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Regelwerk für die Benutzung des Forums Gipfeltreffen

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Presanella Nordwand - 27.-31.Oktober 2017

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  • Presanella Nordwand - 27.-31.Oktober 2017


    Sobald man sich wieder in Bewegung setzt, kehrt mit jedem Meter das Leben zurück in die unterkühlten Zehen und Finger. Um den Körper nach der Warterei wieder auf Betriebstemperatur zu bringen, drück ich ein wenig aufs Tempo. Bisher geht es gut voran. Im griffigen Styroporschnee finden die Eisgeräte und Steigeisen soliden Halt, sodass ich bald wieder neben Richard am Stand stehe. Viele Schrauben hat er nicht gesetzt – bei den bisher guten Bedingungen hätte man das Seil vermutlich noch im Rucksack lassen können. Doch die mentale Stütze tut gut. Während man höher und höher steigt, verirren sich die Blicke immer wieder zwischen den Beinen hindurch auf den weit unter uns gelegenen Gletscher. Wir sind mittlerweile gut 250m über dem Einstieg. Da beruhigt es ungemein, mit einem Seil verbunden zu sein, das einem beim möglichen Fehltritt vor dem Sturz ins Leere bewahrt. Die ersten 150m ließen sich im angenehmen Trittschnee und bei etwa 45° ja noch entspannt frei gehen, doch mit kontinuierlicher Aufsteilung der Wand macht sich langsam die Psyche bemerkbar.



    Aber woher soll die Selbstsicherheit auch kommen, wenn die Routine fehlt? In solchen Momenten kann das Seil dem angespannten Geist das Vertrauen in den eigenen Körper und Fähigkeiten zurückgeben. Natürlich verlieren wir so etwas Zeit, doch indem wir um 4Uhr in der Früh gestartet sind, haben wir genügend Puffer eingebaut. „Sieht gar nicht mal so einfach aus“ bemerkt Richard und deutet mit einem Kopfnicken nach oben, während ich am Standplatz gerade meine Selbstsicherung einhänge. Meine Blicke wandern zur Schlüsselstelle der Tour. Aus dem anfänglich noch recht breiten Einstiegsbereich ist mittlerweile eine schmale Rinne geworden und etwa zehn Meter über uns verstellt ein breiter Felsriegel den Weiterweg. Sechs bis sieben Meter ragt dieser steil – beinah senkrecht – empor. Zudem ist er mit einer wenige Zentimeter dicken Eisschicht überzogen, die nicht nur das Klettern erschwert, sondern vor allem das Anbringen von Zwischensicherungen unmöglich macht. Puh, das wird spannend werden. Doch noch finde ich Gefallen an dieser Herausforderung und freue mich beinah, dass ich nun wieder an der Reihe bin. Nach ein paar Metern kann ich sogar nochmal eine Schraube setzen. Sie geht zwar nicht gänzlich rein und stößt auf Fels, doch besser als nichts. Dann stehe ich auch schon direkt unter dem Felsriegel. So richtig einladend wirkt die Sache nicht. Als Richard mein kurzes Zögern bemerkt, zeigt er rechts auf ein kleines Schneefeld: „Vielleicht geht’s da ja besser.“ Ja, nen Versuch ist es wert. Um dorthin zu gelangen, muss ich über Felsen rechts aus der Rinne steigen, aber die Eisgeräte beißen sich im windgepressten Schnee gut fest. „Geht super“ rufe ich hinunter, steige weiter aufwärts und frohlocke innerlich bereits. Nur wenig später muss ich allerdings erkennen, dass der Schnee hier drüben zunehmend schlechter wird und immer weniger Halt bietet. Im Eifer gehe ich noch ein Stück weiter, schließlich bin ich doch schon auf Höhe des oberen Endes vom Felsriegel. Links wartet der Weiterweg in der Rinne, keine zehn Meter von mir. Aber ich komme nicht hinüber. Auch weiter hinauf geht es nicht. Die Pickel greifen ins Leere. Wohin ich mich auch bewege, überall loser Pulverschnee. Ich wühle einiges davon weg, aber ein Meter darunter lauert steiler, abwärts geschichteter Fels. Die Steigeisen rutschen daran ab und je mehr ich mich in alle Richtungen bewege, desto instabiler wird mein Stand. Also halte ich inne, suche stattdessen mit den Augen umher und hoffe auf eine glückliche Fügung. Natürlich registriert auch Richard, dass es nicht weiter geht. „Wie siehts denn da oben aus?“ ruft er empor. „Scheiße!“ – mehr fällt mir auf Anhieb nicht ein. Wir sind zwar noch in Sichtkontakt, von seiner Mimik kann ich aber nichts mehr erkennen. „Kannst du wieder zurückkommen?“ Ich überlege nur kurz. „Sieht schlecht aus. Unter mir gibt der ganze Schnee nach. Ich muss jetzt irgendwie hier durch!“ Richard schweigt einen Moment, dann höre ich wieder seine Stimme: „Ok, aber pass auf. Also fallen sollteste jetzt nicht. Der Stand wird das womöglich aushalten, doch ohne Heli kommen wir dann hier vermutlich nicht mehr raus.“ Tja, das wollte ich doch hören. Ich schaue mich um, blicke die Wand hinunter, wobei die Aussicht nicht nur bis zum Gletscher sondern sogar bis ins Tal reicht. Ich atme tief durch.

    __________________________________________________ ________________________________________

    Vor zwei Tagen hatten wir noch dort unten gestanden. Der erste Blick auf die Wand war besonders eindrücklich gewesen – kein Vergleich zu der klassischen Frühjahrsansicht, wie sie in den zahlreichen Führern oder im Internet abgebildet war. Von der breiten Firnwand war nicht mehr viel geblieben. Es lag so wenig Schnee, dass überall die Felsen herausschauten.


    Schnell hatten sich erste Zweifel bei uns beiden breit gemacht. Vor allem stand die Frage im Raum, ob eine Begehung bei diesen Verhältnissen für uns überhaupt machbar wäre. Doch noch verschoben wir solche Überlegungen. Schließlich sollten wir im Winterraum der Rifugio Stella Denza noch viel Zeit zum Nachdenken haben. Für den kommenden Tag war alpenweit Sturm angekündigt, von Böen mit bis zu 100Km/h war die Rede. Im kalten Hüttchen ohne Ofen ließen wir einen kompletten Tag und zwei Nächte verstreichen, während von draußen der Wind gegen die Fenster peitschte. Wir hatten uns für diese ereignisarme Zeit vorsorglich allerlei Ablenkungen mit hinauf gebracht: Würstchen, Suppen, reichlich Schokolade und Kaffee, aber auch zwei Flaschen Wein und ein Kniffel-Spiel. Dennoch trieb uns das eklige Wetter immer wieder aufs Neue ans Fenster oder vor die Hütte, um in die steile Wand zu schauen. Geht es oder geht es nicht?


    Immer wieder wechselten wir unsere Meinung. Zwei Tage zuvor war die Westwand der Presanella über den Eiswulst begangen worden. Die schönere Linie ging zwar definitiv über den schmalen Firnstreifen durch die klassische Nordwand, aber wäre jene vielleicht die bessere Alternative? Oder gar doch nur der Normalweg? Unsere Pläne schwankten nun immer wieder hin und her – beinahe wie draußen der Wind.
    Zu unserer großen Überraschung hatten wir bereits am Morgen zwei Punkte am Einstieg der klassischen Nordwand erspäht. Im gleichmäßigen Tempo waren sie weiter nach oben gestiegen, bis eine dichte Wolkenwand sie verschluckte und wir sie aus den Augen verloren. Ging es also doch? Während wir noch überlegten, erschien obendrein eine dreiköpfige Gruppe aus dem Tal bei uns an der Hütte. Es waren ein Mann um die 40 mit seiner Frau und seinem Vater. Der jüngere Mann erklärte, dass sie jedes Jahr am gleichen Tag diesen Ort aufsuchten, da sein Jungendfreund vor über einem Jahrzehnt hier bei einer Bergtour ums Leben gekommen war. Als sie von unserem Vorhaben hörten, schüttelte vor allem der ältere Mann bedächtig seinen Kopf. „Das wird nichts. Viel zu wenig Schnee. Wie gesagt: Wir sind jedes Jahr Ende Oktober hier. Aber so arg hat die Wand noch nie ausgesehen.“ Als wir ihm erklärten, dass wir erst am Morgen zwei Personen in der Rinne gesehen hatten – noch dazu bei dem Sturm – wollte er es kaum glauben. Gemeinsam starrten wir alle gebannt die mittlerweile wieder wolkenfreie Nordwand hinauf. Dann gab der Jüngere uns sein Fernglas: „Na vielleicht hilft euch das weiter.“ Unter der Vergrößerung folgten wir der Rinne Stück für Stück nach oben. Mehrere Felspassagen schauten heraus, welche aber vermutlich alle umgangen werden konnten. Nur etwas oberhalb der Wandhälfte stellte sich ein Felsriegel in den Weg, der wohl überklettert werden musste. Ja, das würde der Knackpunkt der Tour sein – Richard und ich waren uns beide einig. Aber ob machbar oder nicht, das stand weiterhin in den Sternen.




    Auf jeden Fall wollten wir die beiden Bergsteiger auf ihrem Rückweg abpassen, die wir zuvor in der Route gesehen hatten.
    Am frühen Nachmittag war es dann soweit. Wir saßen gerade beim wärmen Kaffee zusammen und Richard wehrte sich beim Kniffelspiel tapfer gegen die „Schande der Presanella“, als zwei kräftige Südtiroler den Winterraum betraten.

    Zuletzt geändert von Wette; vor 4 Tagen.
    "Meine Spur ziehe ich am liebsten, wohin keine andere führt. Ich kann zurückblicken und sie beurteilen, was ich sonst nicht könnte, weil sie sich durch die vielen anderen verlieren würde.
    Auch mein Leben will ich unter Kontrolle haben. Darum gehe ich einen eigenen Weg, dem nicht jeder folgt." (Heini Holzer)

  • #2
    Natürlich löcherten wir sie sofort mit unseren Fragen. Gut seien die Verhältnisse, meinten sie. Selbst der obere Felsriegel sei trotz Eisglasur nicht schwer zu überklettern. Sie waren die komplette Wand frei gegangen. „Eis zum Sichern gibt’s aber genug.“ Na das klang doch gar nicht mal so schlecht. Nur das Wetter hatte ihnen zu schaffen gemacht. „Wir müssen ja morgen wieder arbeiten. Also wollten wir es wenigstens versuchen und uns den Einstieg einmal anschauen. Der Wind war natürlich schrecklich. Die Kälte ging noch, wenn man sich bewegt, aber an uns kamen golfballgroße Steine vorbei geflogen. Nicht runter, sondern bergauf. Sowas haben wir noch nie gesehen!“ Aus den beiden Nordwandgesichtern trat ein kleines Grinsen hervor – zugleich schüttelten sie ungläubig mit den Köpfen.

    Wir waren mehr als zufrieden mit ihren Auskünften. Der Wind sollte morgen kein Problem mehr darstellen, der Rest ging scheinbar auch. Wir wussten natürlich ihre Schilderungen einzuordnen. Die beiden hatten binnen 6h bei widrigsten Wetterbedingungen 2200Hm zurückgelegt und dabei u.a. ungesichert die ca. 450m und bis zu 60° steile Nordwand der Presanella begangen. Da würden wir nicht mithalten können. Aber die technischen Schwierigkeiten schienen machbar, war ja schließlich auch nicht unsere erste Nordwand. Also dann: Pack mas!

    __________________________________________________ _______________________________________


    Ja, wären wir mal direkt über den Felsriegel gegangen. Ich reiße mich aus meinen Gedanken und schaue wieder nach oben. Direkt in die Rinne queren geht schonmal nicht. Vier bis fünf Meter über mir schauen stattdessen Felsen aus dem Schnee heraus. Vielleicht sind sie trocken und griffig – zumindest will ich erst einmal aus dem unsicheren Gewühle hier rauskommen. Die Eisgeräte gehen durch den Pulverschnee wie Butter, sinnlos. Also versuche ich mir notdürftig ein paar Trittstufen in den Hang zu bauen. Ob das hält? Ich muss es versuchen und darüber hinaus die Gedanken verdrängen, dass die letzte Sicherung 15, vielleicht sogar 20 Meter unter mir liegt. Ich nehm mir viel Zeit und komme nur äußerst langsam voran, aber nur so kann ich das Risiko minimieren, wegzurutschen und den Halt zu verlieren. Dann erreiche ich endlich die Felsen. In einem kleinen Spalt kann ich ein Eisgerät verklemmen. Und siehe da, ein kleiner Felszacken steht ab – vielleicht nicht stabil genug für einen schweren Sturz, aber als Zwischensicherung besser als nichts. Die Bandschlingen liegen dummerweise fast alle im Rucksack; es hieß ja, dass sich beim Felsriegel eh nichts absichern ließe und für den Rest die Eisschrauben ausreichten. Na toll. Zum Glück fällt mir aber die kleine 30cm Bandschlinge an meinem Gurt ein. Seit ich mir diese gekauft hatte, sprach Richard immer wieder davon, dass sie ein Fehlkauf wäre, weil ich sie eh nie brauchen würde, da diese viel zu kurz sei. Vor dem Hüttenzustieg hatte ich am Parkplatz dann genug von dieser Leier und band sie demonstrativ an den Gurt. „Irgendwann werde ich sie mal brauchen. Du wirst schon sehen! Bis dahin bleibt sie hier dran.“ Jetzt war dieser Moment gekommen. Mit der mentalen Beruhigung einer kleinen Sicherung quere ich nun endlich in die Rinne. Mit jedem Schritt wird der Schnee wieder besser. In der Rinne wechseln sich fester windgepresster Schnee und wieder loser Pulverschnee ab. Ich schaue nach oben und sehe 15m über mir bläulich-graues Eis schimmern. Mittlerweile machen sich die Waden bemerkbar, aber da muss ich jetzt hin. Wieder bleibt mir nichts zum Sichern übrig und so ganz vertraue ich der gelegten Bandschlinge noch nicht. Also weiterhin volle Konzentration. Zügig und fokussiert steige ich vorwärts. Auch wenn die Eisgeräte noch immer nicht voll beißen, fühlt es sich deutlich besser an. Während der letzten Meter pushe ich mich nochmal, indem ich mir selbst wirre Motivationsfloskeln zurufe. Aber egal, hier oben hört mich eh keiner. Dann bin ich auch schon am Eis und mache Stand. Von den verfügbaren 70m Seil ist nicht mehr viel Spielraum übrig. Aber hat ja gepasst. Puh!
    Nach kurzer Verschnaufpause hole ich Richard nach.




    Auch im Nachstieg tut er sich nicht leicht mit der unangenehmen Passage. Über eine Stunde hat sie uns gekostet. Also er neben mir ankommt, lächelt er. „Hätten wir mal lieber den direkten Weg genommen.“
    Und dann geht’s auch schon wieder weiter. Die vergangene Seillänge ist abgehakt, die nächste wartet bereits. Es bleibt keine Zeit für lange Analysen. Das ist was für die Hütte oder die Heimfahrt. Ich übergebe Richard mein Material und im Nu steigt er los.



    Die weiteren Seillängen werden nochmal steiler und die Blankeisstellen häufen sich. Der versprochene Trittschnee ist weg. Es hat ihn bei dem Sturm vermutlich aus der Wand geweht. Wir sind aber nicht böse drum. Immerhin können wir bei diesen Verhältnissen gut sichern, wenn gleich für das Setzen einer Schraube jedes Mal gut 10cm morsches Eis weggeschlagen werden müssen. Das raubt Kraft. Zermürbend sind auch die wiederkehrenden Geräusche der Spannungsrisse, wenn die Pickel und Schrauben ins Eis eindringen. Immer wieder aufs Neue zuckt man kurz zusammen und hofft, dass nicht doch der unwahrscheinliche Fall eintritt und man mit einer abplatzenden Eisscholle in die Tiefe rauscht.



    Wir brauchen insgesamt 7 Seillängen, bis Richard endlich das vereinbarte Handzeichen gibt. Daumen hoch – er kann also das Gipfelkreuz sehen. Ein paar Minuten später steigt er über einen kleinen Buckel und erstrahlt im goldenen Sonnenlicht. Ich mobilisiere nochmal alle Kräfte und steige hinterher. Und dann treffen auch mich die ersten Sonnenstrahlen dieses traumhaften Herbsttages – und das um 14.15Uhr, über 10h nach unserem Aufbruch an der Hütte. Langsam werden die kalten Glieder wieder warm, Freude huscht uns übers ganze Gesicht. „Das war schon recht zünftig!“ Ja, geschenkt gabs die Wand nicht.



    Weitere 4h später erreichen wir ein Stunde nach Sonnenuntergang die Hütte. „Besser kann man einen Tag doch nicht ausnutzen“, meint Richard während er sich im schwachen Licht der Stirnlampe aufs Bett fallen lässt. Recht hat er. Und kaum zu glauben, wie lecker ein heißer Tee und eine Nudelsuppe schmecken können, wenn man einen ganzen Tag lang gegen eine kalte Nordwand angekämpft hat. Da kann auch ein kalter Winterraum die Stimmung nicht trüben.
    "Meine Spur ziehe ich am liebsten, wohin keine andere führt. Ich kann zurückblicken und sie beurteilen, was ich sonst nicht könnte, weil sie sich durch die vielen anderen verlieren würde.
    Auch mein Leben will ich unter Kontrolle haben. Darum gehe ich einen eigenen Weg, dem nicht jeder folgt." (Heini Holzer)

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    • #3
      Toller Bericht, Klasse Tour, und wie immer spannend geschrieben.
      Ich war schon lange nicht mehr in dieser Gegend und bin bei Deinen Bildern ziemlich erschrocken, wie die Eiswand in den letzten Jahren verschwunden ist. Ich habe die Tour 1982 gemacht. Da war die Presanella Nord noch eine geschlossene Eiswand ohne Felsen, nur so zum Hochlaufen....
      Gruss Thomas
      Gruss Thomas
      www.segeln-und-klettern.de

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      • #4
        Wahnsinns Bilder und Tour und Bericht - Meine Hochachtung!
        LGr. Pablito

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        • #5

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          • #6
            Sehr feiner Bericht, der sich mindestens so spannend liest wie die Beschreibungen der Alpinhelden aus Zeiten der Erstbegehungen. Zum Glück (und mit Können) ist alles gut ausgegangen, die Passage mit dem Felsriegel klingt nicht sonderlich einladend. Danke fürs Mitnehmen und LG Andi
            PS. Warum gibt's keine Fotos aus der Schlüsselpassage?
            Zuletzt geändert von andibaum; vor 3 Tagen.
            ... ab 45 Grad Neigung wird's interessant ...

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            • #7
              Herzliche Gratulation zur Tour und danke für den spannenden Bericht - ihr entwickelt euch ja zu richtigen Nordwandgesichtern.

              Wie schwierig ist eigentlich die Westwand? Hast du da Infos darüber?
              It's hard to fly like an eagle when you work with turkeys.

              Norbert

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              • #8
                Also mich hätte allein der Gletscher schon beunruhigt, die Brücken tragen doch kaum, geschweige denn die Wand selbst. So Wände, wenn auch nicht ganz so schwer, habe ich bisher immer nur im Frühsommer gemacht.

                Auf alle Fälle Gratulation zu der gelungenen Tour.

                Viele Liebe Grüße von climby
                Meine Nachbarn hören Metal, ob sie wollen oder nicht

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                • #9
                  Starke Tour!
                  Riesen Kompliment und Danke für den Bericht.

                  daumen hoch.jpg


                  L.G. Manfred

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                  • #10
                    Hut ab und Gratulation zur Tour!
                    Wie immer ein super fesselnder Bericht von dir. Ich hoffe, man liest künftig noch mehr davon :-)

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                    • #11
                      Vielen Dank für alle bisherigen Rückmeldungen. Wie immer freue ich mich über jede einzelne

                      Zitat von andibaum Beitrag anzeigen
                      PS. Warum gibt's keine Fotos aus der Schlüsselpassage?
                      Ja Andi, berechtigte Frage Ich wollte tatsächlich ein paar Bilder machen, aber dafür hätte ich den Rucksack abnehmen müssen. Das war dann doch etwas heikel. Um ehrlich zu sein, war ich schon kurz davor. Aber zum Glück hat mein geschätzter Seilpartner mich überzeugen können, dass es das Risiko nicht wert sei. Und auch rückblickend bin ich froh, es gelassen zu haben. Die Erinnerungen sind besser als jedes Foto und ihr könnt auf diese Art besser eure Fantasie spielen lassen

                      Zitat von feiN Beitrag anzeigen
                      Herzliche Gratulation zur Tour und danke für den spannenden Bericht - ihr entwickelt euch ja zu richtigen Nordwandgesichtern.

                      Wie schwierig ist eigentlich die Westwand? Hast du da Infos darüber?
                      Schön wärs Ich hoffe, dass ich diesen Winter noch ein wenig mehr Eiskletter-Praxis sammeln kann. Dann machen die Nordwände gleich doppelt so viel Spaß

                      Zur Westwand mit ihren nominellen Schwierigkeiten habe ich nur Infos, die schon ein paar Jahre alt sind. Wir haben bei google z.B. Folgendes gefunden:



                      Unsere Route wird entsprechend mit AD+ eingestuft, die direkte Eiswulst-Linie mit TD+ und die rechte Linie vom Eiswulst mit D. Wenn man aber unsere Bilder mit dem gegoogelten Bild vergleicht, fällt schnell auf, dass der Eiswulst in der jüngsten Vergangenheit ganz schön abgebaut hat. Während die klassische Nordwand tendenziell eher schwieriger geworden ist, wird die Westwand eher leichter. Am Tag als wir die klassische Nordwand gemacht haben, haben zwei Bayern den Eiswulst überklettert. Sie hatte zwar die Bewertung TD+ abgeschreckt, da diese weit außerhalb ihrer Fähigkeiten lag, aber die reale Wand sah dann deutlich leichter aus. Anspruchsvoll wars letztendlich trotzdem, da das Eis knüppelhart war und die Steigeisen keinen Zentimeter hineingingen, aber dennoch kamen sie am Ende ohne größere Probleme rüber. Und dann legt sich die Wand auch wieder schnell zurück.
                      Die Routen an der Vermiglio sahen übrigens alle ganz schön übel aus. Die Steinkötter wäre wegen Schneemangel gar nicht gegangen, aber selbst die klassische Linie machte keinen besonders einladenden Eindruck. In jedem Fall seh ich für die klassische Presanella-Nordwand keine große Zukunft mehr voraus - gerade was den Herbst betrifft. Da wirds früher oder später wohl genauso drinne rumpeln, wie in der Pallavincini am Glockner


                      Zitat von climby Beitrag anzeigen
                      Also mich hätte allein der Gletscher schon beunruhigt, die Brücken tragen doch kaum, geschweige denn die Wand selbst. So Wände, wenn auch nicht ganz so schwer, habe ich bisher immer nur im Frühsommer gemacht.
                      Der Gletscher war nicht wirklich ein Problem. Die großen Spalten waren sichtbar, die kleinen bereits gut eingeschneit. Haben uns aber spontan mit unseren bayrischen Kollegen, welche die Westwand angegangen sind, zusammengeschlossen und den Gletscher am gemeinsamen Seil begangen.
                      Vermutlich ist die Wand in der Tat eher was für das Frühjahr, aber da muss man ja aufpassen, dass man von den Steilwandfahrern nicht umgefahren wird Nee im Ernst: Der Spätherbst/Frühwinter gehört zu meiner Lieblingsjahreszeit was die Berge betrifft. Selten trifft man so wenige Leute. Die Routen sind zwar etwas ruppiger als im Frühjahr, aber manchmal passen die Verhältnisse überraschend gut. Wir hatten ein wenig Pech, zwei Wochen früher soll die Wand zu 80% noch gutmütigen Trittschnee gehabt haben. Hat der Sturm wohl rausgeblasen.

                      Zitat von Christi4n Beitrag anzeigen
                      Hut ab und Gratulation zur Tour! Wie immer ein super fesselnder Bericht von dir. Ich hoffe, man liest künftig noch mehr davon :-)
                      Die Chancen stehen gut. Es steht noch unsere zweiwöchige Westalpen-Tour aus
                      Zuletzt geändert von Wette; vor 3 Tagen.
                      "Meine Spur ziehe ich am liebsten, wohin keine andere führt. Ich kann zurückblicken und sie beurteilen, was ich sonst nicht könnte, weil sie sich durch die vielen anderen verlieren würde.
                      Auch mein Leben will ich unter Kontrolle haben. Darum gehe ich einen eigenen Weg, dem nicht jeder folgt." (Heini Holzer)

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                      • #12
                        Lässige G'schicht!
                        http://brothersberge.blogspot.co.at

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                        • #13
                          Bravo!!!
                          Super Tour und sehr eindrucksvoll geschildert. Da brauch ich keinen Krimi mehr zu lesen, so spannend war das.
                          lg, Manfred

                          Kommentar


                          • #14
                            Gratuliere euch zu dieser Unternehmung, ist schon sehr beeindruckend.
                            Lg. helmut55

                            Kommentar


                            • #15
                              Warum müsst du und tauernfuchs eigentlich immer im selben Monat eure großartigen Berichte schreiben? Da fällt die Wahl bei der Abstimmung dann immer so schwer...

                              Genial geschrieben, sehr kurzweilig zu lesen, und natürlich eindrucksvolle Tour! Vielen Dank fürs Teilen!

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