal (Dorfgastein, Bad Hofgastein, Bad Gastein) kreierte.
                    1970 wurde also mit dem Bau der Gasteiner Alpenstraße begonnen, 1970 oder 1971 erfolgte auch die Gründung der Gesellschaft „Sport Gastein“ (Sport GasteinGesellschaft m.b.H. & Co.KG) mit ihren Geschäftsführern Anton Kerschbaumer und Rudolf Fornather.
                    1971 waren auch die beiden ersten der geplanten Liftanlagen von Sportgastein in Bau, als folgende Presseerklärung herausgegeben wurde:




                    Daß wir echt waren, werde ich auch noch erfinden! (Josef Zoderer)

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                    • #11
                      AW: Über alle Berge.... Gasteiner Projekte der 70-er Jahre

                      Während auf die weiteren angeführten Erschließungsprojekte später eingegangen wird, kommen nun einige Illustrationen zu den über lange Zeit einzig gebliebenen Liftanlagen von Sportgastein, der Doppelsesselbahn Schideck und dem anschließenden Schlepplift Kreuzkogel an der Westflanke dieses idealen Schibergs (siehe Text von Schwanda).
                      Am 24. März 1972 erfolgte die offizielle Eröffnung der Straße und der beiden Liftanlagen:


                      Daß wir echt waren, werde ich auch noch erfinden! (Josef Zoderer)

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                      • #12
                        AW: Über alle Berge.... Gasteiner Projekte der 70-er Jahre

                        Hier sieht man den Parkplatz mit der Sesselbahn Schideck, gut zu erkennen ist auch die Kuppel der Talstation nach den Plänen von Gerhard Garstenauer. (aus: Hubert Neuwirth, Skiparadiese Europas,...)



                        Ein Ausschnitt aus diesem Bild:


                        An der Mittelstation befanden sich zwei dieser Glaskugeln, erwähnenswert ist auch die Tatsache, daß jeder zweite Sessel der Bahn mit einer Wetterschutzhaube versehen war. Allerdings wurden diese Schutzhauben erst nachträglich montiert, das genaue Nachrüstdatum war bis jetzt nicht eruierbar. (aus: ÖSV-Skiatlas 85,...)

                        Daß wir echt waren, werde ich auch noch erfinden! (Josef Zoderer)

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                        • #13
                          AW: Über alle Berge.... Gasteiner Projekte der 70-er Jahre

                          Ein weiters Bild der Mittelstation aus dem Archiv der Gasteiner Bergbahnen (hier sind noch keine Wetterschutzhauben montiert)

                          Langläufer im Talboden des Naßfelds (aus: ÖSV-Skiatlas 85)


                          Das folgende Bild zeigt den oberen Bereich der Doppelsesselbahn Schideck und ist aus einer Informationsbroschüre zur Erschließung des Scharecks (wahrscheinlich 1973) entnommen, auf die später noch ausgiebig eingegangen wird. Im Hintergrund ist die Ostflanke des Scharecks gut zu sehen.
                          Daß wir echt waren, werde ich auch noch erfinden! (Josef Zoderer)

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                          • #14
                            AW: Über alle Berge.... Gasteiner Projekte der 70-er Jahre

                            Ebenfalls aus dieser Zeit dürfte eine Werbetafel für Sportgastein stammen:





                            Daß wir echt waren, werde ich auch noch erfinden! (Josef Zoderer)

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                            • #15
                              AW: Über alle Berge.... Gasteiner Projekte der 70-er Jahre

                              VI. Schareck - Gasteiner Gipfelträume

                              Ab März 1972 war die Ski-Station Sportgastein also offiziell in Betrieb und die Lifte am Kreuzkogel erschlossen schneesichere Schiabfahrten an der West-, Süd- und Nordflanke dieses Berges.
                              Eigentliches Erschließungsziel blieb jedoch ein Dreitausender, das markante Schareck westlich des Talbodens, das mit dem Wurtenkees, einem zu dieser Zeit bis 2400 Meter Seehöhe herabreichenden Gletscher und dem angrenzenden Alteckkees Schneesicherheit für alle zukünftigen Wintersaisonen gewährleisten und auch in der warmen Jahreszeit den Tourismus durch Sommerschilauf und Gletscherausflüge fördern sollte.
                              Auch die „Ski-Literatur“ dieser Zeit war über die Ausbaupläne informiert worden und zeichnete die Projekte in ihre Panoramakarten ein (erwähnenswert jeweils rechts der Hinweis "Stollen", siehe später):
                              Winterinformation „Salzburger Land“ 1974


                              1976 gibt die Österreichische Tageszeitung „Kurier“ als Beilage eine Serie von Panoramakarten Österreichischer Schigebiete heraus:


                              Schon 1972 schreibt der Deutsche Skibuch-Autor Walter Pause in „Ski Heil“, BLV-Verlag München-Bern-Wien bei der Beschreibung von Heiligenblut:
                              Pläne: Straße Großglockner-Hochalpenstraße/Fleißkehre – Kl. Fleißtal, Bahn Kl. Fleißtal ca. 1950m – H. Sonnblick 3105m (Sommerskilauf!) = Anschluß an das gepl. Pistengebiet Badgastein 1002m – Naßfeld 1580m – Kolm Saigurn 1598m – H. Sonnblick 3105m!. Ferner: Verbindung (Bahn-Neukonstruktion!) Hoh. Sonnblick 3105m – Hocharn 3254m – Schareck 2604m!
                              (gemeint ist hier das Heiligenbluter Schareck). Der praktisch gleichlautende Text steht auch bei den Beschreibungen des Gasteinertals.
                              Weiter oben im Heiligenblut-Text heißt es:
                              Interessant, Die im Kleintext unten erwähnten Ausbaupläne sollen nach dem Prinzip von Bergewagen durchgeführt werden – einzelne Kabinen bewegen sich, angetrieben vom eigenen kleinen Motor, am einfachen Seil von Ankerpunkt zu Ankerpunkt. Die Motorkraft wirkt durch einen besonderen Mechanismus auf das Tragseil. Dergestalt können zwar keine extremen Steigungen überwunden werden, aber man kann von Gipfel zu Gipfel die Täler überspannen. Neues Material, um die Alpenvereine zu ärgern...
                              Im Rahmen der Recherchen wurden jedoch keine anderen Quellen bezüglich dieser Bahnprojekte gefunden.
                              Daß wir echt waren, werde ich auch noch erfinden! (Josef Zoderer)

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