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Thema: Plattkofel, 2964m, Langkofelgruppe/Dolomiten; 06.01.2017

  1. #1
    in between Avatar von placeboi
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    Plattkofel, 2964m, Langkofelgruppe/Dolomiten; 06.01.2017

    Die geringe Schneelage in den Dolomiten wollten Franzi und ich zum Winterbergsteigen nutzen. Eine technisch anspruchsvollere Tour hätte uns zwar gereizt, aber wegen der großen Kälte entschieden wir uns für den Normalweg am Plattkofel.

    Bereits beim Aufbruch nahe des Sellajochs zeigte der Winter seine Kraft: -18°C und mäßiger Wind. Normalerweise sind solche Temperaturen kein Problem, man startet in einem Kaltluftsee und nach 100 Höhenmetern liegen die Temperaturen schon viel höher und die Kleidungsschichten werden reduziert. Doch dieses Mal handelte es sich um echte Kälte, es würde nur unwesentlich wärmer werden. Ich sollte den ganzen Tag mit Fleece und Überjacke unterwegs sein. Wer mich kennt, weiß, was das heißt.
    Trotz der widrigen Bedingungen konnte ich nicht widerstehen und musste bereits am Parkplatz fotografieren. Typisch Dolomiten.
    1.JPG

    Bis zur Forcella Rodella bewegten wir uns im Skigebiet, danach begann die Ruhe auf dem Friedrich-August-Weg. Es gab kaum Schnee, dafür aber umso mehr Eis. Bei der Querung eines Bachs, der sein Bett in eine drei Meter breite Eisbahn verwandelt hatte, krochen wir auf allen Vieren über das Hindernis. Die Handschuhe froren dabei sofort am Eis fest. Mit Steigeisen hätten wir das Eis eleganter überwinden können, doch hätte es länger gedauert. Da wir bis kurz hinter das Rifugio Sandro Pertinin weitestgehend im Windschatten unterwegs waren, gingen sich ein paar Bilder aus. Zahnkofel, Innerkoflerturm und Grohmannspitze.
    2.JPG

    Den Zahnkofel habe ich mir schon immer gerne angeschaut. Seit unserer Besteigung macht es noch mehr Spaß.
    3.JPG

    Blick zum Rosengarten.
    4.JPG
    "Glück, das kann schon sein: man hat es fast hinter sich und einen Schluck Wasser noch dazu." (Malte Roeper)

  2. #2
    in between Avatar von placeboi
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    AW: Plattkofel, 2964m, Langkofelgruppe/Dolomiten; 06.01.2017

    Die ungeschützten Hänge des Plattkofels wurden wegen des Winds zur Qual. Immerhin mussten wir nicht spuren. Wo es Schnee gab, war dieser hartgepresst. Auf dem Mittelgipfel des Plattkofels war es natürlich noch windiger als beim Aufstieg, aber dennoch musste ich ein paar Bilder machen. Zu großartig war der Blick zum Langkofel.
    5.JPG

    Die Gipfel im Südbogen der Langkofelgruppe wussten auch zu gefallen.
    6.JPG

    Die Marmolada eingerahmt vom Zahnkofel und dem Hauptgipfel des Plattkofels.
    7.JPG

    Die Kunstschneebänder der Pisten auf der Seiser Alm wirkten bizarr.
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    Schlern mit Ortlergruppe im Hintergrund
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    Die Geislerspitzen
    10.JPG

    Der Hauptgipfel
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    "Glück, das kann schon sein: man hat es fast hinter sich und einen Schluck Wasser noch dazu." (Malte Roeper)

  3. #3
    in between Avatar von placeboi
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    AW: Plattkofel, 2964m, Langkofelgruppe/Dolomiten; 06.01.2017

    Da unsere Finger begannen kalt zu werden, verlegten wir die Nahrungsaufnahme auf einen späteren Zeitpunkt und begannen mit dem Übergang zum Hauptgipfel. Wir ahnten nicht, dass wir inklusive einer kurzen Pause über eine Stunde dafür brauchen sollten. Manchmal brach der Harschdeckel, manchmal trug er und manchmal fehlte er ganz. Immer wieder gab es Felskontakt.
    Schon wieder jagt mir der Wind Schneestaub ins Gesicht. Ich wühle mich eine steile, schattige Rinne hinauf, Franzi klettert irgendwo links von mir im Fels. Der Ausstieg am Gipfelgrat. Der Wind rüttelt an uns. Oben.
    12.JPG

    Rückblick zum Mittelgipfel
    13.JPG

    Wir gehen ein Stück nach Westen, um zu schauen, ob wir direkter als über den Normalweg des Mittelgipfels absteigen können. Es wird gehen. In der Rinne ist der Wind stärker als beim Aufstieg. Mehr Wind bedeutet auch mehr Schnee. Meine Brille ist mittlerweile eisverkrustet, ich sehe nicht mehr viel. Endlich bin ich unten bei Franzi, die wie immer in einem solchen Gelände schneller abgestiegen ist.
    Durch breite Schneerinnen steigen wir direkt ab, die Sonne scheint uns ins Gesicht, der Wind ist hier schwach. Glücksgefühle durchströmen mich. Zügig geht es hinab, doch das Gelände wird immer steiler. Die Felsabbrüche werden mehr. Verdammt, wir sind falsch. Was haben wir von oben nur gesehen? Wir queren nach Norden in Richtung der Aufstiegsroute. Immer wieder kratzen die Steigeisen auf Platten unter der dünnen Schneeschicht. Zum Glück ist es hier nicht so steil, aber einen Sturz könnten wir vor den Abbrüchen unter uns nicht abfangen. Plötzlich sehen wir zwei Markierungen. Sie sind auf Fels gemalt, also muss hier irgendwo eine Route durchgehen. Doch wir sehen nichts. Absteigen? Weiterqueren? Aufsteigen? Die erste Option fällt weg, wir würden höchstwahrscheinlich irgendwo steckenbleiben. Die Querung sieht übel aus, aber sie führt in einfaches Gelände. Das Risiko ist uns zu groß, wir steigen auf. Gefühlt ist es ewig weit, aber wahrscheinlich sind es nur etwa 100 Höhenmeter bis wir endlich ins einfache Gelände queren können. Jetzt aber nichts als schnell hinab, die Sonne wird bald hinter dem Rosengarten untergehen. Kurz vor dem Erreichen des Friedrich-August-Wegs fanden wir einen windgeschützten Platz, an dem wir eine Pause machen konnten. Wir genossen die Wärme der letzten Sonnenstrahlen. Wärme ist relativ zu sehen.
    14.JPG

    Als wir schon eine Weile im Schatten unterwegs waren, leuchteten die Berge über uns noch in der Sonne.
    15.JPG

    16.JPG

    Doch irgendwann schwand auch das letzte Sonnenlicht auf den umliegenden Bergen.
    17.JPG

    „Wie kalt soll es diese Nacht in der Höhe werden? -30°C?“ „Ich will es gar nicht wissen“, entgegnete Franzi. Bis es so weit war, würde es auch noch lange dauern.
    Endlich erreichten wir im Stirnlampenlicht das Auto. Mäßiger Wind, -17,5°C, viel hatte sich seit dem Aufbruch nicht verändert. Ich drehte den Zündschlüssel um. Der Wagen sprang nicht an, neun Stunden in der Kälte hatten der Batterie zugesetzt. Ein zweiter Versuch, bange Sekunden und dann lief der Motor. Selten war ich so erleichtert.
    "Glück, das kann schon sein: man hat es fast hinter sich und einen Schluck Wasser noch dazu." (Malte Roeper)

  4. #4

    AW: Plattkofel, 2964m, Langkofelgruppe/Dolomiten; 06.01.2017

    Eindrucksvolle Schilderung, noch dazu mit tollen Fotos. Das habt ihr scheinbar gut hinbekommen, solche Touren wirken lange nach.

  5. #5
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    AW: Plattkofel, 2964m, Langkofelgruppe/Dolomiten; 06.01.2017

    Starke Unternehmung, bei der Temperatur.
    Erinnert mich an meine Besteigung vor vielen Jahren um die selbe Zeit,
    allerdings bei völlig schneefreiem Anstieg und doch angenehmer Wärme.
    Lg. helmut55

  6. #6
    ———— Avatar von csf125
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    AW: Plattkofel, 2964m, Langkofelgruppe/Dolomiten; 06.01.2017

    Tolle Sache
    Aber immerhin wird's auch dort wärmer, heute in der Früh sollte es sogar auf dem Langkofel selbst nur mehr -15°C gehabt haben

    lg
    Norbert

  7. #7
    in between Avatar von placeboi
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    AW: Plattkofel, 2964m, Langkofelgruppe/Dolomiten; 06.01.2017

    Danke für eure Kommentare. Ich glaube, wir haben noch nie bei einer Tour in den Dolomiten so wenig fotografiert wie Freitag.

    Zitat Zitat von csf125 Beitrag anzeigen
    Aber immerhin wird's auch dort wärmer, heute in der Früh sollte es sogar auf dem Langkofel selbst nur mehr -15°C gehabt haben
    Dann weiß ich ja, wo ich heute hätte sein sollen.
    "Glück, das kann schon sein: man hat es fast hinter sich und einen Schluck Wasser noch dazu." (Malte Roeper)

  8. #8
    sapere aude Avatar von brothers
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    AW: Plattkofel, 2964m, Langkofelgruppe/Dolomiten; 06.01.2017

    Super Bericht, eingebettet in eine herrliche Gegend!
    Und glücklich-gut, dass der Wagen noch angesprungen ist.
    Hut ab vor eurer Kälteresistenz! "Warmblütler" wie ich haben diesen Tag im gut beheizten Wohnzimmer verbracht...

  9. #9
    in between Avatar von placeboi
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    AW: Plattkofel, 2964m, Langkofelgruppe/Dolomiten; 06.01.2017

    Zitat Zitat von brothers Beitrag anzeigen
    Hut ab vor eurer Kälteresistenz!
    Franzi ist nicht besonders kälteresistent. Es ist alles eine Frage der Motivation und natürlich der Bekleidung.
    "Glück, das kann schon sein: man hat es fast hinter sich und einen Schluck Wasser noch dazu." (Malte Roeper)

  10. #10
    Puschtrarin, kalkophil Avatar von Badehäubchen
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    AW: Plattkofel, 2964m, Langkofelgruppe/Dolomiten; 06.01.2017

    Auch ich sag Respekt! Ich hab mich die letzten Tage daheim nicht mehr in die Höhe begeben... Dafür war das mit dem Auto die letzten Tage mehrmals so, (trotz neuer Batterie), zum Glück immer in der Zivilisation. -20 ist schon nicht mehr Alltag.
    Aktuelle Lieblingssprüche:
    - Meister wird, wer trotz der Schule Bücher liest.
    - Vor Bäumen ich den Wald nicht seh, wenn ich auf meiner Leitung steh.

  11. #11
    in between Avatar von placeboi
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    AW: Plattkofel, 2964m, Langkofelgruppe/Dolomiten; 06.01.2017

    Vor einem Jahr haben wir die Batterie getauscht, sonst hätte es sicher nicht mehr geklappt.
    "Glück, das kann schon sein: man hat es fast hinter sich und einen Schluck Wasser noch dazu." (Malte Roeper)

  12. #12

    AW: Plattkofel, 2964m, Langkofelgruppe/Dolomiten; 06.01.2017

    Glückwunsch zur gelungenen Tour. Wer hätte gedacht, dass der Plattkopfes so abenteuerlich werden kann!? Um Eure Nähe zu den Dolomiten beneide ich Euch immer wieder - da habt Ihr die Verhältnisse super genutzt.
    Tourenberichte und Sonstiges auf www.deichjodler.com

  13. #13
    Tauerngratsammler Avatar von tauernfuchs
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    AW: Plattkofel, 2964m, Langkofelgruppe/Dolomiten; 06.01.2017

    Toll! Bedingungen super genutzt!
    Danke für den wunderbaren Bericht und schönen Bilder! Und so ein prächtiges Abendlicht.
    Sicher sehr selten, dass man so etwas so schneearm machen kann um diese Jahreszeit! Gut, dass der kleine Verhauer sich noch rechtzeitig geklärt hat. Das kann gleich die Nerven etwas strapezieren.

    LG

  14. #14
    TAMBOBARBESUCHER Avatar von rene6768
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    AW: Plattkofel, 2964m, Langkofelgruppe/Dolomiten; 06.01.2017

    Sehr schön, mich hat es noch weiter in den Süden gezogen, war am Samstag auf der Cima Carega 2259 m nördlich von Verona, 0 Schnee, weder nord- noch südseitg Stelle meine Bilder die Woche auch noch ein. Grüße An Dich und Franzi

  15. #15
    in between Avatar von placeboi
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    AW: Plattkofel, 2964m, Langkofelgruppe/Dolomiten; 06.01.2017

    Zitat Zitat von Deichjodler Beitrag anzeigen
    Um Eure Nähe zu den Dolomiten beneide ich Euch immer wieder - da habt Ihr die Verhältnisse super genutzt.
    Nah ist relativ. Wir überlegen immer mehrmals, ob wir für eine Tagestour bis in die Dolomiten fahren sollen. Im Vergleich zu München ist es aber natürlich nahe. Mich wundert es jedes Mal, wenn wir nach einer Tour an einem Sonntagabend aus Südtirol nach Hause fahren, wie viele bayerische Autokennzeichen man sieht.

    Zitat Zitat von tauernfuchs Beitrag anzeigen
    Toll! Bedingungen super genutzt!
    Danke für den wunderbaren Bericht und schönen Bilder! Und so ein prächtiges Abendlicht.
    Sicher sehr selten, dass man so etwas so schneearm machen kann um diese Jahreszeit! Gut, dass der kleine Verhauer sich noch rechtzeitig geklärt hat. Das kann gleich die Nerven etwas strapezieren.

    LG
    Die Bedingungen sind schon außergewöhnlich. Wenn es wärmer gewesen wäre, hätte man sicherlich an den Sellatürmen südseitig klettern können.

    Zitat Zitat von rene6768 Beitrag anzeigen
    Sehr schön, mich hat es noch weiter in den Süden gezogen, war am Samstag auf der Cima Carega 2259 m nördlich von Verona, 0 Schnee, weder nord- noch südseitg Stelle meine Bilder die Woche auch noch ein. Grüße An Dich und Franzi
    Ich bin gespannt auf die Bilder. Als Kind war ich einmal am Gardasee, aber sonst war ich noch nie so weit im Süden in den Ostalpen unterwegs.
    "Glück, das kann schon sein: man hat es fast hinter sich und einen Schluck Wasser noch dazu." (Malte Roeper)

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