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Regelwerk für die Benutzung des Forums Gipfeltreffen

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Gletschertagebuch von Heinz Slupetzky

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  • Gletschertagebuch von Heinz Slupetzky

    Hallo zusammen!
    Ich finde Herrn Slupetzky sollte man einen eigenen Thread widmen!
    Er ist der Leiter der Abteilung für Gletscher- und vergleichende Hochgebirgsforschung und
    Leiter der Hochgebirgs- und Nationalparkforschungsstelle Rudolfshütte!
    http://www.geo.sbg.ac.at/index_perso...aff/slupetzky/

    außerdem veröffentlicht er sehr informativ und anschaulich die sog. "Gletschertagebücher" auf den Internetseiten des ORF

  • #2
    Gletschertagebuch von Heinz Slupetzky

    vollständigkeitshalber poste ich mal alle Veröffentlichungen des ORF hier her!

    Biographie: Univ. Prof. Dr. Heinz Slupetzky
    Leiter der Abteilung für Gletscher- und vergleichende Hochgebirgsforschung am Institut für Geographie und Angewandter Geoinformatik der Universität Salzburg

    Werdegang



    Heinz Slupetzky ist in Wien geboren (1940), verbrachte schon 5 Jahre seiner Kindheit in Saalbach und dann von 1958 bis 1965 die meiste Zeit in Uttendorf/Pinzgau, weil seine Eltern die damals neu gebaute Rudolfshütte pachteten; ab 1965 lebt er in Salzburg bzw. in Bergheim.

    Mit dem Kennen lernen der Gletscher in den Hohen Tauern war sein Berufsweg vorgezeichnet: Beginn der Gletschermessungen 1960, Studium der Geographie, Universitätslaufbahn ab1965 als Studienassistent an der Universität Salzburg am Institut für Geographie bis zum Univ. Prof. und Leiter der Abteilung für Gletscher- und vergleichende Hochgebirgsforschung und der Hochgebirgs- und Nationalparkforschungsstelle Rudolfshütte der Universität Salzburg.

    Interessen: Gletscher in aller Welt



    Die Gletscher der Hohen Tauern stehen im Mittelpunkt seines Interesses wie überhaupt die Gletscheränderungen in den Alpen. Darüber hinaus haben die Gletscher Prof. Slupetzky in andere Weltgegenden gezogen: Island, Alaska, Kanada, Himalaya usw. Besonders hervorzuheben ist die abenteuerliche Reise in die russische Arktis nach Franz-Josef-Land 1991, kurz nachdem nach über einem halben Jahrhundert Sperre auch hier der Eiserne Vorhang gefallen war; es schloss sich u.a. eine weitere Reise 1992 zur Vorbereitung der ORF-Dokumentation an.

    Das interessante Thema Gletscher hat sich in vielfältigen Tätigkeiten für die Öffentlichkeit niedergeschlagen: Radio-Interviewes, Fernsehsendungen, Artikel in Printmedien, Bearbeitung und Gestaltung von Gletscherlehrwegen im Nationalpark Hohe Tauern mit Begleitmaterialien, wie bei den Lehrwegen Obersulzbachtal, Stubacher Sonnblick und Ödenwinkel Kees, maßgebliche Mitarbeit bei Ausstellungen und Infoeinrichtungen, wie "Erlebniswelt Gletschereis" am Mooserboden, "WasserWunderWelt" in Krimml usw. Dabei kommt ihm auch sein Hobby Fotografieren sehr entgegen.

    Weitere Tätigkeiten



    Seit März 2002 ist Prof. Slupetzky 1. Vorsitzender der Sektion Salzburg des OeAV mit 11.500 Mitgliedern; bei dieser neuen Aufgabe wird er u.a. von seiner Frau Brigitte unterstützt. Slupetzky bringt viel Erfahrung für diese neue Tätigkeit mit: Er ist mit 43 jährlichen Nachmessungen der am längsten aktive Mitarbeiter im Rahmen des AV-Längenmessprogrammes, durch die Mitarbeit im Familienbetrieb der Eltern und der lange Aufenthalt auf der Rudolfshütte hat er Erfahrung über den Betrieb von AV-Hütten, darüber hinaus mit seinem Beruf als Geograph die vielfältige Expertise für das Thema Umwelt - Klima und die Tätigkeit des Menschen

    Kommentar


    • #3
      Gletschertagebuch von Heinz Slupetzky

      08.07.2003
      Wie steht es um Österreichs Gletscher?
      Die heißen Temperaturen des Juni haben Österreichs Gletschern ziemlich zugesetzt. Zur Zeit gibt es eine Abkühlung in den Höhenlagen - eine kleine Verschnaufpause für die Eismassen im Hochgebirge. Ich habe vor wenigen Tagen die Pasterze in Kärnten und das Stubacher Sonnblickkees im Land Salzburg besucht. Bis Ende Sommer berichte ich vom aktuellen Zustand der beiden Gletscher.

      Gletscherzunge beeinträchtigt durch Juni-Hitze ...



      Der heiße Juni, der alle Temperaturrekorde gebrochen hat, zusammen mit dem schon sehr warmen Mai hat zu einer raschen Abschmelzung der Schneedecke auf den Gletschern geführt. Dort, wo die Winterschneedecke schon völlig verschwunden ist, wie an der Gletscherzunge der Pasterze, geht es an die "Substanz": Das Eis schmilzt stark ab.

      ... und Wüstenstaub von vorigem Jahr

      Der Wüstenstaub vom 16.November 2002 färbt die Schneeoberfläche ocker-braun.


      Verstärkt hat das Abschmelzen der Wüstenstaub, der im November des Vorjahrs bei den starken Stürmen - mit großen Waldschäden im Pinzgau - auf der Schneedecke abgelagert wurde, und der nun an der Schneeoberfläche liegt. Die intensive braun-ocker-Farbe führt zu einer größeren Abschmelzung als normal.

      Überdies war der Winter eher schneearm, sodass im Mai der Schnee weniger hoch lag als sonst.

      Ausbleiben der Schafskälte



      Im Juni gab es nicht wie sonst Kaltlufteinbrüche, bei denen es zu kühlen Witterungsperioden kommt und es im Hochgebirge schneit, sodass die Neuschneedecke die Abschmelzung unterbricht. So fehlte heuer z. B. die sonst verlässliche "Schafskälte".

      Gletscherzunge schmilzt seit Mai



      Der Zustand der Pasterze zur Zeit ist folgendermaßen: Schon Anfang Mai, das ist ungewöhnlich früh, war an der Gletscherzunge der Pasterze der Winterschnee abgeschmolzen, sodass im ganzen Mai und Juni auf der vier Kilometer langen Gletscherzunge fast ununterbrochen das Eis abschmolz.

      Schnee-Gletscher-Grenze in 2.900 Meter Höhe

      Die Pasterze gegen den Johannisberg.


      Jetzt, Anfang Juli, findet bis oberhalb des so genannten Hufeisenbruches Eisabschmelzung statt. Umgekehrt betrachtet hat sich die Grenze zwischen der Bedeckung mit Altschnee und dem blanken ("aperen") Gletscher bis auf eine Seehöhe von 2.900 Meter zurückgezogen.

      In manchen Jahren gab es diese Situation erst Ende September. Wenn die Pasterze heuer nicht an Masse verlieren soll, dürfte ab jetzt kein Eis mehr abschmelzen und müsste die jetzt im Nährgebiet liegende Altschneemenge (der Rest vom Winterschnee) verbleiben.

      Das Stubacher Sonnblickkees bei der Rudolfshütte jetzt



      Beim Stubacher Sonnblickkees sind die aperen Eisbuckel und die Altschneeflecken zu sehen (Stand der Ausaperung Anfang Juli 2003).

      Das Auffälligste am Stubacher Sonnblickkees ist die intensive Färbung der Schneeoberfläche am Gletscher sowie die Tatsache, dass schon viele Stellen aper, d.h. schneefrei sind und hier das Eis abschmilzt. Dieser "Stand der Ausaperung" ist allein gegenüber dem Vorjahr um drei Wochen früher eingetreten.

      Das Sonnblickkees hätte, wenn man den jetzt noch am Gletscher liegenden Altschnee mit der bisherigen Eisabschmelzung aufrechnet, gerade noch einen positiven Haushalt; etwa 0,5 Mio. Kubikmeter wäre der derzeitige Massengewinn. Aufgrund der bisherigen starken Schnee- und Eisschmelze ist der derzeitige Seestand des Weißsees, in dem der Abfluss gespeichert wird, heuer um fünf Meter höher als im Vorjahr - und sogar um zwölf Meter höher als vor zwei Jahren.

      Aktuell: Schneefall bis 2.100 Meter



      Die allerjüngste Entwicklung: Exakt mit Monatsbeginn gab es eine Umstellung der Wetterlage mit Zufuhr kühler Luft und Abkühlung in allen Höhenlagen. Es schneite im Hochgebirge seit langem wieder einmal, bei der Rudolfshütte (2.315 m) bis 2.100 m herab.

      Da der Gletscher bei 2.500 m endet, war er zur Gänze mit zehn bis 15 cm Neuschnee bedeckt. Dies unterbricht die Abschmelzung des Gletschers für Tage und, wenn es weiter kühl bleibt, auch länger. Noch ist es ein Tropfen auf den heißen Stein, sprich kalten Gletscher, aber immerhin!

      Wie kann es weitergehen?



      Keiner weiß, wie das Wetter im "eigentlichen" Sommer sein wird. Wenn er kühl und verregnet sein sollte, wird das trotzdem nicht reichen, die Gletscher heuer vor einem Massenverlust zu bewahren.

      Wird er nur durchschnittlich warm wie in den letzten Jahren, so kann es einen erheblichen Massenverlust der Gletscher - und damit auch Längenverlust der Gletscherzungen - geben. Wenn der Hochsommer heiß und der Spätsommer auch noch warm wird, ist ein starker Massenverlust der Alpengletscher unaufhaltbar.

      Wie es weitergeht/gegangen ist, berichte ich in etwa zwei Wochen.

      Kommentar


      • #4
        Gletschertagebuch von Heinz Slupetzky

        21.07.2003
        Kurze Abschwächung der Gletscherschmelze
        Eine kühlere Witterungsphase in den vergangenen zwei Wochen hat auf den Gletschern über Seehöhen von 2.200 Metern Neuschnee gebracht und die Temperaturen in den Höhe absinken lassen. Dadurch wurde die Abschmelzung gebremst. Der Neuschnee ist inzwischen bis auf über 3.000 Meter weggeschmolzen.





        Die nun wieder einsetzenden heißen Tage werden den Abbau der restlichen Winterschneedecke beschleunigen und der Eisverlust wird auf den größer werdenden Eisflächen zunehmen.

        Quantitativ hat sich also der Massenverlust der Gletscher seit Anfang Juli nur wenig verändert.

        Das Stubacher Sonnblickkees



        Die Ausaperung des Gletschers bei der Rudolfshütte, d.h. wie viel von der Fläche des Eises schneefrei ist, ist gegenüber dem Vorjahr um drei bis vier Wochen voraus.

        In manchen Jahren war aber die Situation wie jetzt Ende September! Ein Massenverlust steht also fest, nur noch nicht, wie viel.





        Der Gegensatz zwischen dem Wüstenstaub und dem Neuschnee höher oben ist gut zu erkennen.

        Wie kann es weitergehen?



        Es hängt alles davon ab, ob jetzt die sommerlichen "Hundstage" begonnen haben. In ca. zwei Wochen wissen wir mehr und ich werde berichten, wie es den Gletschern in Österreich geht.

        Kommentar


        • #5
          Gletschertagebuch von Heinz Slupetzky

          29.07.2003
          Die Hundstage setzen den Gletschern zu
          Mit den "Hundstagen" setzt(e) sich die Zeit des sehr warmen Wetters fort. Am Sonntag, dem 27. Juli, dem bisher heißesten Tag in Österreich, lag die Nullgradgrenze bei 4.400 bis 4.500 Meter, d.h. dass gerade noch am Gipfel des Mt. Blanc mit 4.807 m geringe Minustemperaturen herrschten.





          Die letzen zwei Wochen ging auch in der Nacht die Abschmelzung auf den Gletschern weiter.

          Sonnblickkees: 60 Zentimeter weniger Eis

          Das Stubacher Sonnblickkees Ende Juli


          Nach der kurzen Abschwächung der Gletscherschmelze hat das Stubacher Sonnblickkees im Oberpinzgau bei der Rudolfshütte, Gemeinde Uttendorf, ca. eine Million Kubikmeter an Masse verloren, das ist eine - auf den 1,5 Quadratkilometer großen Gletscher gleichmäßig verteilt gedachte - Schicht von 60 Zentimeter Eis, die abschmolz.

          Die Ausaperung des Gletschers zeigt, dass über 2.850 Meter Seehöhe im "Nährgebiet" nur mehr geringe Flächen vom Winterschnee bedeckt sind. Ein Vergleich des Fotos vom Sonnblickkees von Ende Juli mit dem von Anfang Juli lässt das Abschmelzen der Schneedecke und die Vergrößerung der Eisflächen gut erkennen.





          Obersulzbachkees schmilzt auch "von unten"

          Die Gletscherzunge des stark abgeschmolzenen Obersulzbachkeeses (die Eiswand an der Gletscherstirn ist ca. zehn bis 15 Meter hoch)


          Das Obersulzbachkees in den westlichen Hohen Tauern in der Gemeinde Neukirchen am Großvenediger zeigt die Auswirkungen der Hitze ganz drastisch. Nicht nur dass die Abschmelzung sehr groß ist, gleichzeitig unterhöhlt seit einigen Jahren ein Gletscherbach die Gletscherzunge.

          Durch die warme Luftströmung, die durch die Tunnel und Gänge fließt, schmilzt das Eis auch von unten. Dort, wo die Eisdecke zu dünn wird, brechen die Höhlen zusammen. Es entstehen große kraterähnliche Löcher, an deren Grund sich das Gletscherwasser seeartig ausbreitet. Das Obersulzbachkees verliert daher besonders stark an Masse.

          Fast nur Schmelzwasser ohne Niederschlagswasser



          Gletscherhöhle im Obersulzbachkees (ca. acht Meter hoch!)

          Bei diesem Gletscher wird seit Jahren der Abfluss in einem rund 20 Quadratkilometer großen Einzugsgebiet, in dem die Gletscher ca. 80 Prozent der Fläche ausmachen, gemessen; die Messstelle wird vom Hydrographischen Dienst des Landes Salzburg betreut.

          Zur Zeit der größten Wasserführung fließen pro Sekunde 15 Kubikmeter talwärts. Es ist fast nur Schmelzwasser ohne Niederschlagswasser. In den letzten 15 Jahren gab es im Juli nur zwei mal so hohe Abflussmengen, d.h. es ist durchaus ein nicht so häufiges Ereignis.



          In der Stunde machen 15 Kubikmeter pro Sekunde rund 50.000 Kubikmeter aus. Das ist der durchschnittliche Zweitages-Trinkwasserverbrauch einer Stadt wie Salzburg (155.000 Einwohner)!



          Ausaperung weiter fortgeschritten als üblich



          Das Stubacher Sonnblickkees ist jetzt schon stark ausgeapert d.h. es sind nur mehr kleine Flecken von Altschnee im "Nährgebiet", aber umso größere Flächen mit blankem Eis im Zehrgebiet vorhanden.

          Schon jetzt sind dieselben Verhältnisse erreicht wie im Vorjahr erst Mitte September. So früh waren die Gletscher (in den Alpen) schon lange nicht mehr vom Winterschnee entblößt und große Eisflächen der Abschmelzung ausgesetzt.

          Dunkelgrauer Schmutz wird sichtbar, ...



          Die Wirkung des Wüstenstaubs vom November des Vorjahres nimmt insoferne ab, da die Schneedecke, auf deren Oberfläche er liegt, nunmehr verschwindet.

          Trotzdem gibt es einen Verstärkungseffekt der Abschmelzung. Gletschereis ist im Vergleich zu Schnee relativ dunkel und absorbiert daher viel Strahlung. Weiters wird jetzt immer mehr ein dunkelgrauer bis schwarzer Schmutz auf den Gletschern sichtbar, der auf den älteren Firnschichten liegt und auch stellenweise am Eis.

          ... der Abschmelzung weiter verstärkt



          Natürliche (zusammen mit den vom Menschen verursachten) Verunreinigungen, die mit dem Niederschlag aus der Atmosphäre ausgewaschen werden, Gesteinstaub aus der Umgebung usw. "verschmutzen" jährlich die Schneeoberfläche ein wenig.

          Durch die starke Abschmelzung der älteren Schnee- und Firnschichten in den letzten zwei Jahrzehnten summiert sich nun der Schmutz vieler Jahresschichten; und wirkt dadurch ebenso abschmelzverstärkend.

          Die "weiteren Aussichten"?

          Der an der rechten Seite eingebrochene Gletscher (Obersulzbachkees)


          Wenn der August und September nur "normales" Wetter bringen und in diesen acht Wochen nur vier so warm sind wie die vergangenen zwei, so verliert das Stubacher Sonnblickkees weitere zwei Millionen Kubikmeter an Masse.

          Damit wäre der bisherige Rekordverlust eines Jahres seit Beginn der direkten Messungen (im Rahmen der Massenbilanzmessungen von der Universität Salzburg aus) von 3,3 Millionen Kubikmeter eingestellt. Sollte es wettermäßig "schlimmer kommen", würde sich der Massenverlust der Gletscher dem Rekordjahr 1947 (im Zeitraum der vergangenen 100 Jahre) nähern.

          Das "Tagebuch der Gletscherschwindsucht" wird fortgesetzt. Für Spannung ist gesorgt!

          Kommentar


          • #6
            Gletschertagebuch von Heinz Slupetzky

            11.08.2003
            Die "Hundstage" haben sich drastisch auf die Gletscher ausgewirkt
            Die heiße Witterung aufgrund des beständigen Hochs mit Rekordtemperaturen in Europa, großer Trockenheit und maximaler Abschmelzung der Gletscher hat zu einem raschen Substanzverlust an Eis geführt. Die Nullgradgrenze ist noch höher, zeitweise auf 5.000 Meter, geklettert. Und nach wie vor ist es auch in der Nacht im Gebirge sehr warm, sodass auch dann nicht der Schmelzprozess unterbrochen ist.





            Die Gletscher sind grau und schmutzig und bis über 3.000 Meter Seehöhe ausgeapert, d.h. nahezu schneefrei. An der Eisoberfläche schießen zahlreiche Bäche talab, die Wasserführung der Gletscherbäche erreicht Rekordwerte.



            Gletscher-Tagebuch in science.ORF.at
            Seit Anfang Juli berichtet Heinz Slupetzky für science.ORF.at über den Zustand der österreichischen Gletscher:
            Die Hundstage setzen den Gletschern zu (29.7.03)
            Kurze Abschwächung der Gletscherschmelze (21.7.03)
            Wie steht es um Österreichs Gletscher? (8.7.03)
            Mehr über das Gletscher-Tagebuch in science.ORF.at (3.7.03)



            Kraftwerk-Zufluss fast nur von Gletschern



            Die Gletscherbäche führen kontinuierlich Hochwasser (hier beim Sonnblickkees).

            Der Speicher Weißsee der ÖBB bei der Rudolfshütte ist seit 4. August voll, die Kraftwerke in den Alpen profitieren vom Schmelzwasser; nahezu der Gesamte Zufluss kommt derzeit nur von den Gletschern und kaum von Niederschlags- und Quellwasser.

            Noch in Salzburg beträgt der Anteil von Gletscherwasser ca. 40 Prozent, wie der Hydrographische Dienst des Landes Salzburg weiß - nur dadurch kann das Ausflugsschiff Mozart problemlos fahren.

            Das Stubacher Sonnblickkees: Nahezu Rekordverlust

            Stubacher Sonnblickees. Der Gletscher ist völlig auspeapert und es ist fast kein Winterschnee mehr zurückgeblieben. An diesem Gletscher misst Heinz Slupetzky, Uni Salzburg, seit 1960 die Massenbilanz.


            Die Erfahrung, Vergleiche mit früheren Jahren und aktuelle Beobachtungen lassen grob abschätzen, wie es dem Sonnblickkees ergangen ist.

            Der Gletscher hat in der letzten Zeit ca. 2,2 Millionen Kubikmeter an Masse verloren, das ergibt derzeit eine negative Massenbilanz von 3,0 Millionen Kubikmeter. Eine Eisschicht von 2,2 Meter über den ganzen Gletscher ist abgeschmolzen!

            Mit 2,2 Meter ist der bisherige größte Verlust im Jahr 1992 von 2,4 Metern nahezu erreicht. In wenigen Tagen wird durch die andauernde starke Schmelzung der heurige Massenverlust zum größten innerhalb der Messreihe seit 1959.

            Wie kann es weitergehen?

            Auf den Gletscheroberflächen schießen unzählige Bäche talab.


            Sollte die Hitzewelle in den nächsten Tagen durch eine Gewitterfront bzw. einen Kaltlufteinbruch gebrochen werden, so ist die Abschmelzphase bei den Gletschern noch nicht vorbei.

            Sind auch nicht mehr so lange heiße Perioden zu erwarten, so ist auf jeden Fall in den verbleibenden Wochen bis weit in den September hinein, selten auch bis Oktober, mit einer - wenn auch verringerten - Abschmelzung zu rechnen. Nur sehr unbeständiges, regnerisches und kühles Wetter ab jetzt könnte jene Neuschneefälle im Gebirge bringen, die einen weiteren wesentlichen Substanzverlust verhindern.



            Rekordverlust: Wahrscheinlichkeit ohne weiteres gegeben
            Die Wahrscheinlichkeit, dass das Stubacher Sonnblickkees heuer einem absoluten Rekordverlust seit über 50 Jahren entgegen geht und damit das Jahr 1947 mit einem durchschnittlichen Verlust von 2,7 m Eis über die ganze Gletscherfläche übertroffen wird, ist ohne weiteres gegeben.



            Längenverlust steht Ende des Sommers fest

            Das Stubacher Sonnblickees: Die Gletscher sind heuer schmutziggrau und nur mehr schlecht von der Felsumgebung zu unterscheiden.


            Der jährliche Massenverlust betrifft immer das gesamte Volumen des Gletschers, die Längenänderung nur eine Dimension. Um wie viel die österreichischen Gletscher kürzer sein werden, wird erst nach den Messungen im Rahmen des Alpenverein-Messprogrammes am Ende des Sommers feststehen (sie werden im März 2004 in den OeAV-Mitteilungen veröffentlicht).

            Aus hochaktuellem Anlass ist eine Vermessung des Sonnblickkees durch Bildflug Fischer, Klagenfurt, geplant, um dieses Extrem-Naturereignis bei diesem Testgletscher zu dokumentieren.

            Bilanz zum "Gletscher-Schicksalsjahr" im September



            Für die Gletscherforscher bleibt es weiter spannend, aber auch die Öffentlichkeit verfolgt immer aufmerksamer die Ereignisse. Spätestens Mitte September kann eine erste vorläufige Bilanz über das "Schicksalsjahr der Gletscher 2003" gezogen werden.

            Kommentar


            • #7
              AW: Gletschertagebuch von Heinz Slupetzky

              01.09.2003
              Extreme Abschmelzung der Gletscher im Sommer 2003
              Ende August ist ein ungewöhnlich heißer Sommer zu Ende gegangen. Er war der wärmste seit Beginn der Wetteraufzeichnungen in Österreich (laut ZAMG). Ein Kaltlufteinbruch hat am 31. August zu Neuscheefällen bis unter 2.000 Meter herab geführt, also tiefer als die Gletscherenden liegen. Damit ist die viermonatige, kaum unterbrochene starke Abschmelzung der Gletscher beendet worden. Wie ist es den Gletschern ergangen?

              Rekordverlust am Stubacher Sonnblickkees




              Die Abschmelzung ist Tag und Nacht weitergegangen und hat zu hohen Abflüssen geführt. Die Flächen der Winterschneedecke im Nährgebiet sind weiter stark verkleinert geworden, sodass das Sonnblickkees heuer faktisch kein Akkumulationsgebiet mehr hat.

              Beziehungsweise ist fast die ganze Gletscherfläche zum Ablations (Abschmelz-)gebiet geworden; die "Schneegrenze" liegt heuer weit über 3.000 Meter (siehe Foto vom Nährgebiet des Gletschers).

              Im Bild: Das Stubacher Sonnblickkees ist bis ganz hinauf extrem ausgeapert (d.h. nahezu schneefrei) und schmutziggrau.






              Rekordverlust von 3,8 Millionen Kubikmetern



              Schon Mitte August wurde der bisher größte jährliche Massenverlust der Messreihe seit 1959 mit 3,3 Mio Kubikmetern (1992) übertroffen; in den zwei Wochen kam noch ein Verlust von einer halbem Million dazu. Damit stand Ende August der Rekordverlust in einem Einzeljahr von ca. 3,8 Mio Kubikmetern fest.

              Der größte Massenverlust in jüngerer Zeit trat 1947 mit 4,5 Mio Kubikmetern auf. Diese Zahl ist aber nicht direkt mit der jetzigen zu vergleichen, da das Sonnblickkees damals größer war und eine Fläche von 1,86 Quadratkilometern hatte gegenüber ca. 1,4 Quadratkilometern heute.

              Rekordjahr 2003 - nur alle 50 Jahre



              Vergleichbar ist aber jeweils der mittlere jährliche Verlust über die ganze Gletscherfläche (spezifische Massenbilanz): So schmolzen 1947 durchschnittlich 2,7 Meter Eis ab, mit drei Metern Eis im (bisherigen) Jahr 2003 wurde dieser Wert nunmehr übertroffen.

              Das negative Rekord-Haushaltsjahr 2003 des Stubacher Sonnblickkeeses ist nach der Eintrittswahrscheinlichkeit ein Ereignis, das, über einen langen Zeitraum gesehen, nur alle 50 Jahre - vielleicht noch seltener - auftritt.

              Der Gletscher wird durchlöchert



              Felsstufen durchlöchern die Eisoberfläche

              Beim Sonnblickkkees wird der Massenverlust noch verstärkt: In den letzten zwei Sommern ist an mehreren Stellen das Eis so dünn geworden, dass Felsstufen zum Vorschein kamen (siehe Foto). Hier bricht das Eis auseinander und ist sandig verschmutzt, der Eisdickenverlust wird beschleunigt.

              Das Zusammenbrechen von Hohlräumen ist auch an der Zunge der Pasterze und beim Obersulzbachkees zu sehen.

              Die Geburt neuer Seen




              Am Gletscherende des Sonnblickkeeses entstand seit 1990 zwischen dem Eisrand und dem Felsgelände ein so genannter Eisrandsee. Er ist schon 203 Meter lang und 112 Meter breit, wie die Vermessungen im August (mit der FH Neubrandenburg) ergeben haben.

              Noch ist das Eis am Seerand zu dick und zu schwer, es ist aber abzusehen, wann Teile davon aufschwimmen und als Eisberge im See driften werden. Ein spektakulärer Prozess, aber für den Gletscher schlecht: Er verliert dadurch noch mehr an Masse und wird noch rascher kleiner.

              Ein weiterer See in 2.900 Metern Höhe fließt in den letzten Jahren langsam aus (siehe Foto: Der Eissee am Hochfürlegg).

              Eine vorläfige Bilanz des Sommers



              Die Ergebnisse von Messungen an vielen österreichischen Gletschern liegen noch nicht vor. Aber eines steht fest: Der meteorolgisch-klimatologische Rekordsommer hat zu großen Volums-, Flächen- und Längenverlusten an den Gletschern geführt. Bei der Pasterze wird sich der größte Abschmelzbetrag an der Gletscherstirn wohl den zehn Metern nähern.

              Wie kann es weitergehen?

              Beobachtungen beim Gletscherforschen: Ein Schmelzwasserbach schneidet sich in erstaunlich regelmäßigen Mäandern ins Eis ein (1 Schlinge: 1 m breit).


              Die kontinuierlich starke Abschmelzung ist vorbei! Der Sonnenstand wird niedriger, die Nächte werden kühler, der Witterungsverlauf wird spätsommerlich-herbstlich. Wenn jedoch der Neuschnee weggeschmolzen ist, kommt großflächig wieder die dunkle Gletscheroberfläche zum Vorschein: Die Strahlung wird absorbiert und die Abschmelzung geht weiter. Noch können die Gletscher weiter an Eis verlieren, womit die negative Bilanz weiter verstärkt wird.

              Erst wenn derjenige Schnee kommt, der anschließend nicht mehr wegschmilzt, ist die Abschmelzperiode auf den Gletschern beendet und es kann die endgültige Bilanz des Haushaltsjahres vom September 2002 bis September 2003 gezogen werden.

              Schon jetzt steht aber fest: Es war für die Gletscherforscher ein spannender Sommer. Und zusammen mit den weiteren Begleiterscheinungen und Auswirkungen der Klimaextreme - Trockenheit, ja Dürre, Wassermangel, Niedrigwasserstände bei den Flüssen usw. - erhält die Klima- und Treibhausdiskussion durch diesen außergewöhnlichen Sommer weiter Nahrung.

              Endgültige Bilanz erst ab September möglich


              Für eine endgültige Bilanz und Schlussfolgerung müssen wir zumindest den September abwarten.

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              • #8
                Gletschertagebuch von Heinz Slupetzky

                07.10.2003
                Die "Leidenszeit" der Gletscher ist für heuer vorbei
                Mit der markanten Wetterumstellung ab dem 4. Oktober, die den ersten Vorgeschmack auf den Winter mit Schneefall bis gegen 800 Meter brachte - auf der Rudolfshütte gab es 55 Zentimeter Neuschnee -, ist auch auf den am tiefsten herabreichenden Gletscherzungen die Abschmelzung zu Ende gegangen.





                In den Nährgebieten haben einzelne geringere Schneefallereignisse vom 31. August bis 24. September schon früher die Ablation beendet. Die Schneefälle haben die Gletscher vor noch größeren Massenverlusten bewahrt.






                Stubacher Sonnblickkees: Größter Massenverlust seit 1959



                Beim Stubacher Sonnblickkees ist es zu dem erwarteten Rekordverlust gekommen. Die Abschmelzung von ca. 3,8 Mio. Kubikmeter oder gegen drei Meter Dickenverlust auf dem ganzen Gletscher ist damit der größte Massenverlust in einem Einzeljahr der vorliegenden Reihe seit 1959 (bzw. zurückgerechnet bis 1946).

                Die Säule des heurigen extremen negativen Haushaltes ist im Diagramm (siehe unten) sehr auffällig. Im Nährgebiet sind Ende September fast keine Altschneeflecken übrig geblieben. Am 13. August wurden die Pasterze, das Stubacher Sonnblickkees und das Ödenwinkelkees mit einem Messflug exakt dokumentiert (Bildflug Fischer Klagenfurt); die starke Ausaperung hatte schon nahezu das Maximum erreicht.

                Die Bilanz des Sommers: Rekordverlust



                Das Sonnblickkees aus der Luft: Der Gletscher ist gut ein Kilometer breit. Viele Stellen sind stark verschmutzt und dunkel, die ganz hellen Flecken sind Reste des Winterschnees. Ältere Firnschichten von 1992 bis heute sind wie Jahresringe abzuzählen. Der linke See ist einer, der derzeit neu entsteht, der mittlere besteht sein einigen Jahren, der rechte schon seit 10.000 bis 12.000 Jahren.

                Direkte Messungen an den Gletschern, wie die Längenmessungen des Österreichischen Alpenvereins, der Bildflug vom Sonnblickkees und viele weitere Daten der Gletscherforscher müssen erst ausgewertet werden, bevor endgültige Zahlen vorliegen.

                Eines steht jedoch fest: Die meisten Gletscher (der Alpen) haben einen Rekordverlust erlitten. Ein solches Ereignis ist selten und kommt vielleicht alle 50 Jahre vor; ob es ein Jahrhundertereignis war, kann nicht sicher gesagt werden: Die Messreihen sind noch zu kurz. Wäre auch der September sehr warm gewesen, hätte es noch schlechter ausgehen können.

                Das Gletscherjahr 2003 - "nur" ein statistischer Ausreißer?



                Diagramm der jährlichen Massenbilanzschwankungen beim Stubacher Sonnblickkkees; ganz rechts die "Rekordsäule" von 2003.

                Ein Jahr wie das heurige wäre nicht so schlimm, würden die Gletscher nicht schon seit über zwei Jahrzehnten aufgrund der vielen warmen, ja heißen Sommer verstärkt an Masse verlieren. Es ist der Summeneffekt, der sie schwinden lässt. So verlor das Sonnblickkees seit 1982 im Schnitt jedes Jahr eine Million Kubikmeter, das macht insgesamt über 21 Millionen Kubikmeter.

                Heuer kamen rund vier Millionen dazu, das sind "nur" ca. 15 Prozent.

                In der nahen Zukunft würden daher mehrere warme Sommer bei einer weiteren Klimaerwärmung den Gletschern mehr "schaden" als einzelne extreme Jahre. Trotzdem: Von 1964 auf 1965 (vgl. das Diagramm) erfolgte eine plötzliche "Umstellung" auf kühle Sommer. So etwas kann jederzeit wieder geschehen.

                Die Gletscher in der Nacheiszeit

                Das Stubacher Sonnblickkees neuschneebedeckt: Der nächste Gletscherwinter beginnt.


                Vergleicht man den allgemeinen Trend einer ("natürlichen") warmen Klimaphase seit 1850 mit den Schwankungen des Klimas in der Nacheiszeit, so steht für die Gletscherforscher fest: Das hat es in den Alpen seit ca. 12.000 Jahren immer wieder gegeben. Die Gletscher waren mehrmals kleiner als heute, z.B. wuchsen vor 10.200 bis 9.000 Jahren dort, wo heute noch die Pasterzenzunge ist, Zirben.

                Und in der mittelalterlichen, in der römerzeitlichen usw. wärmeren Klimaphase waren sie auch klein. Zwischen den Warmphasen war das Klima immer wieder mehrere Jahrhunderte kühler und die Gletscher stießen vor, immer etwa so weit wie um 1850.

                Fakten und Interpretation



                Der Wissenschaftler versucht, die Fakten wiederzugeben und die Ursachen und Prozessabläufe verständlich zu machen.

                Die Interpretation ist eine andere Sache. Die Fakten können als "Beweis" für die Auswirkungen der Verstärkung des Treibhauseffekt durch den Menschen gesehen werden, aber auch so, dass "das alles schon da war" und "die Gletscher halt verschwinden" - so waren auch einige Kommentare zum Tagebuch.

                (Vorläufiges) Ende des Gletschertagebuchs



                Das Thema ist zu komplex, um in diesem Forum ausdiskutiert zu werden. Es beschäftigt die Menschen aber zu sehr, so dass es als eines der größten Probleme unserer Zeit viele von uns weiter beschäftigen wird - ob als Wissenschaftler oder wir alle als Betroffene.

                Ich habe versucht, im Gletscher-Tagebuch in science.ORF das Schicksal der Gletscher im heurigen Sommer zu verfolgen. Schon im Juni bestand der begründete Verdacht, es könnte ein Rekordjahr werden - es kam tatsächlich so.

                Das Gletschertagebuch wird damit geschlossen! Es war ein spannender Sommer!
                Danke!

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                • #9
                  AW: Gletschertagebuch von Heinz Slupetzky

                  Vollständigkeitshalber soll man vielleicht noch hinzufügen dass es auch sog. ORF Foren gibt. Das Niveau ist "deutlich niedriger als der kleinste Berg der Welt!"
                  Herr Slupetzky hat sich aber mal selber die Mühe gemacht darauf zu antworten...

                  heinzslupetzky | 09.10, 17:17

                  Zu einzelnen Kommentaren meines Gletschertagebuches: Ich habe nicht erwartet, dass es so extreme Ausreisser in den "Meinungen" geben kann. Manche der Interpretationen sind jedoch unsachlich und grenzen schon sehr an Unterstellungen. Ich habe damit einerseits insofern kein Problem, da ich weiß, wie wissenschaftlich seriös gearbeitet werden muss und wurde. Andererseits schon, denn es ist schade, dass extreme Subjektivität eine Diskussion mit manchen ad absurdum führt. Sie helfen aber vielleicht zu einer noch klareren Sicht bei der "Wahrheitsfindung".

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                  • #10
                    Gletschertagebuch von Heinz Slupetzky

                    15.06.2004
                    Gletscher-Tagebuch 2004

                    Im Vorjahr habe ich ein "Gletschertagebuch" geführt und über den Sommer berichtet, wie es den Gletschern ergangen ist. Hauptsächliches "Studienobjekt" war das Stubacher Sonnblickkees (Gemeinde Uttendorf, Hohe Tauern). Schon im Juni 2003 zeichnete sich ab, dass der Sommer Rekordverluste von Eis bringen könnte. Dies stellte sich als richtig heraus. Wie wird es den Alpengletschern heuer ergehen?

                    Der Winter endete nur scheinbar besser



                    Bei einem langjährig bestehenden Messpunkt beim Stubacher Sonnblickkees lagen am 1. April 2004 vier Meter Schnee und am 1. Mai 4,1 Meter, d.h. es gab in diesem Monat keinen Nettoschneezuwachs wie sonst.

                    Auch der heuer vom Wettercharakter gänzlich unterschiedliche Mai mit Schneefällen im Gebirge brachte im Vergleich zum heißen Vorjahresmonat überraschenderweise für die Gletscher keinen Vorteil: Am 1. Juni zu Beginn des meteorologischen Sommers, lagen an der Messstelle 3,2 m Schnee, d.h. nur um 30 Centimeter mehr als letztes Jahr nach dem sehr warmen Mai.

                    Die Wetterlagen im Frühjahr, die häufig feuchtkühle atlantische Luft an die Alpen heranführten, ergaben zumindest in den Zentralalpen keinen entsprechenden Zuwachs für die Schneedecke.

                    Man muss sich vorstellen, dass es in manchen Jahren Anfang Juni 5 bis 6,5 m Gesamtschneehöhe gab! (Wie etwa1965, '67, '75, '78, '79, '80: Alle diese Jahre endeten mit einem positiven Haushaltsjahr, d.h. mit einem Nettomassenzuwachs am Ende des Sommers.)

                    Die Pasterze "schwitzt" als erste



                    Pasterze und Großglockner am 5. Juni 2004

                    Der größte Gletscher Österreichs, die Pasterze in Kärnten im Nationalpark Hohe Tauern, begann wieder früh auszuapern, d.h. an der Gletscherzunge war Anfang Juni an einigen Stellen der Winterschnee schon abgeschmolzen und das blanke Eis kam zum Vorschein.

                    Die erste "richtige", aber kurze Hitzewelle in der 2. Juniwoche beschleunigte die Abschmelzung, erstmals wirkte sich das Azorenhoch stärker aus. Im Gegensatz zum Vorjahr scheint sich - zunächst - nicht ein stabiles Hoch über Mitteleuropa aufzubauen, sondern es erfolgen immer wieder Unterbrechungen durch kältere Luftmassen.

                    Und die bringen Neuschnee auf den Gletschern, der wegen des hohen Rückstrahlungsvermögens die Abschmelzung von Altschnee und Eis der Gletscher nachhaltig unterbricht.

                    Wie kann es weitergehen?


                    Vorsichtige Vermutungen, der Winter 2003/04 und das Frühjahr 2004 könnten feuchter und eher kühl werden, haben sich bewahrheitet. Der Grund könnte der sein, dass sich im Vorjahr der Nord-Atlantik im Sommer nicht erwärmt hat, sondern - im Vergleich zur Periode 1961-90 - bis über einen Grad zu kühl blieb.


                    "Chance" auf milden Sommer



                    Der Winter 2003/04 brachte jahreszeitlich bedingt eine weitere Abkühlung des Meeres. Wenn die "Chance" auf einen wettermäßig unbeständigeren und nicht mehr so heißen Sommer wie in den vergangenen Jahren und besonders im Vorjahr besteht, so könnte dies heuer der Fall sein. Der kühle Atlantik wäre dafür die gegebene Voraussetzung.

                    Eis-Bilanz? Alles ist möglich



                    Das würde den Gletschern "gut tun". Aber die Bilanz wird Ende des Sommers gezogen: Wie viel ist vom Winterschnee in den Nährgebieten zurückgeblieben und wie viel Eis ist im Vergleich dazu abgeschmolzen? Fast jedes Ergebnis ist möglich.

                    Das lässt sich an der Messreihe vom Stubacher Sonnblickkees seit 1959 zeigen. Es gab ein Jahr, da lagen an dem erwähnten Schneemesspegel am 1. Juni auch nur 3, 20 Meter Schnee, und das Gletscherhaushaltsjahr endete mit einem Massenzuwachs, weil der Sommer kühl war.

                    Und es kamen Jahre vor, da war die Gesamtschneehöhe am 1. Juni 4 bis 5 Meter, aber die Bilanzen waren doch negativ; es kann gar nicht soviel Schnee am Ende des Winters auf den Gletschern liegen, dass in einem heißen Sommer nicht alles wieder wegschmilzt.

                    Die nächte Tagebuchseite folgt im August - dann kann man schon besser abschätzen, wie es den Gletschern heuer ergehen wird.

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                    • #11
                      AW: Gletschertagebuch von Heinz Slupetzky

                      11.08.2004
                      Alpengletscher: Heuer kein großer Massenverlust
                      Im Vergleich zum Vorjahr "geht es den Gletscher heuer wesentlich besser". Sofort muss jedoch relativiert werden: Die Zeit der Gletscherschmelze ist noch nicht vorbei, sie kann im ungünstigsten Fall (für die Gletscher) bis in den Oktober hinein dauern.





                      Und subjektiv gesehen: Man ist durch die schönen Sommer der letzten zwei Jahrzehnte und besonders vom Vorjahr verwöhnt worden! Wie schnell sind die wirklich kühlen, verregneten Sommer z. B. 1965 und 1966 und viele mehr in den 1970er Jahren vergessen!

                      Kein außergewöhnlicher Sommer 2004



                      Laut ZAMG in Wien war die Temperatur in den Monate Juni und Juli in Österreich nahe dem langjährigen Mittel und auch die Niederschläge wichen nicht besonders vom Durchschnitt ab.

                      Entscheidend für die Gletscher aber war, dass es im Gegensatz zum Vorjahr im Juni und Juli im Gebirge immer wieder Neuschneefälle bis etwa 2.000 Meter herab (beim Stubacher Sonnblickkees bis unterhalb der Gletscherstirn in 2.500 Meter) gab, die die Abschmelzung unterbrachen, sodass die Altschnee -"Reserven" vom Winter nur langsam abgebaut wurden.

                      Der Neuschnee verzögerte jedesmal die Ausaperung der Eisoberfläche bzw. unterbrach dort, wo die Gletscherzungen schon blank waren (wie bei der Pasterze seit Anfang Juni) die Eisabschmelzung.

                      Die Situation am Stubacher Sonnblickkees Anfang August



                      Bei dem Referenzmesspunkt am Stubacher Sonnblickkees in den Hohen Tauern in 2.520 Meter Seehöhe lagen am 1. August noch 1,6 Meter Altschnee, im Vorjahr war hier längst kein Schnee mehr.

                      Ende Juli/Anfang August 2003 war der Gletscher schon stark ausgeapert (vgl. das Foto von Ende Juli im Gletschertagebuch 2003). Heuer liegt der Großteil des Sonnblickkeeses noch unter der "Winterschneedecke".



                      Weniger Wasser in den Speichern



                      Das Stubacher Sonnblickkees bei der Rudolfshütte am 3. August 2004

                      Das hat auch Folgen für die Wasserwirtschaft: Während aufgrund der starken Schnee- und Gletscherschmelze im Vorjahr der Speicher Weißsee der ÖBB schon am 7. August 2003 voll war, fehlten am 3. August 2004 noch rund zehn Meter!

                      Übrigens: Vom gesamten Zufluss in den Speicher Weißsee im hydrologischen Jahr 2002/03 stammten rund 1/3 (31 Prozent) von den Gletschern ("Gletscherspende"), d.s. immerhin 4,2 Millionen Kubikmeter Wasser (Massenbilanzprojekt im Rahmen des Hydrographischen Dienstes des Landes Salzburg).

                      Während im Vorjahr das Sonnblickkees bis Anfang August schon ca. eine Million Kubikmeter an Masse verloren hatte, steht die momentane Massenbilanz nach der 1. Augustwoche noch bei einem Plus von ca. zwei Millionen Kubikmeter!

                      Wie könnte es weiter gehen?

                      Blick in das Gletscherarchiv



                      Der "endlich" (für die von den Sommern der vergangenen Jahre Verwöhnten) eingetroffene Sommer im August bringt eine starke Abschmelzung der Gletscher mit sich. Blicken wir in das Gletscherarchiv: Wann war am Stubacher Sonnblickkees am 1. August eine Schneehöhe von rund 1,5 Meter und wie endete das Haushaltsjahr?

                      Die Jahres-Massenbilanzen als Ergebnis der Differenz zwischen der Eisabschmelzung und der Rücklage an Altschnee reichten von einer halben Million Kubikmeter Gewinn bis zu einer Million Kubikmeter Verlust! 1995 mit exakt 1,6 Meter Schnee am 1.8. wie heuer brachte einen Massengewinn von nur 0,2 Millionen Kubikmeter.

                      Denkbare Szenarien:



                      - Wenn der August und September (sehr) warm verlaufen und keine Kaltlufteinbrüche kommen, kann das Sonnblickkees noch bis 1,5 Millionen Kubikmeter an Masse verlieren.

                      - Sind die heißen sommerlichen Wetterphasen nur kurz und es gibt eine kühle zweite Augusthälfte sowie vor allem einen kühlen September (mit Schneefällen im Gebirge), könnte das Sonnblickkees bis zu eine Million Kubikmeter an Masse zunehmen.

                      Jetzt schon sicher ist, dass:



                      - es heuer keinen weiteren Rekordverlust der Gletscher geben wird,
                      - kleine, hochgelegene Gletscher an Masse zunehmen werden,
                      - ein heuer eventuell positiver Haushalt je nach Größe des Gletschers erst einen geringen Teil des Jahresverlustes 2003 ausgleichen kann.

                      Keine Trendwende



                      Auch wenn der heurige Verlauf der Witterung gletschergünstiger ist, eine Schwalbe macht noch keinen Sommer. Würde das Sonnblickkees eine Million Kubikmeter an Masse zunehmen, wäre erst 1/25 des Verlustes seit 1982 kompensiert! Es kann daher schon aus diesem Grund von keiner Trendwende gesprochen werden.

                      Erst an die 20 Jahre mit einem jährlich deutlichen Massengewinn würde bei den Gletschern wieder soviel Masse aufbauen, dass die Zungen wieder vorzustoßen beginnen. In den nächsten Jahren kann es aufgrund der "entleerten" Nährgebiete gar nicht zu einem echten Vorstoß der Mehrzahl der Alpengletscher kommen!

                      Auf der nächsten Gletschertagebuch-Seite im September wird zu lesen sein, wie es den Gletschern heuer tatsächlich ergangen ist.

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                      • #12
                        Gletschertagebuch von Heinz Slupetzky

                        15.10.2004

                        Gletscherbilanz heuer deutlich besser
                        Fast jeder Sommer, der dem heißen vom Vorjahr gefolgt wäre, konnte nur günstiger sein, so stark war die Abweichung vom langjährigen Mittel im Sommer 2003. Subjektiv war heuer ein "schlechter" Sommer, objektiv aber (wie die Daten der ZAMG belegen) nur relativ zu den letzen zwei Jahrzehnten, aber nicht in Bezug auf die langen Messreihen.





                        Jedenfalls ist es den Alpengletschern heuer besser ergangen, wenn auch je nach Größe und Höhenlage sowie regionalen Faktoren die Bandbreite der Änderung von Massenverlust zu Massengewinn reicht.

                        Das Beispiel Stubacher Sonnblick Kees



                        Der doch zu warme August hat die "Zwischen"-Massenbilanz zu dieser Zeit von ca. zwei Millionen Kubikmetern stark verringert. Schneefälle im Gebirge ab der vierten Augustwoche und im September stoppten aber dann die Schneeschmelze der Altschneedecke im Nährgebiet und reduzierten die Eisabschmelzung im Zehrgebiet.





                        Das Stubacher Sonnblickkees (mit der Granatspitze) am 10. September 2004.

                        Damit endete das Haushaltsjahr mit einem nur leichten Massenzuwachs von ca. 0,3 +/- 0,2 Millionen Kubikmetern. Damit gab es nach sechs Jahren mit negativen Bilanzen wieder einen leichten Zuwachs beim Sonnblickkees.

                        Insgesamt aber keine Trendwende



                        In den vergangenen 23 Jahren seit 1981 kamen beim Sonnblick Kees alle zwei bis sechs Jahre leicht positive Jahresbilanzen vor, oder anders gesagt, kurze Unterbrechungen der starken Massenverlust-Periode sind nichts Außergewöhnliches.

                        Eine Schwalbe macht noch keinen Sommer - die Nährgebiete der Gletscher sind leer.

                        Kleine Gletscher, die über 2.700 Meter enden, haben an Masse zugenommen, mittelgroße sind mehr oder weniger gleich geblieben und größere Talgletscher mit tiefer herabreichenden Gletscherzungen haben an Masse verloren, wenn auch deutlich weniger als im Vorjahr.

                        Echter Massenzuwachs braucht Jahrzehnte



                        Ein Massenzuwachs in den Nährgebieten der Gletscher muss über viele Jahre vor sich gehen, bis er sich an der Gletscherstirn bemerkbar macht; dies geschieht mit jahre- bis jahrzehntelanger Verzögerung.

                        Ein einzelnes günstiges Jahr wirkt sich nur so aus, dass ein spätes Abschmelzen der Winterschneedecke an den Gletscherstirn das Schmelzen des Eises verringert. Bleibt das Blankeis an der Gletscherstirn den ganzen Sommer über schneebedeckt, so ist der Betrag des talwärts Fließens gleich der "Verlängerung" des Gletschers.

                        Das ist derzeit aber nur ein geringer Betrag, Dezimeter oder wenige Meter, da die Gletscher zu inaktiv geworden sind.

                        Talgletscher büßen weiter an Länge ein



                        Große, tiefer herabreichende Talgletscher, wie die Pasterze, das Obersulzbachkees oder der Gepatschferner, schmelzen weiterhin beträchtlich ab und brechen überdies zusammen. Sie werden auch heuer mehr oder weniger stark an Länge eingebüßt haben.

                        In einigen Wochen werden die Ergebnisse der Längenmessungen des Österreichischen Alpenvereins (ÖAV) von über 100 Gletschern vorliegen. Dann ist ein genauer Überblick über das Gletscherverhalten im Sommer 2004 möglich.

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                        • #13
                          AW: Gletschertagebuch von Heinz Slupetzky

                          Grüß Dich,

                          es ist unglaublich, welche Mühe du dir gemacht hast. Deine Schilderung und Berichte sind faszinierend und sehr aufschlußreich.
                          Ein sehr großes Kompliment...und Danke!
                          Gruß
                          Wolfi
                          Liebe Grüße
                          Wolfi

                          Es gibt nichts schöneres als alleine zu klettern -
                          und nichts schlimmeres, als alleine klettern zu müssen !

                          http://www.w-hillmer.de

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                          • #14
                            AW: Gletschertagebuch von Heinz Slupetzky

                            Durch diese Berichte bin ich eigentlich erst zu einem richtigem Gletscherfreund geworden!

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                            • #15
                              AW: Gletschertagebuch von Heinz Slupetzky

                              Servus Mannerl,
                              danke auch für Deine Mühe. Dieses Gletschertagebuch ist wirklich interessant und räumt mit vielen "Gletscherfantasien" auf. Es ist die geschilderte Realität eines Wissenschafts-Praktikers. Jeder Gletscherfreund sollte dieses Tagebuch aufmerksam lesen.

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