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Regelwerk für die Benutzung des Forums Gipfeltreffen

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Die Forenbetreiber erwarten von allen Usern/-innen, sich an die Netiquette zu halten. Auf einen wertschätzenden, höflichen Umgangston wird Wert gelegt.

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12) Information

Die Forumsbetreiber behalten sich das Recht vor,
- alle registrierten User/-innen in unregelmäßigen Abständen über Themen rund um das Bergsteigen, alpiner Sicherheit, Risikomanagement und Weiterbildung per Mail zu informieren und
- dieses Regelwerk jederzeit abzuändern.

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Die User/-innen stellen den Forenbetreibern die eingestellten Bilder sowie sonstige Anhänge zur Nutzung im Forum zur Verfügung. Eine darüber hinaus gehende Nutzung der eingestellten Bilder und sonstigen Anhänge durch die Forenbetreiber erfolgt nicht.
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…l’alpinisme et vélo dans les hautes montagnes - Sommer 2017

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  • …l’alpinisme et vélo dans les hautes montagnes - Sommer 2017

    8 Wochen lang war ich Gefangener meiner Examensarbeit, 4 Wochen davon besonders intensiv. Daheim im Thüringer Eichsfeld arbeitete ich fast 30 Tage nonstop – Wochenende Fehlanzeige. Es waren die letzten Züge meiner 15 Semester andauernden Studienzeit, doch das Finale gestaltete sich nochmal besonders zäh. Neben ein paar sportlichen Aktivitäten am Abend als Ausgleich zur geistigen Tätigkeit blieben mir derweil nur zwei Fixpunkte, die mir Abwechslung und Motivation zugleich waren: Die Vorfreude auf den zweiwöchigen Bergurlaub mit Richard, der unmittelbar nach Abgabe der Arbeit beginnen würde und das tägliche Schauen der Tour de France. Vor fast zehn Jahren hatte ich das Interesse für den professionellen Radsport verloren – der Dopingsumpf hatte mir das Ganze madig gemacht. Seit ein paar Monaten war ich aber selbst wieder mehr mit dem Rad unterwegs und schlagartig war auch die Lust am Zuschauen zurück. Die dreiwöchige Frankreichrundfahrt wurde so zu meinem täglichen Begleiter.

    Zu den besonderen Highlights zählten natürlich die großen Bergetappen in den französischen Alpen. Während ich diese gebannt am Fernseher verfolgte, machte sich im Hinterkopf immer mehr der Wunsch breit, so einen großen Bergpass doch selbst einmal zu befahren. Mehr im Spaß als im Ernst machte ich Richard bald den Vorschlag, für die Fahrt in die Westalpen als Abwechslungsprogramm zum Bergkraxeln doch unsere Räder mitzunehmen. Zu meiner Überraschung stieß ich bei ihm sofort auf offene Ohren und es dauerte gerade mal ein paar Stunden, bis wir beide von der Idee vollends infiziert waren. Dass ich an diesem Tag für meine Examensarbeit kaum etwas geschafft habe, brauch ich wohl nicht weiter erklären. Anstatt konzentriert am Schreibtisch zu sitzen, flatterten mir die Namen bedeutender Anstiege wie Col du Galibier oder Alp d’Huez durch den Kopf. Um ein Haar hätte ich im Eifer unsere bergsteigerischen Ambitionen ganz vergessen…

    Ein paar Tage später war der Plan ausgetüftelt. Die Reise würde uns in den südwestlichsten Zipfel der Alpen führen – in die Cottischen Alpen und vor allem in die Dauphine. Hier würden wir nicht nur ein Kontrastprogramm zu den uns wohlbekannten Tälern und Gipfeln Österreichs sowie der Schweiz vorfinden, sondern auch abwechslungsreiche Rad- und Gipfeltouren bestreiten können. Wir waren noch nicht einmal aufgebrochen, doch ein Blick in die Karten genügte, um festzustellen, dass zwei Wochen eigentlich viel zu wenig waren.

    Entsprechend groß war die Freude, als es unmittelbar nach Abgabe der Examensarbeit am Morgen des 29.07. endlich los ging, auch wenn der erste Tag nur aus Fahrerei bestand. Nach der beinahe schon traditionellen ersten Nacht auf dem Großen Bernhard-Pass gings gleich in der Früh über Chamonix weiter Richtung Dauphine. Als wir dann gegen Mittag das französische Städtchen St. Michel-de-Maurienne erreichten, lag bereits Radsport-Atmosphäre in der Luft. Überall waren Menschen auf zwei Rädern unterwegs. Als wir rechts abbogen und mit dem Auto zum Col du Telegraphe (1566m) hinauf fuhren, wurden sie immer mehr. In der Mittagshitze quälten sie sich den 850hm Pass zum Fuße des Col du Galibier (2645m) hinauf, wo für die meisten der eigentliche Anstieg erst beginnen sollte. Richard und ich hatten nach langem Überlegen entschieden, unsere Räder erst hinter dem Telegraphen, im Örtchen Valloire (1400m) vom Dach zu nehmen – für unsere erste Passbefahrung waren 1250hm vorerst genug.

    Nervös waren wir trotzdem. Keiner von uns beiden wusste, wie sich 1250hm und eine durchschnittliche Steigung von 7,7% anfühlen würden. An diesem Berg war mehrfach Radsportgeschichte geschrieben worden, hinter der Bewertung des Anstiegs als „Hors Catégorie“ verbarg sich nichts weniger als einer der schwersten Radanstiege Frankreichs und nun standen wir Anfänger hier. Abgesehen von der Erfahrung mangelte es allein an der gewöhnlichen Ausstattung. Während mein Cyclocross-Rad den Rennrädern der anderen Fahrer noch am nächsten kam, stand Richard mit seinem deutlich schwereren Crossbike allein auf weiter Flur. Ich für meinen Teil hatte zudem keine Klickpedalschuhe. Doch sei es drum: nun musste es auch so gehen.

    Langsam rollten wir los. Die ersten Kilometer ließen wir es etwas ruhiger angehen, um ein Gefühl für die Steigung zu bekommen und das Pulver nicht zu früh zu verschießen. Auf der Suche nach dem eigenen Tempo wurden wir im noch flacheren Gelände im Nu von drei anderen Fahrern überholt. Das konnte ja was werden. Je steiler es dann aber wurde, umso besser fanden Richard und ich unseren Rhythmus. Ich fuhr ein wenig voraus und biss mich hinter einem rötlich gekleideten Franzosen mittleren Alters fest, der uns erst jüngst überholt hatte. Je mehr ich erkannte, dass die Beine gut drauf waren, umso größer wurde auch der Genuss. Etwa nach der Hälfte der Strecke gab es eine starke Rechtskurve und mit einem Mal wurde es arg steil – nun kontinuierlich 8-10% auf mehrere Kilometer. Zum ersten Mal ging ich aus dem Sattel, konnte mein Tempo aber halten und zog am Franzosen vorbei. Nun ging es in ruppigen Serpentinen weiter, bis ich auf dem großen Plateau ankam, von wo sich erstmals der Blick zum Col de Galibier auftat. Langsam machten sich die Beine bemerkbar und der Drang nach einer Pause stieg. Hin und wieder schaute ich nach hinten und bemerkte, dass mir mein Hintermann in gleichbleibenden Abstand folgte. Also weiter fahren! Nun war mein Kampfgeist geweckt. Auf dem dunklen Asphalt waren in allen erdenklichen Sprachen Anfeuerungssprüche geschrieben, die noch von der diesjährigen Tour de France stammten. Es fühlte sich umwerfend an, nun hier selbst unterwegs zu sein. Von der Landschaft bekam ich leider nicht viel mit, zu sehr fokussierte ich das nur langsam näher kommende Ziel. Der letzte Kilometer vor dem Ziel wurde dann nochmal richtig knackig. Der Autor eines Tourenguides hatte diesen mit den eindrücklichen Worten beschrieben: „Kurz bevor man sich bereits auf dem Pass wähnt, nimmt die Steigung in mehreren Kehren nochmal brutal zu. Spätestens hier können Sie sich von Ihrem Sattel endgültig verabschieden.“ Er sollte Recht behalten. Auf den letzten Metern gab ich nochmal alles – dann war es geschafft. Als der Franzose auf dem kleinen Parkplatz neben mir vom Rad stieg, nickten wir uns beide freundlich zu. Ein paar Minuten später stand dann auch Richard neben mir. Er war so ziemlich der einzige ohne Rennrad hier oben, hatte sich dafür aber mehr als tapfer geschlagen. „Das hat Laune gemacht!“ Definitiv, wir waren glücklich und alle Zweifel vom Anfang verflogen.


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    Anschließend folgte das eigentliche – wenn auch viel zu kurze – Highlight: die Abfahrt. Mit bis zu 70Km/h gings bergab und wir konnten dabei sogar das eine oder andere Auto überholen.
    Am Abend gings mit dem Auto zurück auf den Pass, wo wir nicht nur unsere erste Etappe Revue passieren ließen, sondern auch das eine oder andere Belohnungsbierchen auf uns wartete.


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    Am nächsten Morgen gings dann zum ersten Mal vom Sattel in die Bergschuhe. Vom Pass aus sahen wir bereits unser Hauptziel dieser zwei Wochen: Die Majestät der Dauphine – die Barre de Ecrins (4123m).


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    Doch dafür war es noch ein wenig zu früh – wir wollten uns erst in Ruhe akklimatisieren. An Alternativen mangelte es ohnehin nicht. Kurz hinter der französisch-italienischen Grenze stand der prominente Monviso (3841m), auf den wir schon länger ein Auge geworfen hatten und der nun zum Greifen nah schien. Um am vielbesuchten höchsten Gipfel der Cottischen Alpen nicht zu sehr ins menschliche Gedränge zu geraten, entschieden wir uns für den Aufstieg über das Boarelli-Biwak (auf ca. 2800m).


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    Erwartungsgemäß waren wir auch dort nicht die einzigen Besucher, Wochentag hin oder her. Die phantastische Lage der Unterkunft direkt an einem kleinen See machte aber alles Gedränge um die Schlafplätze wieder wett.

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    Am kommenden Morgen verließen wir bewusst als erste die Hütte. Als wir kurz nach 4 Uhr in die Nacht traten, schliefen die anderen Gipfelaspiranten noch. Für den Nachmittag waren Quellwolken und lokale Gewitter angekündigt, da wollten wir uns nicht mehr auf dem Präsentierteller befinden. Die Wegfindung sollte uns trotz Dunkelheit ohnehin nicht vor große Probleme stellen, denn wie Goedeke bereits andeutete, wurden alle möglichen Orientierungsprobleme „mit reichlich Farbe beseitigt.“

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    Der Weg durch das Felsenlabyrinth verlief trotz des kraftraubenden Auf und Ab überraschend einfach.
    Hier der Blick vom Fuße des Moviso hinauf zum Gipfelbereich (aufgenommen am Nachmittag):

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    Da der Fels trocken und vom Gletscher kaum noch etwas übrig war, konnten wir die Steigeisen getrost im Rucksack lassen. Und auch das Seil kam nicht zu Anwendung. Der Großteil des Aufstiegs verlief im IIer, Ier und Gehgelände – in dem wir uns trotz des teilweise brüchigen Geländes ja sicher fühlten. Zwar soll es auch ein paar IIIer Stellen geben, diese sind uns allerdings nicht aufgefallen. Entsprechend kamen wir zügig voran. Nach knapp 3,5h standen wir auf dem Gipfel und zwar mutterseelenallein.

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    Alle nachfolgenden Seilschaften waren noch weit hinter uns, sodass wir diesen oft so überlaufenen Berg ganz in Ruhe genießen konnten. Und zu genießen gab es eine Menge. Der Ausblick war ungewöhnlich und grandios zugleich. Über dem Tal lag ein dichter Wolkenteppich, aber derart tief, dass man sich beinah in einem Flugzeug wähnte.

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    Zudem waren wir auf dem höchsten Gipfel der näheren Umgebung, von schneebedeckten 4000ern und endlosen Gletschern – wie sonst so typisch auf dieser doch beachtlichen Höhe – fehlte jede Spur. Stattdessen beherrscht der Fels hier die Natur. Optisch ists ein Augenschmaus, zum Klettern ist das meiste hier aber wohl eher nichts. Soweit das Auge reicht, prägen Schutt und Geröll die Flanken und Grate der meisten Berge. Uns wars egal – unsere Mission hier sollte nach dem Abstieg erledigt sein. Da sich die Wolken immer mehr um unseren Berg versammelten, nahmen wir diesen bald auch in Angriff. Zwei Stunden später fielen die ersten Regentropfen – da waren wir zum Glück aber schon wieder fast im Tal.


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    Am Abend ließen wir es uns trotz des durchwachsenen Wetters nicht nehmen, auf dem Col d’Angel bei Käse, Brot und Wein gemütlich den Tag ausklingen zu lassen. Dieses Abendprogramm entwickelte sich bei uns über die ganzen zwei Wochen zum immer wiederkehrenden Ritual. Wir haben oft am Komfort gespart, im Grunde nur im Auto oder Zelt geschlafen und auch die Hygiene gern mal vernachlässigt – was den Vino anbelangt, ließen wir es uns an nichts fehlen. Das war unser kleiner Luxus – das Zeichen, das nun der Moment der Erholung gekommen war. Natürlich fragt man sich hin und wieder mal, warum man sich und seinem Körper diese physischen wie psychischen Strapazen immer wieder antut. Warum man nicht einfach weiter ans Meer fährt und die Beine im kühlenden Wasser baumeln lässt. Spätestens wenn wir uns am Abend nach einer langen Tour ins Gras gesetzt haben, in die Weite schauten und der Korken ploppte, waren alle Fragen vergessen. In diesen ruhigen Stunden schauten wir auf den vergangenen Tag zurück und fanden in der Ruhe nicht nur Zufriedenheit, sondern sogar die Motivation für neue Taten.


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    Zuletzt geändert von Wette; In den letzten 2 Wochen.
    "Meine Spur ziehe ich am liebsten, wohin keine andere führt. Ich kann zurückblicken und sie beurteilen, was ich sonst nicht könnte, weil sie sich durch die vielen anderen verlieren würde.
    Auch mein Leben will ich unter Kontrolle haben. Darum gehe ich einen eigenen Weg, dem nicht jeder folgt." (Heini Holzer)

  • #2
    Nach dem Monviso stand wieder Radfahren auf dem Programm – Abwechslung braucht der Mensch. Als Ziel hatten wir uns nochmal eine Etappe der vergangenen Tour de France ausgesucht: den Col d’Izoad (2360m) über seine Südrampe. In Zahlen ausgedrückt bedeutete dies 1200hm auf ca. 20km – folglich natürlich „hors catégorie“. Die Taktik war einfach wie dumm: Wir wollten unseren müden Beinen gar nicht erst die Zeit zum Jammern geben. Dabei hätten sie eine Pause nach dem besonders kraftintensiven Vortag durchaus verdient gehabt. „Anstrengung ist die beste Erholung“ avancierte zum Leitgedanken dieses Tages und wir stellten die fragwürdige These auf, dass ein knackiger Anstieg die geschundenen Beine schon irgendwie wieder auflockern würde. Als weitere Herausforderung wählten wir zudem die heiße Mittagszeit für unseren Start aus und selbst vom schlechten Omen, dass mir in einem unachtsamen Moment kurz vor dem Losrollen doch tatsächlich ein herumstreunender Hund an die Felge gesch***** hat, ließen wir uns nicht beeindrucken.

    Man mag es kaum glauben, aber unser kühner Optimismus wurde belohnt. Die Beine beugten sich unserem Eifer und zogen bei jeder Tempoverschärfung mit und selbst die warme Mittagsonne hatte in der zunehmenden Höhe sowie beim aufkommenden Wind einen positiven Effekt.

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    Keine zwei Stunden nach unserem Start standen wir dann auch schon am höchsten Punkt des Passes, wenn gleich auch mit etwas wackligen Beinen.

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    Am kommenden Morgen bekamen wir dann die volle Breitseite unserer Körper zu spüren. Vor allem die Beine zeigten kein Erbarmen. Nun merkten wir, wer am längeren Hebel saß. Jeder noch so kleine Schritt tat weh, ging es bergauf oder bergab, wurden wir gar langsamer als ein 90jähriger mit Rollator. Nun kamen wir um einen Ruhetag nicht drumherum. Die Enttäuschung, einen Schönwettertag „sinnlos“ verstreichen lassen zu müssen, hielt aber nur kurz. Bald hatte uns „la dolce vita“ vollends erfasst.

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    Gegen Mittag gings dann weiter nach Ailefroide – einem der wohl bekanntesten Kletterparadiese der Dauphine und dem Talort für eine Barre de Ecrins Besteigung. In diesem beschaulichen Zusammenspiel von Dörfchen und Campingplatz traf sich alles, was fähig war, ein Seil zu bedienen. In der festivalähnlichen Zeltstadt kamen Franzosen, Spanier, Italiener, Deutsche, Österreicher, Schweizer, Slowenen, Tschechen und Russen zusammen, vom Kleinkind bis zum Rentner, Boulderer, Sportkletterer, Hochtourengeher, Biker aber auch ganz gewöhnliche Wander- und Naturfreunde. Vieles erinnerte an längst vergangene Hippie-Zeiten – man konnte sich wirklich wohlfühlen. Tagsüber war das Örtchen wie ausgestorben. Wer sich nicht in den umliegenden Felsen austobte, zog sich ins schattige Zelt oder an den kühlen Fluss zurück. Wir schlenderten ein wenig über die kleine Hauptstraße, kümmerten uns um die Tourenplanung, aßen hier ein Eis, tranken da ein Bier und was man eben so macht, wenn der Tag viele Stunden hat, aber man selbst nichts zu tun. Am Abend leuchteten auf dem Campingplatz dann überall die vielen kleinen Feuerstellen, der Duft von gebratenem Fleisch sowie Fisch schwirrte durch die Luft und an beinah jeder Ecke sah man Menschen in kleinen Grüppchen beieinander sitzen. Das ist wirklich ein Ort, an den man nochmal wiederkommen muss. Dann aber mit etwas mehr Zeit und ein paar zusätzlichen Exen im Gepäck

    Am kommenden Morgen wurde es für uns wieder ernst. Zwei weitere stabile Wettertage mit viel Sonnenschein und wenig Wind standen bevor, die wir nutzen wollten. Mit noch immer schweren Beinen und einem nicht weniger leichten Rucksack reihten wir uns also in die endlos scheinende Menschenkette hinauf zum Glacier Blanc ein. Auch hier war vom überforderten FlipFlop-Wanderer bis hin zum professionellen Trailrunner beinah alles Erdenkliche vertreten. Zu unserer Überraschung hatte jeder Zweite einen Pickel am Rucksack – wollten die etwa alle auf die Barre de Ecrins? Mir schwante Böses. „Tja, an einem 4000er biste im Sommer nie allein“ lachte Richard, als er mein ungläubiges Kopfschüttern bemerkte. Ich kam mir vor wie bei einer Völkerwanderung.

    Umso angenehmer wurde es, als wir am Gletscherrand den Pulk der Tagestouristen hinter uns ließen. Zugleich eröffnete sich uns nun langsam der vielgepriesene Blick auf die Hochgebirgslandschaft der Dauphine. Vor allem der gegenüber liegende Pelvoux machte mächtig Eindruck – vor ein paar Jahren hatte Richard bereits auf ihm stehen dürfen.

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    Während die anderen Seilschaften bald darauf rechts abbogen und die letzten Meter über Felsen zum Rifugio de Ecrins aufstiegen, ging es für uns noch ein Stückchen weiter über den Glacier Blanc. Um ein wenig unabhängiger zu sein, hatten wir wieder unser Zelt dabei und konnten so noch etwas näher an den großen Gletscherbruch der Barre heran. Als wir unsere Behausung errichtet hatten, zog es sich am Himmel bereits zu. Gewitter waren zwar nicht angekündigt, doch im Nu wurden wir von Wolken umhüllt. Diese düstere Atmosphäre und die aufkommende Kälte trieben uns bald in die warmen Schlafsäcke.

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    Die Nacht war kurz – wie immer in dieser Höhe. Und doch war mit dem Weckerklingeln jede Müdigkeit verflogen. Anspannung und Vorfreude mischten sich, als wir um 3.30Uhr aus dem Zelt in die pechschwarze Nacht traten. Ein leichter, eiskalter Wind empfing uns, nicht ein einziges Wölkchen stand am Himmel. Wir schauten uns um – noch war weit und breit keine Seilschaft zu sehen. Ein Grinsen huschte uns übers Gesicht. So hatten wir uns das vorgestellt. Also los, erst über den noch flachen Gletscher, anschließend am Gletscherbruch vorbei in die steile Eisflanke. In der Dunkelheit sah man kaum etwas, im schwachen Schein der Stirnlampen gerade einmal die nächsten 20m. Richard ging voran, im zügigen aber gleichmäßigen Tempo. Wir folgten einer ausgetretenen Spur, die sich meist an den pechschwarzen Mäulern riesiger Gletscherspalten vorbei schlängelte, teils aber auch direkt über diese hinweg führte. Hin und wieder schaute ich mich um. Von der Hütte kommend, sah ich weit unter uns, wie an einer Perlenschnur aufgereiht, die Lichter der anderen Seilschaften. Wie eine lange Schlange zogen sie über den Gletscher – eine mystische Szenerie. Wir waren diesem Pulk entkommen, unsere ersten Verfolger mussten wohl über eine Stunde hinter uns sein und dennoch kam nicht einmal der Gedanke an eine Pause auf. Wir stapften immer weiter, wortlos die Flanke hinauf – wir waren im Flow.

    Als wir gerade die große Querung unterhalb des Gipfelgrates hinter uns hatten, ging am Horizont die Sonne auf. Für wenige Minuten erstrahlte alles in einem warmen Orange.

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    Schnell stiegen wir noch über den Bergschrund zum Einstig des Westgrates und dann war die Zeit für einen Moment der Ruhe gekommen. Bei etwas höher stehender Sonne würde das Klettern gleich viel angenehmer sein. Also ließen wir uns ein paar hartgefrorene Riegel schmecken und die Blicke schweifen – zum Beispiel hinüber zum Mont Blanc:

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    Derweil kam ein einzelner Bergsteiger zu unserem Frühstücksplatz hinauf gespurtet. Wir ließen ihm den Vortritt, wenn gleich ich schon gern der erste auf dem Gipfel gewesen wäre. Sei’s drum, er war eh schneller. Nun folgte der Übergang in den Fels. Richard war ein wenig angespannt. Zwar gingen die Anforderungen über IIer Kletterei kaum hinaus, doch hatte er vor ein paar Jahren bereits an dieser Stelle gestanden. Damals war er in dichten Nebel eingehüllt gewesen, Sturmböen hatten über Stunden an Körper und Nerven gezerrt und der vereiste Einstiegsbereich war zum unüberwindbaren Hindernis geworden. Nochmal wollte er nun nicht umkehren.

    Er sollte es aber auch nicht müssen –die Verhältnisse waren perfekt. Im trockenen und zumeist festen Fels kamen wir am laufenden Seil zügig voran. Die Steigeisen konnten im Rucksack bleiben. Pure Freude machte sich bei uns breit und vertrieb die anfängliche Nervosität.

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    Letztendlich verging die Kletterei viel zu schnell. Als wir den höchsten Punkt erreichten, befand sich der Solo-Kletterer bereits wieder im Abstieg. Folglich gehörte uns der Gipfel ganz allein – wie schon ein paar Tage zuvor am Monviso. Und da soll noch einer sagen, dass man sich an solch namenhaften Bergen im Hochsommer unweigerlich die Füße platt tritt.

    Während wir so dasaßen und die frische Luft in über 4000m einatmeten, kamen wir aus dem Grinsen nicht mehr heraus.

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    Da war er, dieser Moment, den ich mir am Schreibtisch so oft herbei gesehnt hatte. Auf dem Gipfel der Barre des Ecrins, dem südlichsten und zugleich westlichsten 4000er der Alpen – über 750km Luftlinie von der Heimat entfernt. Und ich hätte ihn mir nicht besser ausmalen können. Kein Wölkchen war am Himmel, die Morgensonne wärmte die kühlen Wangen und von Müdigkeit, Erschöpfung oder Kopfschmerzen keine Spur. Auch der Gedanke an den langen Abstieg konnte das Glück nicht trüben. Also ließen wir den Rückweg noch ein wenig warten und stattdessen die Blicke immer wieder von Neuem kreisen – zum Beispiel zur Meie und zum Mont Blanc Massiv (ganz rechts hinten)…

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    ...zum Pelvoux und unserem Monviso (mittig hinten)

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    "Meine Spur ziehe ich am liebsten, wohin keine andere führt. Ich kann zurückblicken und sie beurteilen, was ich sonst nicht könnte, weil sie sich durch die vielen anderen verlieren würde.
    Auch mein Leben will ich unter Kontrolle haben. Darum gehe ich einen eigenen Weg, dem nicht jeder folgt." (Heini Holzer)

    Kommentar


    • #3
      …oder hinab zu unserem unscheinbaren Zeltplatz:

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      Der Abstieg war erwartungsgemäß zäh. Zunächst galt es, den anderen Seilschaften am Grat auszuweichen, später wurden wir von diesen bei der langen Querung von oben mit Steinen beschossen. Auch der weitere Weg über die steile zerrissene Nordflanke mit seinen trügerischen Spaltenbrücken gestaltete sich nochmal recht spannend. Die größte Gefahr stellten jedoch die gewaltigen Gletscherbrüche über unseren Köpfen dar, die in der Mittagssonne bedrohlich hinab funkelten. Die bisweilen autogroßen Eisbrocken am Wandfuß verdeutlichten uns die Ernsthaftigkeit der Situation, sodass wir uns lieber schnellen Schrittes von dannen machten.

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      Erst zurück am Zelt fiel auch die letzte Anspannung ab. Noch ein abschließendes Mal schauten wir wie gebannt auf die überdimensionale Eisflanke. Kaum zu glauben, dass durch dieses Labyrinth ein Weg führt.

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      Als wir das Tal erreichten, war es bereits früher Nachmittag. Am liebsten hätten wir uns bei der Sommerhitze nun faul ins Gras gelegt, doch die nassen Sachen, der Hunger und Wunsch nach einer Dusche hatten Vorrang.

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      Am Abend gings wieder zurück zu unserem Lieblingsplatz, dem Col du Galibier, der beinahe heimatliche Gefühle hervorrief. Es war die dritte Nacht hier oben. Nur die Stimmung war jedes Mal eine andere. Und der Wein schmeckte heut besonders gut.


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      Der kommende Morgen begann vernebelt – im doppelten Sinne Allzu lang blieben wir aber doch nicht in den Schlafsäcken, immerhin stand ein weiteres Radfahr-Highlight bevor: Alp d’Huez. Über diese 21 Kehren muss im Grunde nicht viel gesagt werden. Wer sich dem Radsport verschrieben hat, kennt diesen Anstieg und seine Historie mit den vielen spannenden Geschichten, die sich hier über die Jahre abgespielt haben.

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      Mit entsprechend großen Erwartungen fuhren wir die ersten steilen Rampen bergan. Bald schon kam allerdings ein wenig Ernüchterung auf. Dies hatte aber weniger mit unserer physischen Verfassung zu tun, als mit der doch recht monotonen Streckenführung. Die zahlreichen Serpentinen verlaufen meist gleichmäßig ansteigend und fast ausnahmslos durch dichten Wald – nur hin und wieder wird der Blick frei hinunter ins Tal. Auch der Zielort, ein Skigebiet, ist wenig spektakulär. Also verschrieb ich mich eher meinem sportlichen Ehrgeiz und versuchte auf dem Weg zum Ziel so viele andere Radfahrer einzusammeln wie möglich – was mir auch ganz gut gelang. Nach gut 75 Minuten war der Spaß dann schon wieder vorbei. Die Pause in Alp d’Huez ließen Richard und ich etwas kürzer ausfallen. Zwar durfte das obligatorische „Siegerfoto“ nicht fehlen, doch schon bald wurde uns der Trubel hier zu viel.

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      Es reihte sich Hotel neben Hotel, flankiert von Sportausrüstern, Restaurants und Banken. Das war nicht unsere Welt. Anstatt direkt wieder abzufahren, entschieden wir aber, über ein paar knackige Gegensteigungen noch zum knapp 200m höher gelegenen Col de la Sarenne weiterzufahren und über die steile und zumeist schlecht asphaltierte Südostseite abzufahren. Hier – abseits des Skiressorts – fanden wir dann tatsächlich einsamen Radfahrspaß und ein paar urige Bergdörfchen, in denen nicht nur eine gute Mahlzeit, sondern auch ein paar leckere Getränke serviert wurden. Als wir am Nachmittag bei strahlendem Sonnenschein nach getaner Arbeit von den Rädern stiegen, standen knapp 60km und 2200hm zu Buche. Körper und Geist waren müde, aber noch lang nicht satt. Also ließen wir uns weiter treiben, wetterbedingt Richtung Süden – in die Provence. Hier würde die letzte große Radfahr-Herausforderung dieses Urlaubs auf uns warten.

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      Am nächsten Morgen erreichten wir das kleine Städtchen Malauscène. Es war Montagfrüh um 9Uhr, aber überall herrschte ein reges Treiben. Wir staunten nicht schlecht, als wir die vielen Radfahrerkolonnen sahen, welche stadtauswärts fuhren. Mit diesem Andrang hatten wir beim besten Willen nicht gerechnet. Und doch war uns sofort klar, wohin all diese Menschen wollten – schließlich hatten wir das gleiche Ziel: den Mont Ventaux.

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      „Es ist unglaublich beeindruckend, wenn der gewaltige Mont Ventaux am Horizont auftaucht. Sein Anblick jagt einem Schauer über den Rücken und allein deshalb wäre die schlichte Feststellung, dass er die Landschaft dominiert, eine Untertreibung. Wenn sie in Ihrem Leben nur einen einzigen Berg hochradeln können, dann nehmen Sie diesen hier: gnadenlos anstrengend, geschichtsträchtig und eingebettet in die atemberaubendste Landschaft Frankreichs – vielleicht sogar der ganzen Welt.“

      Ich las Richard diesen Satz aus unserem Tourenführer nochmal laut vor. Ich weiß nicht, wie oft ich das in den letzten Tagen bereits getan hatte, doch auch dieses Mal zog ein breites Lächeln über unsere Gesichter. Da waren wir also – zwei Radsportneulinge vor den Toren des wohl bekanntesten Anstieges Frankreichs. Im Nu war alle Müdigkeit verflogen. Jetzt wollten nur noch eines – rauf auf den Sattel!

      Auf den ersten flacheren Kilometern ließen wir uns von allerhand anderen Mitstreitern, Motorrädern und Autos überholen. Alles strebte dem Gipfel entgegen – ob motorisiert oder mit eigener Körperkraft. Wir ließen es bewusst etwas ruhiger angehen. Der Respekt war groß und die Beine schwer. Die 30° Lufttemperatur machten es nicht leichter. Und doch hielt die Freude nur kurz, als wir von der trocken Feldlandschaft in den kühlen Wald einbogen. Nun zog die Steigung nämlich stramm an. Ohne große Kehren ging es dort meist geradeaus hinauf. Als die Steigung das erste Mal die 10% überschritt, musste Richard mit seinem deutlich schwereren Rad abreißen lassen. Wir nickten uns noch einmal zu, dann fuhr jeder für sich. Da der Anstieg im weiteren Verlauf nicht abflachte, sondern eher unaufhaltsam zu steigen schien, hielt es mich bald kaum noch auf dem Sattel. Doch ich war nicht der einzige der sichtlich zu kämpfen hatte. Von den Hunderten Radfahrern, die ich in diesem Anstieg sah, hatten alle eines gemeinsam: und zwar das schmerzverzehrte Gesicht, das sich so sehr nach dem Ende dieser kleinen Tortur sehnte. Doch aufgeben wollte gleichfalls niemand. Also traten alle weiter unnachgiebig in die Pedalen – angefangen vom völlig erschöpften Mountainbiker, über den routinierten Senior bis hin zum ambitionierten Jungfahrer. Mehrfach dachte ich darüber nach, das Rad einfach kurz abzustellen und mich neben die anderen schweißgebadeten tiefroten Gesichter an den Straßenrand zu setzen, um zumindest einmal kurz durchatmen zu können. Ich war auch ein paar Mal kurz davor. Doch immer wenn ich mich am Ende meiner Kräfte fühlte, fuhr ein schwarzer Geländewagen an mir vorbei, hielt in 200m Entfernung und ausstiegen eine blonde Frau Ende 30 und ihre zwei kleinen Söhne. Schon von weitem hörte ich sie Klatschen und Jubeln. Die Unterstützung galt dem Vater, der gut 30Meter vor mir fuhr. Als er an ihnen vorbei gefahren war, ließen es sich die Kinder aber nicht nehmen, noch ein paar Sekunden zu warten, bis auch ich an ihnen vorbei fuhr. „Allez allez“ schallte es mir entgegen und der eine der beiden rannte immer ein paar Meter neben meinem Radl her. Wie hätte ich bei einer solchen Motivation pausieren können? Kaum war ich vorbei, stiegen sie schnell wieder ins Auto, sausten entlang der Kolonne nach vorn und das Spiel begann von neuem. Also hielt ich durch, Kilometer für Kilometer.

      Als wir aus dem Wald kamen und sich die Landschaft in eine bizarre Fels- und Geröllwüste verwandelte, wurde erstmals der Gipfel mitsamt seinem markanten rot-weißen Turm sichtbar. Er schien in greifbarer Nähe und war doch so fern. Das letzte Stück sollte nochmal richtig zäh werden. Hier schien wieder die Sonne unnachgiebig auf uns Radfahrer herab – vom viel gefürchteten starken Wind war allerdings keine Spur.

      Auf den letzten drei Kilometern sah ich häufiger Leute, die von ihrem Drahtesel abstiegen und diesen entnervt weiter bergauf schoben. Es dauerte ein wenig, bis ich die Ursache erkannte. Die meisten von ihnen waren mit E-Bikes unterwegs und scheinbar hatten sie sich unterwegs zur sehr auf ihren Motor verlassen, dessen Akku nun auf einmal leer war. Ich konnte mir ein kleines Schmunzeln nicht verkneifen. Ich erinnerte mich, wie zuvor manch einer mit entspanntem Lächeln und einem deutlich hörbaren Motorsummen lässig an mir vorbei gefahren war. Tja, jetzt gabs dafür die Quittung – und die mit ca. 20-25 zu schiebenden Kilogramm knüppeldick. Ich werde vermutlich nie verstehen, wie man auf die Idee kommt, große Radauffahrten mit E-Bikes zu befahren. Wenn dann kann man es aus eigener Kraft heraus oder nicht und dann sollte man es lassen bzw. ein wenig trainieren – oder sich eben gleich nen Moped ausleihen.
      Wenig später ging ich noch ein finales Mal aus dem Sattel und kämpfte mich auf der letzten steilen Rampe dem Gipfel entgegen. Dann war es vollbracht – nach knapp zweieinhalb Stunden bergauf stieg ich erschöpft vom Sattel und suchte mir im dichten Gedränge der Menschenmassen einen kleinen Platz zum Durchatmen. Bald darauf kam Richard neben mir zum Stehen und nach zwei Müsliriegeln waren wir beide auch endlich in der Lage, die eindrückliche Landschaft zu genießen. „Die Aussicht gleicht dem Blick aus einem Flugzeug“ hatte ich in einem Führer zuvor gelesen – und so ganz Unrecht hatte dieser mit der Aussage nicht.

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      Nach einer rassigen Abfahrt erreichten wir am frühen Nachmittag wieder Malaucène. Während die Sonne weiterhin unnachgiebig vom Himmel herab schien, gabs endlich das wohlverdiente Belohnungsbierchen.

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      "Meine Spur ziehe ich am liebsten, wohin keine andere führt. Ich kann zurückblicken und sie beurteilen, was ich sonst nicht könnte, weil sie sich durch die vielen anderen verlieren würde.
      Auch mein Leben will ich unter Kontrolle haben. Darum gehe ich einen eigenen Weg, dem nicht jeder folgt." (Heini Holzer)

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      • #4
        Hier hätten wir unsere kurze Reise nun gemütlich ausklingen lassen können. Das Wetter, das es mit uns bisher so gut gemeint hatte, sollte nämlich umschlagen und über mehrere Tage alpenweit große Niederschläge mit sich bringen. Schon der nächste Morgen würde trüb und nass beginnen. Als Zeit heim zu fahren…oder?

        Im Grunde schon. Wir waren mehr als zufrieden mit unserer Ausbeute – und doch hätten wir zum Abschluss gern nochmal auf einem hohen Berg gestanden. Also entschieden wir, noch die Wetterprognose des nächsten Tages abzuwarten. Die Zwischenzeit verbrachten wir notgedrungen vor allem im Auto sowie Restaurants und Kneipen. Und ein kleines Bad ließen wir uns auch nehmen – im Wasser konnte uns der Regen schließlich nichts anhaben

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        Am Ende wurde unsere Hoffnung auf ein kleines Wetterfenster tatsächlich erfüllt. Der kommende Vormittag würde eine kurze Wetterberuhigung mit sich bringen – die Grajischen Alpen sollten besonders begünstigt sein. Sogar von Sonne war die Rede, ein kurzer Moment der Ruhe vor dem nächsten Sturm. Nach anfänglicher Planlosigkeit, was mit circa sechs Stunden in dieser Region anzufangen wären, kam mir ein längst vergessener Name zurück ins Gedächtnis: die „Aiguille de la Grande Sassière“ – mit 3747m ein stattlicher Berg, der wohlgemerkt als höchster wanderbarer Gipfel der Alpen gilt. Wir hatten schon lange einmal einen hohen Berg „light and fast“ besteigen wollen, was bislang aber immer am Gepäck und mangelnder Akklimatisierung gescheitert war. Nun sollte alles passen. Vom Parkplatz an der Talsperre „Barrage du Saut“ waren es machbare 1500hm – sofort waren wir angestachelt.

        Während wir es uns am Vorabend in freudiger Erwartung in unseren Schlafsäcken im Auto gemütlich machten, regnete es unentwegt weiter. Auch am frühen Morgen lag noch eine dichte Wolkendecke, über dem Tal. Als wir jedoch bald darauf die Serpentinen zum Stausee hinauf fuhren, ließen wir den Nebel unter uns und ein blauer Himmel empfing uns. Vom Parkplatz aus konnte man bereits den Gipfel der Grande Sassière und die imposante Südflanke in Betracht nehmen. Der obere Teil war weiß angezuckert, was uns aber nicht dazu verleitete, Seil, Steigeisen oder Pickel mitzunehmen. Wir hatten ein paar Minuten hin und her überlegt, wollten die Ausrüstung aber nicht sinnlos hoch und runter schleppen. Schnell und leicht war ja die Devise. „Wenn die Sonne rauskommt, ist das bisschen Schnee bestimmt im Nu wieder weg“ – so unsere Hoffnung.

        *Die beiden folgenden Bilder wurden am Nachmittag nach der Rückkehr aufgenommen*

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        Ohne großes Gepäck waren die ersten Höhenmeter schnell gemacht. Der Parkplatz, an dem wir eben noch die ersten gewesen waren, begann sich langsam zu füllen:

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        Wir waren wohl nicht die einzigen, die aus dem Nebel hinaus wollten. Weiter drüben erstrahlten bereits die „Grande Motte“ (3653m) – deren hässliches Skigebiet uns zum Glück nicht weiter auffiel – und die „Grande Casse“ (3855m), die uns ihre steile Nordwand präsentierte.

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        Nach einfachem Wiesen- und Schrofengelände erreichten wir bald den flachen Südwestrücken, der weiter zum Westgrat der Sassière führt. Mittlerweile stand die Sonne schon recht hoch am Himmel, doch der Westgrat lag noch immer im Schatten. Je näher wir ihm kamen, umso klarer wurde uns, dass Steigeisen wohl doch keine schlechte Wahl gewesen wären.

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        Als das Gelände wieder aufzusteilen begann, kamen uns zwei Trailrunner entgegen – sie wollten bei dem rutschigen Schnee und angesichts einzelner vereister Stellen lieber auf den Gipfel verzichten und den Rückzug antreten. Mit unseren stabilen Bergschuhen gings da schon besser, wenn gleich sich der „leichte Wanderberg“ bei diesen Bedingungen von seiner widerspenstigen Seite präsentierte. Bald erreichten wir dann noch eine 3er Seilschaft, bestens ausgerüstet mit Seil, Steigeisen und Pickel, aber mit merklichen Höhenproblemen. Je weiter sie hinauf kamen, umso langsamer wurden sie, sodass sie uns bald vorbei ließen. Nun war der Weg nach oben frei.

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        Zügig aber zugleich vorsichtig stiegen wir die letzten Höhenmeter der Gipfelpyramide hinan – stets mit einem Auge die steile Westflanke hinunter schielend und mit dem Bewusstsein, nun besser nicht auszurutschen. Mit der nötigen Konzentration war es dann aber wenig später geschafft – knapp 3h nach unserem Aufbruch standen wir freudestrahlend auf unserem letzten Gipfel. Trotz des Mammutprogramms der letzten Tage fühlten wir uns in diesem Moment wieder frisch und fit wie lange nicht zuvor – was wohl aber mit dem Wissen zusammenhing, dass nun die letzten Höhenmeter hinter uns lagen und es nur noch bergab ginge

        Zugleich machte sich ein erster Anflug von Wehmut breit. Das wars dann also schon fast wieder. Der Abschied von den Westalpen rückte näher und je mehr man sich dessen bewusst wurde, umso lieber schoben wir den Abstieg vom Gipfel noch ein wenig hinaus. Nur noch ein bisschen die phänomenale Aussicht genießen – ein paar Minuten noch.

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        Irgendwann mussten wir dann aber doch den Rückweg antreten. Wie angekündigt zog von Nordosten eine dichte Wolkenwand herein, die uns nicht nur die Sicht hinüber zum Mont Blanc und Gran Paradiso nahm, sondern uns bald vollständig einnebelte.

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        Schon während des Abstiegs zogen Richard und ich eine erste Bilanz der vergangenen Tage. 14 Tage waren wir unterwegs gewesen, inklusive jeweils einem Tag für An- und Abreise und zweier Ruhetage. Blieben netto zehn aktive Tage, in denen wir drei Gipfel erreichten sowie vier große Radpässe befuhren und dabei summa summarum 12.400 Höhenmeter hinter uns ließen. Das konnte sich doch sehen lassen! Klar, angesichts des Wetterglücks hätte sicher noch der eine oder andere 4000er mehr herausspringen können, doch dann hätten wir auf das Radeln verzichten müssen und gerade das hatte diesen Urlaub so schön abwechslungsreich gemacht. Darüber hinaus war es uns eh nicht um Leistung allein gegangen, sondern um so vieles mehr: Erholung, Zerstreuung, Spaß, Lachen und Genuss. Vor allem an Letztgenannten hatten wir nicht gespart: immerhin standen nach diesen Tagen zehn Flaschen Rotwein zu Buche Folglich waren wir rundum zufrieden!

        Ein unschönes, auf gewisse Weise komisches und zugleich sehr befremdliches Erlebnis soll am Ende dann aber doch nicht verschwiegen bleiben. Als Richard und ich morgens am Stausee vor dem Abmarsch zur Sassière frühstückten, weckten wir mit unserer scheinbar lauten Unterhaltung unabsichtlicher Weise eine junge Französin, die offensichtlich neben uns in ihrem Auto geschlafen hatte. Wir hatten sie bei unserer Ankunft nicht bemerkt und waren umso erschrockener, als sie plötzlich die Tür öffnete und uns wilde Beleidigungen an den Kopf warf. Von einer Entschuldigung wollte sie nicht viel wissen, also hatten wir uns schnell aus dem Staub gemacht, um eine Eskalation der Lage zu vermeiden. Schon im Aufstieg hatte ich mich dann schon halb im Spaß gefragt, ob wir das Auto nach der Rückkehr wohl mit zerstochenen Reifen auffinden würden, besann mich aber schnell wieder, dass wir ja im zivilisierten Frankreich waren. Umso erstaunter waren wir beide dann bei der Ankunft am Parkplatz, wo wir erkennen mussten, dass das Auto äußerlich zwar heil war, uns aber doch tatsächlich jemand an den Griff der Fahrertür geschi**** hatte. Auch um das Auto herum fanden sich diverse Kotreste. Die Frau und ihr Auto waren natürlich verschwunden. Während sich der Gestank unnachgiebig in unseren Nasen festsetzte, blieb uns nichts anderes übrig, als irritiert und mit einer gewissen Wut im Bauch mit dem Kopf zu schütteln. Wir leben schon in einer eigenartigen Welt…



        "Meine Spur ziehe ich am liebsten, wohin keine andere führt. Ich kann zurückblicken und sie beurteilen, was ich sonst nicht könnte, weil sie sich durch die vielen anderen verlieren würde.
        Auch mein Leben will ich unter Kontrolle haben. Darum gehe ich einen eigenen Weg, dem nicht jeder folgt." (Heini Holzer)

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        • #5
          Es freut mich für euch, dass ihr es so gut erwischt habt. In euer ersten Woche war es in den Westalpen am Hauptkamm und nördlich davon ziemlich instabil. Trotz guter Prognose sind wir in Schneefall, Sturm, Gewitter und Regen am Grand Combin gekommen. Das war wirklich kein Spaß. Als wir in Parkplatznähe waren, strahlte dafür die Sonne vom Himmel. Danach sind wir in die Urner Alpen geflohen, um kürzere Touren zu klettern. Wir hätten wohl in den Süden fahren sollen...
          Zuletzt geändert von placeboi; In den letzten 2 Wochen.
          "Glück, das kann schon sein: man hat es fast hinter sich und einen Schluck Wasser noch dazu." (Malte Roeper)

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          • #6
            Faszinierend und sehr beeindruckend was ihr zusammen erlebt habt. Ein großes Kompliment für diese Leistung. Die Berichte und Bilder sagen sehr viel aus. Danke für diesen wundervollen Bericht
            Liebe Grüße
            Wolfi

            Es gibt nichts schöneres als alleine zu klettern -
            und nichts schlimmeres, als alleine klettern zu müssen !

            http://www.w-hillmer.de

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            • #7
              Du erzählst mit einer Leichtigkeit, die bewundernswert ist.

              Die Kombination Rad - Berg gefällt mir sehr gut, ich hab's aber bisher urlaubsmäßig immer getrennt.

              Du gestattest hoffentlich 2 ergänzende Bilder vom 11.8.2003, die Location ist nach diesem tollen Bericht ja eindeutig zu erkennen.
              DSC00203.JPG

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              LG, Günter
              Nicht was wir erleben, sondern wie wir es empfinden, macht unser Schicksal aus.
              (Marie von Ebner-Eschenbach)

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              • #8
                Welch großartiger Bericht, faszinierend mit welcher Leichtigkeit ihr eure Touren absolviert.
                Schade das es nicht mehr Bilder vom Monte Viso Anstieg gibt.
                Lg. helmut55

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                • #9
                  Zitat von helmut55 Beitrag anzeigen
                  Welch großartiger Bericht, faszinierend mit welcher Leichtigkeit ihr eure Touren absolviert.
                  Schade das es nicht mehr Bilder vom Monte Viso Anstieg gibt.
                  Das kann ich wieder vollinhaltlich unterschreiben, und Näheres vom Monviso würde mich auch sehr interessieren. Bislang bin ich ihm ja immer nur auf ein paar hundert Meter nahegekommen, am Viso Mozzo und am Monte Losetta - war sehr eindrucksvoll!

                  lg
                  Norbert

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                  • #10
                    Super Bericht und ganz tolle Fotos - Gratulation!
                    Der ausgeaperte Felsen bzw. vom Eis befreite Felsen im Eis war beim Günter noch kaum zu sehen
                    LGr. Pablito

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                    • #11
                      Toll!

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                      • #12
                        Merci für die Rückmeldungen

                        Zitat von placeboi Beitrag anzeigen
                        Es freut mich für euch, dass ihr es so gut erwischt habt. In euer ersten Woche war es in den Westalpen am Hauptkamm und nördlich davon ziemlich instabil. Trotz guter Prognose sind wir in Schneefall, Sturm, Gewitter und Regen am Grand Combin gekommen. Das war wirklich kein Spaß. Als wir in Parkplatznähe waren, strahlte dafür die Sonne vom Himmel. Danach sind wir in die Urner Alpen geflohen, um kürzere Touren zu klettern. Wir hätten wohl in den Süden fahren sollen...
                        Schade, dass ihr so ein Pech hattet. Cottische Alpen und v.a. Dauphine sind natürlich immer etwas mehr begünstigt, aber hätte nicht gedacht, dass es bei euch derart schlecht gewesen ist. Die ersten Tage waren bei uns auch noch durchwachsen - v.a. der Wind machte ein paar Probleme - aber ab Mitte der Woche besserte es sich schlagartig. An der Barre de Écrins hätten wir es nicht besser treffen können. 4-5Tage lang hatten sich ab 8-9Uhr morgens immer Wolken am Gipfel festgesetzt. Wie man auf den Bildern sieht, hatten wir dann urplötzlich strahlend blauen und wolkenlosen Himmel...

                        Die Andeutung mit dem Grand Combin hat nun mein Interesse geweckt Gibts da mal was Ausführliches von dir zu lesen? Is n ganz schön großer und beschwerlicher Klotz, dafür dass ihr für große und längere Hochtouren zuletzt Motivationsmängel hattet :P
                        (Falls kein Bericht in Planung ist: Wie kams zu dem Vorhaben? Welche Route wolltet ihr gehen? Wo hat euch das Gewitter erwischt?)

                        Zitat von wolfi Beitrag anzeigen
                        Faszinierend und sehr beeindruckend was ihr zusammen erlebt habt. Ein großes Kompliment für diese Leistung. Die Berichte und Bilder sagen sehr viel aus. Danke für diesen wundervollen Bericht
                        Besten Dank für die netten Worte. Freut mich sehr


                        Zitat von mountainrabbit Beitrag anzeigen
                        Du erzählst mit einer Leichtigkeit, die bewundernswert ist.

                        Die Kombination Rad - Berg gefällt mir sehr gut, ich hab's aber bisher urlaubsmäßig immer getrennt.

                        Du gestattest hoffentlich 2 ergänzende Bilder vom 11.8.2003, die Location ist nach diesem tollen Bericht ja eindeutig zu erkennen.

                        LG, Günter
                        Na ganz so leicht ging das Erzählen bzw. Schreiben dann auch nicht von der Hand. Hat ja ne ganze Weile gedauert, bis der Bericht fertig wurde - insbesondere, wenn man mal aufs aktuelle Datum schaut Aber umso schöner, wenn es trotz der langen Schreibdauer nicht brüchig und puzzleteilmäßig wirkt. Dann ist mein Ziel doch erreicht. Der Bericht ist natürlich wieder viiiel zu lang geworden. Meine Freundin tadelt mich immer ein wenig dafür. Ja, warum muss ich mich auch immer in Details verlieren? Und wer liest denn heutzutage überhaupt noch Berichte, für die man mehr als 3-4 Minuten braucht? Scheinbar doch noch ein paar. Gott sei Dank

                        Aber zurück zu deinen Anmerkungen. Also die Rad-Berg-Kombi hat uns sehr gut gefallen und ich glaube kaum, dass wir es kommenden Sommer anders machen werden. Die ersten Pläne werden bereits geschmiedet und jetzt wo sich mein Kumpel n brandneues Rennrad zugelegt hat, könnte ich ihm das so oder so nicht mehr ausreden, selbst wenn ich wollte

                        Danke natürlich auch für deine hochgeladenen Bilder. Ich bin doch ein großer Freund von alten Fotos und dem Wiederaufleben von Erinnerungen. Auf deinen Bildern sieht man sofort, dass sich auch an der Barre der Eispanzer zurückzieht - die herausschauenden Felsen werden jährlich mehr.
                        Wenn ich mir deine Fotos noch etwas genauer anschaue, fällt mir auf, dass ihr ganz schön spät dran gewesen seid oder? War das ne besondere Taktik eurerseits oder seid ihr an der Refuge Glacier Blanc gestartet? Gabs da keine Probleme mit den Spaltenbrücken im Abstieg und Steinschlag bei der Querung oben?

                        Zitat von helmut55 Beitrag anzeigen
                        Welch großartiger Bericht, faszinierend mit welcher Leichtigkeit ihr eure Touren absolviert.
                        Schade das es nicht mehr Bilder vom Monte Viso Anstieg gibt.
                        Ganz so leicht wie es sich vlt angehört hat, wars dann auch wieder nicht. Wetterglück muss man natürlich haben. Und wir haben uns die letzten Jahre gut vorbereitet und immer fleißig an unserer Kondition gearbeitet. Und doch hatte ich ja nach den ersten beiden Radpässen und dem Monviso einen Muskelkater, wie ich ihn seit Jahren nicht mehr kannte. Es gibt also immer noch Luft nach oben. Aber natürlich trotzdem vielen Dank Helmut

                        Zitat von csf125 Beitrag anzeigen
                        Das kann ich wieder vollinhaltlich unterschreiben, und Näheres vom Monviso würde mich auch sehr interessieren.

                        lg
                        Norbert
                        Ja, ich gebe euch Recht. Vom Aufstieg hätte es durchaus ein paar mehr Bilder geben können. Einerseits ist die Dunkelheit schuld. Als die Sonne aufging, lag der Großteil des Aufstiegs bereits hinter uns. Andererseits fand ich den Aufstieg zwar ganz nett, weil der Fels überraschend fest und gut zu klettern war, der Großteil der Route verläuft aber eher wenig spektakulär (meist Gehgelände), nicht wirklich ausgesetzt und ohne die erwarteten Tiefblicke. Da blieb die Kamera bei den kalten Fingern doch eher im Rucksack.
                        Zuletzt geändert von Wette; In den letzten 2 Wochen.
                        "Meine Spur ziehe ich am liebsten, wohin keine andere führt. Ich kann zurückblicken und sie beurteilen, was ich sonst nicht könnte, weil sie sich durch die vielen anderen verlieren würde.
                        Auch mein Leben will ich unter Kontrolle haben. Darum gehe ich einen eigenen Weg, dem nicht jeder folgt." (Heini Holzer)

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                        • #13
                          Bauh, soo schöne Unternehmungen!
                          Die Lebensfreude ist euch anzusehen.
                          Ist sicher nicht leicht, die besten Aufnahmen herauszupicken
                          aber dies ist dir sehr gut gelungen.

                          Gut für uns, dass du uns dies nicht vorenthältst.


                          L.G. Manfred

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                          • #14
                            Danke für den super Bericht. Wie immer gut geschrieben und bebildert. Frankreich ist immer eine Reise wert .
                            Bei den Bergen ist es so: Je höher man steigt, umso weiter ist die Sicht; bei den Menschen ist es oft umgekehrt (Otto Baumgartner-Amstad)

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                            • #15
                              Zitat von Wette Beitrag anzeigen
                              Die Andeutung mit dem Grand Combin hat nun mein Interesse geweckt Gibts da mal was Ausführliches von dir zu lesen? Is n ganz schön großer und beschwerlicher Klotz, dafür dass ihr für große und längere Hochtouren zuletzt Motivationsmängel hattet :P
                              (Falls kein Bericht in Planung ist: Wie kams zu dem Vorhaben? Welche Route wolltet ihr gehen? Wo hat euch das Gewitter erwischt?)
                              Bei ein paar Hochtouren in den Westalpen juckt es schon in den Fingern. Dafür fällt die Motivation dann leicht, auch wenn sie eher hohen Einsatz erfordern. Wenn wir halbwegs akklimatisiert irgendwo im Wallis oder Aostatal wären und beste Wetterprognosen hätten, würden wir wohl keine fünf Minuten überlegen müssen, ob wir nicht noch einmal den Grand Combin probieren würden.

                              Ein längerer Bericht ist nicht geplant. Sollte ich entgegen aktueller Planung doch noch irgendetwas aus dem letzten Sommer nachtragen, dann wäre es etwas übers Alpinklettern im Bergell.

                              Beginnen muss ich zwei Tage vor dem Besteigungsversuch. Wir waren gerade eine Route an der Aiguille d'Orny geklettert und überlegten, was wir als nächstes machen sollten. Angesichts des großartigen Granits wären wir gerne einen Tag länger geblieben, aber zwei Tage später sollte es einen richtig guten Tag geben und danach wieder gewittriger werden. Diesen wollten wir für den Grand Combin nutzen (über den Meitingrat), also stiegen wir ab (und kamen sogar weitestgehend trocken zum Auto). Am nächsten Tag dann Aufstieg zur Cabane de Valsorey. Ab ungefähr 14 Uhr sollte es gewittern, danach sollte sich das Wetter beruhigen. Tatsächlich begann es zu der Zeit ungefähr zu regnen. Wir dachten uns zunächst nichts dabei. Als es Stunde um Stunde weiterregnete wuchs die Angst vor Schnee oben am Berg. Zwischendurch zogen die Wolken kurz auf und wir sahen zum Glück erst ziemlich weit oben Schnee.

                              Abends regnete es immer noch, als Franzi nachts zur Toilette musste (sehr praktisch draußen ein ordentliches Stück von der Hütte entfernt), regnete es noch immer. Morgens beim Aufstehen, war es trocken und ein paar Sterne funkelten. Also brachen wir auf. Wir kamen sehr gut voran, fanden die Steigspuren auch nach dem Gletscherende problemlos. Es wurde zunehmend windiger. Plötzlich meinte Franzi, dort hinten blitzt es. Kurze Zeit später sah auch ich Blitze über dem Montblanc-Gebiet. Da wir noch nicht am Grat waren, gingen wir weiter. Irgendwann fing es dann auch im Süden über dem Aostatal oder den Grajischen Alpen an zu blitzen. Wir gingen weiter. Besonders beängstigend war es, dass wir wegen der Dunkelheit die Wolkenbewegungen nicht richtig sehen konnten. Bald erreichten wir den Grat, Sturm blies uns entgegen und wir sahen auch im Norden Blitze. Die Gewitter schienen ziemlich stationär zu sein, aber wir trauten uns nicht in den Grat einzusteigen, So exponiert im Sturm zu warten, brachte auch nichts. Daher stiegen wir ein Stück ab und warteten hinter einem Felsen kauernd auf den Morgen. Die Blitze wurden weniger und es wurde langsam hell. Zwischendurch bekamen wir ein paar Tropfen ab, aber das war nicht besorgniserregend.

                              Mit dem ersten Morgenlicht beschlossen wir es noch einmal zu versuchen. Da Sturm hatte nicht nachgelassen, aber immer mal wieder war man am Grat hinter irgendwelchen Türmen oder Aufschwüngen geschützt, Allzu lange kletterten wir den Grat aber nicht aufwärts. Das Gestein ist schieferartig, abwärtsgeschichtet und damit bei Nässe sehr unangenehm zu begehen. Und es war nass, triefend nass. Wenn der Grat kürzer gewesen wäre, hätten wir die Steigeisen angezogen und hätten es durchgezogen, aber noch hunderte Höhenmeter über dieses Gelände aufzusteigen und nachher abzusteigen gefiel uns gar nicht, zumal das Wetter immer noch unsicher war (aber es blitzte immerhin nirgends mehr).

                              Wir kletterten dann noch auf den unbedeutenden Comin de Meitin als Trostgipfel. Kurz bevor wir die Hütte begann es zu regnen. Wir waren so erleichtert umgekehrt zu sein als wir den starken Regenschauer in der Hütte aussaßen. Besonders lange dauerte er nicht, so dass wir weiterabstiegen. Als wir dann in der Nähe des Parkplatzes waren, leuchtete weit über uns der Meitingrat in der Sonne... Da das Wetter sehr instabil bleiben sollte, die Meteorologen erklärten, dass es bei der damaligen Wetterlage fast unmöglich sei vernünftige Gewitterprognosen zu machen, beschlossen wir kürzere Touren in den Urner Alpen zu klettern. Das hat dann gut geklappt und Spaß gemacht, aber die Sehnsucht nach großen Touren wurde während der zwei Wochen nicht gestillt. Vor dem Ausflug ins Montblanc-Gebiet waren wir zum Akklimatisieren auf Hochtouren in den Grajischen Alpen unterwegs, weil es am Hauptkamm und im Norden eher schlecht war. Es waren nette Touren, aber nicht das, weswegen wir in die Westalpen gefahren sind.
                              "Glück, das kann schon sein: man hat es fast hinter sich und einen Schluck Wasser noch dazu." (Malte Roeper)

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